An Bord ein Star – an Land nur Reihe 2? 

Nicht mehr lange!

Carmen Danen… Der Name sagt euch nichts, werte*r Leser*innen? Das ist NOCH kein Fauxpas. Wohlgemerkt noch, denn diesen Namen solltet ihr euch gut merken. Unser Autor Frank Hebenstreit ist ihr bei einem privaten Urlaub an Bord der Mein Schiff 4 auf einer Italien-Kreuzfahrt begegnet und war sich beim ersten Hören schon sicher: Von diesem aufstrebenden Stern müssen die Leser*innen erfahren und von wem, wenn nicht von uns. Genau. Frisch und mutig ans Werk, freundlich gefragt, und schon stand der Interview-Termin. 

Bond-Diva ganz nahbar

Bondgirl, Diva oder Adele-Interpretin wären drei Titel die man der 33-jährigen unbesehen verleihen könnte, denn sie hat in der Zeit an Bord gleich drei Solo-Programme, die sie an unterschiedlichen Abenden präsentiert. Neben einem Konzert mit Songs von Adele stellt sie ihr Talent an einem weiteren Konzertabend mit Songs großer Diven unter Beweis. Krönender Abschluss einer jeweiligen Konzertwoche ist dann ein Abend mit einer gekonnten Auswahl an James Bond Titelsongs. Und man erfährt auch noch ein paar Dinge, die man über James Bond Titelsongs noch nicht wusste. 

Carmen Danen schaut genau hin // Foto: © Dorothea Baumann

Wer von der Branche auch nur einen Hauch Ahnung hat, weiß wieviel Arbeit und Schweiß allein in einem Solo-Abend steckt. Aber gleich drei? Hut ab, da werden wir nachfragen, haben wir uns vorgenommen. Darüber hinaus ist sie aber auch noch freundlich, charmant und äußerst nahbar. Letzteres ist aber auf einem Kreuzfahrtschiff auch eher ein Vorteil, denn hier lebt man ja als Künstlerin mit dem Publikum auf engem Raum. 

Zu unserem Interview erscheint die Niederländerin mit Wahlheimat Berlin in Jeans, T-Shirt und Sneakers. Man merkt sie ruht in sich selbst und braucht nichts mit irgendwelchen überkandidelten Wünschen betonen.  Ein simpler Tee, mit etwas Honig und schon kann unser Interview losgehen. 

the little queer review [tlqr]: Einfach ein Tee? Sonst nichts? 

Carmen Danen: Im Moment ist das das Beste für meine Stimme. Ich habe eine Halsentzündung und darf nicht singen. 

tlqr: Aber das ist doch nahezu Todesstrafe für eine Sängerin, oder? 

Carmen Danen: Viel Schlimmer ist für mich, dass ich nicht auf die Bühne kann und so mein Publikum enttäuschen muss. Mein Diven Abend und mein Adele Konzert sind in dieser Woche abgesagt. Der James Bond Abend kann hoffentlich stattfinden. 

tlqr: Das hoffen wir auch [hat er dann auch, Anm. d. Red]. Ganz Schönes Programm, was Du Dir da aufgeladen hast. Wie kommt man dazu? 

Carmen Danen: Ich habe mich vor Corona mal bei Tui Cruises beworben und dann sagte man mir, man kommt auf mich zurück. Das kam man dann auch, nur halt erst dieses Jahr. Und da erhielt ich dann den Anruf, ich glaube es war ein Montag, und die Frage war: Carmen, ja etwas kurzfristig, aber kannst Du Donnerstag aufs Schiff? 

„Lieber auf der Bühne verrecken, als einfach nur schön sein!“

tlqr: Und Du konntest natürlich….

Carmen Danen: Nein… meine Antwort war Nein. 

tlqr: Ernsthaft? Bei dieser Chance? 

Carmen Danen: Ja. Meine Antwort war „Nein!“ und das hatte seinen Grund. Ich wusste, dass ich mindestens zwei, besser drei Shows für die Zeit auf dem Schiff brauchen würde. Und wenn ich was mache, dann mache ich es richtig, oder gar nicht. Ich sag immer: Lieber auf der Bühne verrecken, als einfach nur schön sein!

Nicht einfach nur schön sein, sondern alles geben // Foto: © Valik Stratienko

tlqr: Ja, aber Du bist doch jetzt auf dem Schiff von Tui Cruises… (leicht verwirrt guckender Reporter)

Carmen Danen: Ich hab natürlich nicht grundsätzlich „Nein!“ gesagt. „Gib mir zwei Wochen…“ habe ich gesagt. Dann komme ich und habe genug dabei. Die Zeit habe ich bekommen. Ich habe aufgelegt und direkt in meiner Küche, meinem Wohnzimmer und dem Bad und überall in der Wohnung angefangen zu planen. Als dann meine Konzepte standen, bin ich an den Kleiderschrank und habe meine Kostüme durchgeschaut. Und schon wieder ein Problem, ich hatte einfach kein Kleid, das ich für die James Bond Gala anziehen wollte. Aber das Problem hat mein lieber Freund Leonardo Hillenbrand ganz wunderbar gelöst. Als ich ihm mein Dilemma schilderte, hat er sich sofort an seine Nähmaschinen geschwungen und mir diesen wunderbaren Traum in Gold genäht. 

tlqr: Wie sagt man so schön? Frau muss nur die richtigen Leute kennen… 

Carmen Danen: Das Kleid war ein Glücksfall für mich. Es unterstützt genau das, was ich mir für dieses Konzerterlebnis gewünscht habe. Und ich habe so tolle Mitstreiter hier an Bord. In meiner Bondshow unterstützen mich ja einige der Artisten und Künstler mit großartigen Artistiknummern und einem kleinen Zauberkunststück. Ich bin so dankbar, dass das so wunderbar funktioniert und harmoniert. 

tlqr: Das haben wir auch festgestellt. Alles stimmt und greift ineinander. Die Art und Weise, wie Du bei der Luftakrobatik einfach so nach hinten trittst und der Artistik den Platz vorne lässt, Hochachtung. Es ist immerhin Dein Soloabend. 

Carmen Danen: Noch mal, was ich mache, mache ich richtig. Und es wäre falsch, diesen großen Künstlern nicht die Bühne zu geben, die sie verdienen, nur weil mein Name oben steht. Diese Show Acts wirken zusammen und sind so großartig. 

tlqr: Aber das ist ja nicht das erste Mal, dass Du mit Artisten auftrittst? 

Carmen Danen: Nein ich habe 2013 im Friedrichstadt-Palast gesungen und kenne das Zusammenspiel mit Artisten und die Außenwirkung sehr gut. 

„Nur schön und nach Partitur singen, das reizt mich nicht.“

tlqr: In den folgenden Jahren sieht man in deiner Vita weitere Leading Roles nur als Cover, ansonsten eher Ensemble? 

Carmen Danen: Nun ich bin Mezzo Sopran und mit meiner Größe nicht immer die optimale Besetzung. Da muss ein Regisseur oder Casting Director schon wirklich einen Typ wie mich suchen. Dann ist es auch immer die Frage, was die Verantwortlichen wollen. Einfach nur schön und nach Partitur singen, das reizt mich nicht und das mag ich auch nicht. Ich spiele, nein, ich lebe meine Rollen. Wenn ich einer Molly aus Ghost meine Stimme und meinen Körper leihen soll, dann sterbe ich mit ihr und mit ihrem Schmerz auf der Bühne. Wer da eine glasklare Partitur gesungen haben will, der wird mich dort nicht besetzen. 

tlqr: Also hast Du klare Vorstellungen, was Du willst und setzt das auch um? Lieber nicht, als schlecht, um den Satz von vorhin zu bemühen? 

Carmen Danen: Ich habe mit beidem meine Erfahrung. Ich habe Entscheidungen nur wegen des Geldes oder der Karriere getroffen und es mal ein bisschen bereut, mal nicht. Dann habe ich auch mal Entscheidungen nur für die Emotion und die Kunst getroffen. Aber auch das habe ich mal bereut, mal nicht. Diese Soloshows und das Erlebnis hier an Bord bereue ich nicht, ich nehme so viel von hier mit. Liebe Menschen, und tolle Shows. Ich habe so viele wunderbare Reaktionen hier an Bord bekommen, die mir ganz klar zeigen, der Weg ist gut. Und ich freue mich darauf, diese Programme auch an Land zu bringen. 

tlqr: Also wird es ein Wiedersehen mit den Diven, Adele und James geben? 

Carmen Danen: Vielleicht nicht ganz in der Art, wie hier an Bord, aber ja. Ich werde im November 14 Tage auf der Mein Schiff 3 sein. Ich freue mich schon sehr darauf. 

tlqr: Was wären eigentlich so Traumrollen, die Frau Danen unheimlich gern mal spielen würde? 

Carmen Danen: Evita wäre wirklich ein Traum. Elisabeth würde ich auch so gerne machen. Aber wenn man mich für Avenue Q fragen würde, warum nicht. 

tlqr: Norma Desmond? 

Carmen Danen: Oh Darling I’m so ready for my closeup, but I feel a bit too young for that… (spricht’s und schlägt die Augen gekonnt nieder – sie kann das tragen).

„Es gibt so viele tolle Lieder.“

tlqr: Oh … Ähm … Ja Entschuldigung….Wie geht es nach diesem Engagement hier für Dich weiter? 

Carmen Danen: Ich bin in Bremerhaven am Stadttheater für das Musical Chess engagiert. Da werde ich ein Teil des Popchores sein und mein Bestes geben, die Kolleginnen und Kollegen zu supporten und für das Publikum jeden Abend die beste Vorstellung zu geben, die wir können. Ich habe ja Chess schon einige Male gespielt, da weiß ich, sehr genau, worauf ich mich einlasse. 

Carmen Danen trifft Fiete Fellfreund // © Frank Hebenstreit

tlqr: Also erstmal zurück in die zweite Reihe? 

Carmen Danen: Zurück auf die Musicalbühne. Und dann schauen wir mal was die Zukunft bringt. Ich freue mich sehr auf große Produktionen aber auch meine Soloabende werde nicht mehr aus den Augen verlieren. 

tlqr: Wie schön, also dürfen wir die Hoffnung haben, dich noch ganz oft auch solo auf den Bühnen der Welt zu erleben?

Carmen Danen: Aber ja sicher doch. Es gibt so viele tolle Lieder. 

tlqr: Dann sagen wir Danke für das Interview und wünschen Dir, dass wir uns vielleicht in 30 Jahren wieder treffen, und dann sagen können: „Grandiose Norma Desmond, Carmen!“

Carmen Danen: Gern, aber ich lade Euch jetzt schon ein, mich auf diesem Weg bis dahin zu begleiten. Das wird spannend. 

tlqr: Das glauben wir aufs Wort und werden das befolgen. Danke für das Interview und Deine Zeit. 

Carmen Danen: Danke Euch. 

Die Homepage von Carmen Danen findet ihr hier; ihr Instagram hier.

Das Musical Chess von Benny Andersson und Björn Ulvaeus (ihr wisst schon, diese zwei die irgendwie mal ein oder zwei Popnummern mit dieser Band ABBA gemacht haben), basierend auf einer Idee und mit Liedtexten von Tim Rice feiert morgen Abend seine Premiere im Stadttheater Bremerhaven. Allerdings ist es bereits bis Ende des Jahres ausverkauft. Tickets für die Zeit ab Januar können ab Mitte November gebucht werden. 

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