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Brathendl und Wischmopp bitte ins Rampenlicht

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Am Wochenende hat sich der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister von Bayern, Hubert Aiwanger, von den Freien Wählern zu Wort gemeldet. Er beklagt in einem Interview mit der Presseagentur dpa, dass das Corona-Krisenmanagement die Koalition mit der CSU belaste und sich seine Freien Wähler medial dazu gezwungen gewesen sahen, sich stärker zu Wort zu melden. Übersetzt heißt das wohl so viel wie: „Die böse CSU hat uns die gesamte Aufmerksamkeit weggeschnappt, während wir so tolle Arbeit geleistet haben.“

In Koalitionen muss jeder schauen, wie er auf sich aufmerksam macht

Koalitionsregierungen sind ja nicht immer eine Freude für die Partner – die Bundes-SPD kann ein Lied davon singen (und nein, damit ist nicht die Parteihymne gemeint). Trotz aller bekannten Differenzen hat die Berliner GroKo in Coronazeiten und vor allem mit dem wummshaltigen Konjunkturpaket durchaus Handlungsfähigkeit bewiesen. Besonders im CSU-Protektorat Bayern sind Koalitionen aber eher die Ausnahme als die Regel und daher tendenziell für beide Partner schwierig.

Nun haben es von Aiwanger aus der Coronazeit vor allem zwei Aktivitäten in die Medien geschafft (übrigens zwei mehr als von den meisten der anderen 15 stellvertretenden Ministerpräsidenten, die wir in Deutschland haben): die Sache mit den Wischmopps und weiteren Putzutensilien sowie die mit den Brathendln (auf Hochdeutsch: Brathähnchen).

Putzen und futtern führen zu fragwürdiger Aufmerksamkeit

Zuerst zu den Wischmopps: Aiwangers Haus bestellte zu Beginn der Coronakrise unter anderem 90 000 Wischmopps, offenbar um die Hygiene in staatlichen Einrichtungen zu gewährleisten und Lieferengpässen entgegenzuwirken. Der Gedanke mag gut sein, aber dennoch wird man den Eindruck nicht los, dass er hinter dem Hamster zum zweitbesten Mitarbeiter des Monats März erkoren werden könnte. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob es jetzt sinnvoll ist, dass der bayerische Landtag sich mit dieser Fehlplanung befassen muss anstatt andere, wichtigere, Themen zu behandeln. Die Aufklärung dauert nämlich weiterhin an, zumal Aiwangers Haus die Utensilien zuerst wohl auch nicht bezahlen wollte.

Simple Gleichung, oder?! // Bild: Foto Hubert Aiwanger: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0; Grafik: © thelittlequeerreview

Nun die Brathendl: Viele Versicherungen wollen vor allem Gastronomen ihre Betriebsunterbrechnungen nicht bezahlen. Das ist ein massives Ärgernis und ein großer Schaden für eine kulturell enorm wichtige Branche. Deshalb hat Aiwanger einen Deal gebrokert: 15 Prozent der eigentlich vereinbarten Summe werden den Wirten pauschal ausbezahlt und dafür verzichten sie auf langwierige und kostenintensive Rechtsstreits. Diesen Anwendungsfall von „Lieber einen Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ hat er versucht in einem mittlerweile schon fast legendären Gleichnis mit einem Brathendl zu illustrieren. Ein kurzer Klick aufs Video sagt hier mehr als jeder Text.

Aiwanger ist neben seinen Regierungsämtern auch Landes- und Bundesvorsitzender seiner Wählervereinigung. Es liegt daher durchaus in seiner Hand, die Botschaften zu setzen, mit denen seine Partei verbunden werden möchte, innerhalb und außerhalb der Koalition in München. Wenn er darauf setzt, dass er mit Wischmopps und Brathendl in das Rampenlicht rücken will, dann ist das sein gutes Recht. Beim Koalitionspartner, den Medien oder sonst jemandem die Schuld zu suchen, wenn es aber statt heute-journal nur für die heute-show reicht, ist ziemlich billig und weinerlich.

HMS

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