„Das Boot“ ist wieder aufgetaucht

Beitragsbild: Kapitänleutnant Klaus Hoffmann (Rick Okon, r.) und sein 1. Wachoffizier Oberleutnant zur See Tennstedt (August Wittgenstein) sind einander nicht ganz grün. // Foto: © ZDF/Nik Konietzny

Zugegeben, es hat beinahe ein Jahr gedauert, bis ich die erste Staffel der Serie Das Boot geschaut habe. Begonnen hatte ich zwar im Januar dieses ausklingenden Jahres, doch irgendwie fesselte mich die Serie nicht und in der Mitte der zweiten Folge machte ich Pause und habe nicht weitergeschaut. Bis zum 23.12.2020 – an diesem Abend gab ich dem Boot eine zweite Chance und fing noch einmal von vorne an. Heute, am 27.12.2020, startet die zweite Staffel Das Boot im Free-TV im ZDF und ist bereits seit dem Vormittag in der ZDFmediathek verfügbar. Heute bin ich nun mit der ersten Staffel fertig geworden und werde wohl prompt in die zweite gehen. Doch hier erstmal ein paar Eindrücke der ersten Staffel der U-Boot-Kriegsserie. 

Kampf zu Wasser und an Land

Die Geschichte beginnt im Herbst 1942: Die Besatzung der U-612 bereitet sich im U-Boot-Hafen von La Rochelle auf ihre Jungfernfahrt vor. Vor den jungen Männern liegt eine unbekannte Mission in der erbarmungslos geführten Atlantikschlacht des Zweiten Weltkriegs. Kapitän des U-Boots ist zum Ärger des Ersten Wachoffiziers Karl Tennstedt (August Wittgenstein) der noch nicht sonderlich erfahrene Klaus Hoffmann (Rick Okon), Sohn eines prominenten Kapitäns. Zur selben Zeit kommt die aus dem Elsass stammende Simone Strasser (Vicky Krieps) auf der Basis an, sie soll dort als Sekretärin und Übersetzerin arbeiten. Gefallen an ihr scheint der dortige Gestapo-Chef Hagen Forster (Tom Wlaschiha) gefunden zu haben. Ihr Bruder, der Funker Frank (Leonard Schleicher), soll wider Erwarten auch an der Jungfernfahrt teilnehmen und muss seine Schwester daher um einen wichtigen und gefährlichen Gefallen bitten, der im Zusammenhang mit dem örtlichen Widerstand, geführt von einer mysteriösen jungen Frau (Lizzy Caplan), steht.

Kriminalrat Hagen Forster (Tom Wlaschiha, l.) leitet die Gestapo-Abteilung in La Rochelle. Auf französischer Seite soll Duval (Thierry Frémont) dem Deutschen bei seinen Ermittlungen helfen. // Foto: © ZDF/Nik Konietzny

So viel zur Ausgangslage der Geschichte, die auf den Romanen Das Boot und Die Festung von Prof. Lothar-Günther Buchheim, welche ich zugegebenen nie gelesen habe, basiert. Es kommen natürlich noch allerlei mehr oder weniger dramatische Verwicklungen, kleine und größere Wendungen und manch spannende Auseinandersetzungen zu See und an Land auf die Zuschauer*innen zu. Nicht alles funktioniert immer und es gibt durchaus einige Längen, nicht jede der acht Folgen hätte jeweils knapp 60 Minuten lang sein müssen und dennoch lohnt es sich dran zu bleiben. In der Tat ist es so, dass die Serie erst mit dem Ende der zweiten Stunde wirklich Fahrt aufnimmt und ihren Erzählrhythmus einigermaßen gefunden hat.

Manch eine sehr spannende Konfrontation an Bord der U-612 bringt eine klasse Mischung von Charakter und Psychodrama sowie -thriller. So zum Beispiel die maximal angespannte Konfrontation zwischen Kapitän Hoffmann und Kapitän Wrangel (Stefan Konarske) – können die beiden ihre Tatort-Rollen-Antipathie unter Wasser verlagern. Dabei kommt auch an passenden Stellen die wohl platzierte und gekonnt von Regisseur Andreas Prochaska inszenierte Action nicht zu kurz. Ähnlich sieht es in La Rochelle aus, wo sich vor allem Simone und Gestapo-Ermittler Forster ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel liefern. Ergänzt wird das sehr gut durch den französischen Kommissar Pierre Duval (Thierry Frémont).

U-Boot-Kapitän Ulrich Wrangel (Stefan Konarske) bringt mehr Chaos, als vielen an Bord der U-612 lieb ist. // // Foto: © ZDF/Nik Konietzny

Eine lesbische Liebesgeschichte wird in den französischen Sand gesetzt 

Leider ist eine lesbische Liebesgeschichte zwischen Simone und einer weiteren Beteiligten (ein Name wäre Spoiler) etwas unausgereift und wirkt zu sehr als reine Funktionsgeschichte, als dass sie eine*n wirklich zu fesseln wüsste. Ebenso sind die Beweggründe von Tennstedt nie ganz klar, außer dass er der eifersüchtige Kerl ist. Das ist dünn und da scheint mehr zu sein, doch das kommt nie zum Tragen. Was schade ist, denn an anderer Stelle schaffen es die Drehbücher des Autor*innen-Teams um Tony Saint, Johannes W. Betz, Simon Allen, Laura Grace (auch an Staffel zwei beteiligt) und Benedikt Röskau durchaus emotional zu fesseln und eine*n wirklich mitfühlen zu lassen. Es ist eine recht große Leistung, dass kaum ein Schicksal, kaum ein Tod uns unberührt lassen dürfte. Ob im Guten oder Schlechten (kudos an Klaus Steinbacher, Oktoberfest 1900).

Wo ich schon einmal dabei bin: Auch die Besetzung ist zumeist gelungen, durchaus hier und da gegen den Strich, was für doppelte Freude oder Unbehagen im besten Sinne sorgen mag. Die meisten beteiligten Schauspieler*innen scheinen mit ihrer Rolle zu verschmelzen und so sind es auch kleine Momente, die tiefe Einblicke in die Rollen und ihre Geschichten geben können.

Noch wissen Karl Tennstedt (August Wittgenstein, l.), Klaus Hoffmann (Rick Okon, M.) und Robert Ehrenberg (Franz Dinda) nicht, was ihnen auf ihrer ersten Fahrt mit U-612 bevorsteht. // // Foto: © ZDF/Nik Konietzny

Gespannt auf Staffel zwei

Einiges wird zum Ende der auch für das ZDF sehr erfolgreichen ersten Staffel von Das Boot (TV-Marktanteil durchschnittlich 14,4 Prozent, plus sehr guter Abrufzahlen in der ZDFmediathek) aufgelöst, Platz für Neues geschaffen und diverse Handlungsstränge enden mit einem Cliffhanger oder der sauberen Öffnung für eine neue Geschichte in der zweiten Staffel. Die in der Tat vielversprechend klingt, aber in ihrer Beschreibung auch etwas mehr nach Seifenoper. Allerdings klangen die Deskriptionen der Folgen der ersten Staffel auch manches mal eher danach, was täuschte. So erwarte ich die zweite Staffel mit Spannung.

„Das Boot“ – Staffel eins Hauptbesetzung. // © ZDF/[F] Nik Konietzsky/ Stephan Rabold / Woodblock / Sky [M] KNSK

Die erste Staffel ist noch bis zum 20.2.2021 hier in der ZDFmediathek abrufbar (auch im Originalton mit oder ohne Untertitel, was ich zu schauen empfehle).

Das Boot, Staffel 1, Deutschland 2018; Regie: Andreas Prochaska; Drehbuch: Tony Saint, Johannes W. Betz, Simon Allen, Laura Grace und Benedikt Röskau; basierend auf den Romanen Das Boot und Die Festung von Prof. Dr. Lothar-Günther Buchheim; Darsteller*innen: Vicky Krieps, Tom Wlaschiha, Rick Okon, August Wittgenstein, Leonard Schleicher, Franz Dinda, Stefan Konarske, Lizzy Caplan, Vincent Kartheiser, Thierry Frémont, Fleur Gefrier, Olivier Chantreu, Rainer Bock, Klaus Steinbacher, Pit Bukoswki, Robert Stadlober, Philip Bernstiel, Julius Feldmeier, Leon Blaschke, Rafael Gareisen, Max Schimmelpfennig, …; 8 Folgen jeweils ca. 60 Minuten; FSK: 16; produziert von Bavaria Fernsehproduktion, Sky Deutschland und Sonar Entertainment

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