Dem Tod ganz nah

Der Münsteraner Tatort mit Thiel und Boerne geht heute in seine 37. Ausgabe. In Limbus steht vor allem der eigensinnige und -verliebte Rechtsmediziner Boerne im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Boerne nimmt eine Kreativpause

Worum geht‘s? Frank Thiel (Axel Prahl), Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), seine Mitarbeiterin Silke „Alberich“ Haller (Christine Ursprung) und Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann) sitzen zu Beginn in einem Münsteraner Lokal als Boerne verkündet, dass er sich noch am selben Abend in die Niederlande verabschiedet, um ein Buch über den Tod zu schreiben. Auf dem Weg zu seinem Wagen stößt er mit jemandem zusammen, was sich als geplant und überaus folgenreich herausstellen soll.

Unterwegs kommt Boerne nämlich mit seinem Auto von der Straße ab, fällt ins Koma und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Während er dort physisch verweilt, ist er geistig schon im Limbus, einer Zwischenwelt zwischen Leben und Tod, angekommen, wo er einem geschniegelten Thiel begegnet. Dieser lässt Boerne aber ganz behördlich eine Nummer ziehen, denn „die Geschäftsleitung“ würde sich später um seinen Fall kümmern.

Ermittlungen aus dem Koma

Boerne wäre nicht Boerne, würde er nicht versuchen, seinen Fall auch aus dem Koma aufzuklären. Im realen Leben machen sich aber Thiel, Haller und Klemm daran, gemeinsam mit der von Boerne eingesetzten Urlaubsvertretung, dem aus Brasilien eingeflogenen Dr. Jacoby (Hans Löw), die Umstände von Boernes bis dahin Fast-Ableben zu ergründen.

Nach dem Essen. // © WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin Valentin Menke

Passend zum christlichen Totenmonat November gibt es aus dem recht katholischen Münster einen Tatort, der sich mehr als seine sonstigen Kollegen mit dem Thema Tod beschäftigt. Spannend ist, dass er sich wie so manche Vorgängerfolgen aus anderen Städten auf zwei Ebenen abspielt: In der Realität, in der Thiel und Kollegen zu Boernes Unfall ermitteln und eben in der Parallelwelt, in der Boerne auf seine Vorstellung beim Jüngsten Gericht wartet. Limbus schließt damit strukturell an den Berlinale-Tatort Meta (2018; Rubin und Karow) sowie dem Film-im-Film-Format Wer bin ich? (2015; Felix Murot) an.

Spiel mit dem Tod

Auch wenn relativ schnell klar ist, wie die Karten liegen und wer der beziehungsweise die Böse in dem Spiel ist, ist es spannend und fesselnd mit anzusehen, wie Thiel und seine Kollegen in dem Fall ermitteln. Und auch wenn sie mangels Boernes Bewusstsein nicht miteinander im üblichen Slapstick-Stil interagieren können, schaffen es der Drehbuchautor Magnus Vattrodt, der schon mehrere Münsteraner Tatorte schrieb und auch das Drehbuch zu Unterleuten verfasste, und Regisseur Max Zähle dennoch erneut, Thiels ganze Prolligkeit und Boernes Arroganz gut in Szene zu setzen. Boerne erinnert mit seiner Schlitzohrigkeit außerdem ein kleines bisschen an den Brandner Kaspar, der den Tod in dem bayerischen Klassiker beim Kartenspielen betrog. Auch Boerne spielt an einer Stelle im Limbus um sein eigenes Wohl. Sehr erfreulich ist der kurze Gastauftritt von Thiels im experimentellen Tatort: Das Team ermordeter Kollegin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter), die Boerne im Limbus begegnet.

Prof. Karl-Friedrich Boerne spielt Schnick, Schnack, Schnuck mit dem Mann, der Kommissar Thiel so ähnlich sieht. // © WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin Valentin Menke

Limbus ist ein sehr packender Tatort, der mit viel Humor und Ironie das Thema Tod beleuchtet. Der übliche Slapstick wird ebenfalls geboten. Wir empfehlen daher den Tatort am 8. November als leicht aufbereitete Unterhaltung zu einem schweren Thema.

Tatort: Limbus; Deutschland 2020; Regie: Max Zähne; Drehbuch: Magnus Vattrodt; Kamera: Frank Küpper; Musik: Daniel Hoffknecht; Darsteller: Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Christine Urpsruch, Mechthild Großmann, Claus D. Clausnitzer, Björn Meyer, Friederike Kempter, Hans Löw, Sonja Baum, Sascha Nathan, Guido Renner; Laufzeit: ca. 88 Minuten; Eine Produktion der Bavaria Fiction GmbH (Niederlassung Köln) im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks Köln für das Erste; heute Abend um 20:15 in der ARD und um 21:45 bei One, anschließend für sechs Monate in der ARD-Mediathek

HMS

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