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„Die Geschichte von Buchenwald ist uns Verpflichtung.“ – Gedenkfeier für Rosa-Winkel-Häftlinge im KZ-Buchenwald

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Am Sonntag, den 28. Juni 2020, wurde in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald der homo- und bisexuellen Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald und homosexueller Verfolgter der NS-Zeit gedacht. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hielt auf der von der AIDS-Hilfe Weimar & Ostthüringen organisierten Veranstaltung die Gedenkrede. Ebenfalls anwesend waren der Justizminister, Dirk Adams (Grüne), der stellvertretende Direktor Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Dr. Phillip Neumann-Thein, und der Oberbürgermeister der Stadt Weimar, Peter Kleine (parteilos, mit Unterstützung der CDU).

Die AIDS-Hilfe Weimar & Ostthüringen lud mit den ins Mark treffenden Worten ein: „Wir gedenken der Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald, die, weil sie als Männer Männer liebten, leiden mussten. Viele von ihnen wurden ermordet oder haben die Grausamkeiten nicht überlebt“. In der Tat sind nach Schätzungen von Historiker.innen in der NS-Zeit circa 10.000 homo- und bisexuelle Männer in Konzentrationslagern inhaftiert gewesen. Viele von ihnen wurden gefoltert, für medizinische Experimente missbraucht und ermordet.

In einem auf der Internetseite der Staatskanzlei Thüringen veröffentlichten Auszug der Gedenkrede Bodo Ramelows erinnert dieser nicht nur an die 650 in Buchenwald inhaftierten Homosexuellen, die damals durch einen Rosa Winkel gekennzeichnet waren, sondern erwähnt auch die heute positive Wirkung dieses Zeichens, welches „für den Triumph über Demütigung, Diskriminierung und Tyrannei“ stehe. Weiterhin spricht Ramelow über den 2011 verstorbenen Rudolf Brazda. Er war der letzte Überlende und Zeitzeuge, der aufgrund seiner Homosexualität im Konzentrationslager inhaftiert war. Brazda nahm 2008 an der Gedenkfeier für die homosexuellen NS-Opfer des LSVD und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas am Mahnmal teil.

Wachsam gegenüber allem Bösen bleiben

Die Worte Ramelows zur Gedenkfeier: „Wir kommen zusammen, um daran zu erinnern, was hier geschehen ist. Wir erinnern an 650 deutsche Homosexuelle, die zwischen 1937 und 1945 im KZ Buchenwald inhaftiert waren. Wir denken an die homosexuellen Frauen und Männer, die unter der Nazi-Verfolgung litten, an die Vielen, die sich in ihrer Verzweiflung das Leben nahmen. Wir gedenken aller Opfer, die geschunden, gefoltert und getötet wurden. Und wir wollen aussprechen, was uns alle eint: dass so etwas nie wieder geschehen darf!“

Auch Rudolf Brazda, der letzte überlebende Rosa-Winkel-Häftling von Buchenwald, habe stets in dem Bewusstsein gelebt, dass die Würde eines jeden Menschen unantastbar und unverhandelbar ist, so Ramelow weiter. „Sein Leben steht beispielhaft für die Verfolgungen, denen Homosexuelle in der Nazi-Zeit ausgesetzt waren, aber auch für den Kampf um ein freies und selbstbestimmtes Leben. Er konnte den von Adolf Hitler entfachten Vernichtungskrieg, die 12-jährige NS-Diktatur, die Verfolgungsmaschinerie der Nazis überleben, weil er nach eigenen Worten ‚immer wieder Glück‘ hatte, aber auch weil er ‚verständnisvoll‘ war und sah ‚was andere an Bösartigkeit in sich tragen‘. Worte, mit denen Rudolf Brazda die nachgeborenen Generationen aufrufen will, wachsam zu bleiben gegenüber allem Bösen. Worte, die sich an Menschen richten, für die Freiheit und Demokratie ganz selbstverständlich sind: Freiheit der Meinungsäußerung, Religions- und Gewissensfreiheit, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit. Für Rudolf Brazda, der das Böse erlebt und überlebt hat, waren diese Rechte zeitlebens von unermesslichem Wert.“

„Der rosa Winkel war einst stigmatisierendes Symbol für gesellschaftliche Außenseiter, für jede Form von Anderssein“, so der Ministerpräsident. „Heute steht er als Zeichen für den Triumph über Demütigung, Diskriminierung und Tyrannei. Das Zeugnis von Rudolf Brazda, das Schicksal der Rosa-Winkel-Häftlinge und die Geschichte von Buchenwald sind uns Verpflichtung. Sie mahnen uns, dass wir aktiv handeln, um Menschen vor ähnlichen Verbrechen zu bewahren, dass wir mutig bleiben, Benachteiligten in unserer Gesellschaft zu helfen und dass wir sensibel bleiben, um die ‚Bösartigkeit‘ zu erkennen, die andere in sich tragen.“

AS/PM

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