Echter Charme und „Pussy Power“: „Princess Charming“ startet

Jippie! Seit gestern ist es soweit: Die erste Folge der neuen und ersten lesbischen Datingshow Princess Charming ist auf TVNOW verfügbar. Wir haben sie natürlich gesehen und wollen euch ein paar Highlights und Infos geben – möglichst spoilerfrei für all jene, die es noch nicht gesehen haben und die unter euch, die noch zweifeln, ob sie es schauen wollen. Denn so viel sei nach Sichtung der ersten Folge gesagt: Sehenswert ist das neue Reality-TV-Format. 

Die 30-jährige Rechtsanwältin Irina, die als erste frauenliebende Princess schon ihren Platz in der TV- und Streaming-Geschichte sicher haben dürfte, haben wir euch bereits vor einigen Wochen vorgestellt. Ähnlich sympathisch und geerdet, wie sie in der Vorstellung wirkte, ist sie auch in der ersten Folge, die sie mit den Worten „Liebe ist das Schönste, was es gibt. Da ist es egal, welches Geschlecht“ einläutet. 

Authentisch, sympathisch und bunt

Nach und nach lernen wir die 20 Singles kennen, die in vier Etappen in die aus Prince Charming bekannte Villa in Kreta einziehen und etwas ungelenk mit „wer wird sein Herz verlieren…“ angekündigt werden. Aber sei’s drum. Dekotechnisch ist einiges verändert worden, nicht fehlen darf jedoch die Pride-Flag am Tor zum Pool-und-Bar-Aufgang. Und bei den zwanzig Frauen dürfte die eine oder andere dabei sein, die die Princess anspricht, die sagt: „Ich möchte eine Beziehung, weil es mir das Gefühl des Ankommens gibt – eine feste Partnerin, mit der man die nächsten Schritte planen kann.“

Sonja (l.) hat Princess Irina ein Geschenk mitgebracht. // © TVNOW

Das sehen auch einige der Singlefrauen so. Wobei sich – nicht nur durch Teaser – bei der einen oder anderen die Frage stellt: Ist sie hier für die Liebe oder den Fame und das Game? Die ewige Frage, die solche Formate eben begleitet. Wenn zum Beispiel die 22-jährige Elsa sagt, sie sei hier, um zu gewinnen, kann das so oder so interpretiert werden. Vollkommen begeistert von Irina ist die 29-jährige Berlinerin Kati, die sich auch als Schriftstellerin einen Namen machen möchte und deren Familie noch immer meint, sie stecke in einer Phase. Kati geht auch gleich am ersten Abend mit einem forschen Fragegespräch in die Vollen.

Noch etwas zurückhaltend in der ersten Folge ist Gea, die nicht-binäre Person im Haus. Wir sind gespannt, was hier noch kommt. Geas Offenheit und die freundschaftlichen Vibes mit der frech-schüchternen Miri aus Kiel (O-Ton: „Als Teenager hätte ich gerne jemanden in so einer Show gehabt, der Frauen liebt, den ich bewundern kann. Wir brauchen junge dynamische Mädels, die den Mädels da draußen zeigen: ‚Hey, das ist völlig normal!‘“) machen Lust zu sehen, welche Dynamik sich hier entspinnt.

V.l.: Bine, Anja, Gea, Elsa Irina und Miri // © TVNOW

Weniger Lust macht uns die Berlinerin Ulle, die mit ihrer nicht unbedingt authentischen, aber in jedem Fall anstrengenden und unsympathisch wirkenden Ich-bin-die-Geilste-Attitüde, die sich vor allem in aggressivem Gebärden ausdrückt, schon in der ersten Folge für unnötigen Krach sorgt und auch die Fame-Frage leuchten lässt. Ulle stört sich besonders an der Salzburgerin Sonja, die scheinbar unter einem sehr geringen Selbstwertgefühl leidet und der von anderen Kandidatinnen eher mit Mitgefühl begegnet wird. Ulle mischt sich hier ungefragt ein – wie das ausgeht, seht ihr dann am besten selbst…

Pride auf allen Ebenen

Ein Auge sollten die Zuschauer*innen wohl auf die Producerin Johanna haben, die nicht nur bei den anderen Frauen für einige Aufmerksamkeit sorgt, sondern auch ein gesundes Selbstbewusstsein zeigt („Ich bin lesbisch, stolz drauf und sage das auch gerne laut.“) und sich direkt mal ein ruhiges und wohl auch bei der Princess großes Interesse weckendes Gespräch abholt. Da bleibt die in ihren Einspielern – auch Confessionals genannten – recht solide auftretende, am Abend mit Irina aber eher verunsicherte Britta ein wenig außen vor. Das sorgt in der Tat für gute Unterhaltung, ohne jedoch eine der Frauen vorzuführen.

Johanna (l.) und Princess Irina // © TVNOW

Wie überhaupt die gesamte Sendung eine gute Mischung aus Female- und lesbischem Empowerment (inklusive „Pussy Power“-Rufen), spannendem Dating-Format und guter Unterhaltung ist. Eben, wie auch schon beim Prince Charming-Thema, bisher zumindest ohne die Kandidatinnen der Lächerlichkeit preiszugeben oder aus tragischen Momenten garstige zu machen. Wenn Sonja an sich zweifelt und die anderen Frauen für ihre Schönheit und ihren Stil eingeschüchtert bewundert, wirkt die Sorge um sie nicht (über)inszeniert. Wenn Elsa, Gea und Miri einen guten Kennenlernmoment am Pool haben, wirkt der so sympathisch echt, wie es ihn bei zugegeben sehr unterhaltsamen, aber gänzlich anders strukturierten Formaten wie Are you the one? niemals gäbe. 

Ein Vorteil ist auch die diverse Zusammensetzung der Kandidatinnen, in der sich die vielfältige lesbische, wie überhaupt LSBTIQ*-Community in jedem Fall auch menschlich wiederfinden dürfte. Für jene, die gar keine Tattoos mögen wird es jedoch womöglich ein wenig knapp mit der Auswahl, doch Charme und Sympathie siegen hier ohnehin bei den meisten der Frauen. Das kann ohnehin wieder das große „Geheimnis“ der Show werden: Mit Irina Schlauch gibt es wie gesagt eine sehr charismatische und, wie auch die Teilnehmerinnen meinen, attraktive Princess. So hat uns auch die erste Prince Charming-Staffel sofort erreicht – Charme, Stil und Buntheit. Princess Charming ist also auch für Menschen interessant, die weder LSBTIQ* sind und auch jene, die mit den sonst oft lautstark ablaufenden Dating-Shows nichts anzufangen wissen.

Ankunft: v.l.: Tabi, Jana, Wiki, Iry und Saskia // © TVNOW

Natürlich sehen wir in der ersten von neun Folgen noch kein Einzeldate, aber Interessenlagen lassen sich schon ein wenig erkennen; manche Kandidatinnen bleiben in der 60-minütigen Auftaktfolge wie erwähnt und aufgrund der Menge an Frauen und Mangel an Zeit auch erwartungsgemäß im Hintergrund. Die meisten dürften wir noch kennenlernen, gab es doch viele Ketten (!) zu verteilen. Darauf sind wir gespannt, es scheint einige stille und sehr tiefe Wasser in der Sendung zu geben. Ja, Lou und Jana, wir meinen euch. Der Teaser zu den kommenden Folgen verspricht auf jeden Fall eine Reihe sehr romantischer und unterhaltsamer Dates und einige gute Statements zu lesbischem und queerem Leben und Lieben. 

Eure queer-reviewer

Die neun Folgen und eine Wiedersehensshow der weltweit ersten Princess Charming starten am 25. Mai 2021 auf TVNOW – wöchentlich und immer dienstags können sich die Streamer:innen auf eine neue Episode freuen. Die lesbische Dating-Show wird später auch bei VOX ausgestrahlt. Der offizielle Instagram-Account zur Show bietet darüber hinaus einen weiteren exklusiven Einblick.

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