Eine Schale Genuss

Eine Suppe wie bei Oma ist immer etwas Feines. Und wenn Oma zu weit weg wohnt oder nicht mehr kochen kann (oder einfach auch mal nicht will), dann kann man sich auch selbst Gedanken über eine gute Suppe machen. Einen Leitfaden und viele Anregungen hierfür bietet die Autorin Susann Kreihe. In ihrem im Christian Verlag erschienenen Buch Suppen – Brühen, Fonds und Bouillons perfekt gekocht. Mit 80 Rezepten um die Welt hat sie eine sehr eindrückliche Sammlung an verschiedenen Suppen für jeden Geschmack und jede Jahreszeit zusammengestellt.

Basics der Brühe

Nach einer kurzen Einleitung, in der die Autorin sich Gedanken darüber macht, was eine gute Suppe ausmacht, welche Rolle die Gewürze spielen und welche Suppen in welche Jahreszeit passen, geht es über zu den Rezepten. In fünf Kapiteln handelt sie verschiedene Variationen ab: erst Gemüsesuppen, dann (getrennt voneinander) Fleisch- und Geflügelbrühen, Fisch und Meeresfrüchte sowie einige wenige Specials zum Abschluss. Letzteres sind vor allem variabel einsetzbare Toppings, Einlagen und eine Gewürzpaste für alle Fälle.

Jedes der Kapitel leitet Susann Kreihe mit einem Grundrezept ein, beispielsweise für Gemüse- oder Geflügelbrühe oder eben einen Fischfond. Das ist gut und wichtig, denn eine gute Grundlage ist für viele der Rezepte eine erste Voraussetzung (ganz so wie in der Forschung). Zweitens zeigt sie in jedem der Kapitel, wie vielseitig doch die Speise „Suppe“ ist. Da gibt es Standardgerichte wie die klassische Kartoffelsuppe, Gulasch, Chili con Carne (das sich entgegen dem Register nicht auf Seite 40, sondern 140 befindet) oder eine französische Bouillabaisse, aber eben auch ausgefallenere Rezepte.

Suppenvielfalt

Rezepte, die wohl nur den wenigsten kommen dürften, wenn sie an „Suppen“ denken sind zahlreicher als gedacht. Die marokkanische Gemüsesuppe Harira zum Beispiel oder die Schwedische Snolsoppa sind spannende Gemüsesuppen, die hierzulande nicht jede Großmutter kennen dürfte. Ebenso kommen vermutlich nur wenige Hobbyköchinnen und -köche darauf, eine Marak Kubeh, eine jüdisch-irakische Wintersuppe, zuzubereiten. Oder auch die cremige Kichererbsen-Hühnersuppe ist vermutlich nicht jedermanns Ding – probiert haben dürften sie hingegen nur die wenigsten. Einige spannende Rezepte mit Gemüseresten hat Susann Kreihe übrigens auch in ihrem sehr empfehlenswerten Buch Die ganze Pflanze aufgeführt.

Perfekt sommerlich: Kalte Erbsen-Minz Suppe // Foto: © Alex & Angkana Neumayer

Es fällt also auf, wie variantenreich doch die Suppenküche ist. Wie Susann Kreihe bereits im Untertitel ihres Buchs kenntlich macht, gibt es Suppen aus aller Herren und Damen Länder, kalte Suppen, die sich besonders für den Sommer eignen (spanische Gazpacho oder die Kalte Erbsen-Minz-Suppe) und die Leserinnen und Leser bekommen eine Reihe von Anregungen für das Experimentieren in der eigenen Küche.

Chili con Carne auf besondere Art // Foto: © Alex & Angkana Neumayer

Nicht nur Ilsebill muss nachsalzen

Experimentieren, das wird auch schnell klar, ist auf jeden Fall erwünscht und oftmals sogar notwendig. Susann Kreihe gibt bei vielen ihrer Rezepte am Ende noch Hinweise auf Gewürze oder Zutaten, die je nach Geschmack der Suppe hinzugefügt werden können und das Aroma noch einmal variieren. Das ist vor allem für jene hilfreich, die vielleicht noch nicht so sehr Profi im Kochen von Suppen oder überhaupt sind. (später Anyone can cook verlinken) Und obwohl sich mit genügend Geduld vermutlich jedes Rezept nachkochen lässt, manche Rezepte sind doch etwas ausgefuchster und für diese sollte ein wenig Kocherfahrung vorhanden sein. Für jemanden, der oder die einen Koch- nicht von einem Suppenlöffel unterscheiden kann, also quasi großen und kleinen Löffel, sei eine sehr aufmerksame Lektüre der Rezepte empfohlen.

Okroschka – eine Russische Sommersuppe // Foto: © Alex & Angkana Neumayer

Apropos Rezepte: Wie bereits erwähnt, die Bandbreite an Suppen in Suppen ist sehr vielfältig, aber die Rezepte selbst sollten stets noch dem eigenen Geschmack angepasst werden. Es fiel uns beim Nachkochen mehrerer Rezepte aus verschiedenen Kapiteln auf, dass einige der Suppen für unseren Geschmack ein wenig mehr Würze vertragen hätten. Susann Kreihe scheint mit manchen Gewürzen und Aromen eher vorsichtig umzugehen (die Zwiebel- und gerade saisonal sicherlich beliebte Spargelsuppe beispielsweise dürfen gern nachgewürzt oder mit etwas weniger Flüssigkeit gekocht werden). Auch hier ist häufig ein wenig Selbstsicherheit der Köchinnen und Köche gefragt und der Mut, noch Kardamom, Zitrone, Koriander, Apfelessig (auch das später verlinken) oder einfach Salz noch hinzuzufügen.

Das Auge liest mit

Ein letzter Punkt, der sehr positiv hervorzuheben ist, sind die Bilder. Ähnlich wie schon bei Die ganze Pflanze gibt es auch in diesem Buch von Susann Kreihe sehr tolle, gestochen scharfe und mit passendem dekorativen Chichi ausgestattete Bilder der fertig gekochten Suppen. Auch wenn wir von den Fotografien von Amalija Andersonde in Die ganze Pflanze überaus begeistert waren, die Arbeit von Alex und Angkana Neumayer, die die Fotos für Suppen geschossen haben und gemeinsam Kochen und Kunst betreiben, stehen denen von Andersone kaum nach.

Was bleibt festzuhalten? Suppen von Susann Kreihe ist ein sehr ansprechendes und kreatives Buch, das ein oftmals als angestaubt geltendes Gericht in ein neues Licht rückt. Es enthält sowohl für Kochneulinge als auch für Erfahrenere eine Reihe von spannenden Rezepten für jede Jahreszeit, jeden Kühl- und Vorratsschrank, jeden Geldbeutel und fast jede/n Liebhaber/in einer regionalen Küche ansprechende und anregende Rezepte. Manche Suppen verdienen vielleicht etwas mehr Würze als Susann Kreihe das erst einmal vorsieht, aber wie bei Kunst liegt auch bei Suppen der Geschmack im Auge oder vielmehr im Gaumen der Betrachtenden/der Konsumenten. Schließlich bliebt außerdem festzuhalten: Auch Omi musste das Kochen ja erst einmal lernen und ihre Suppen schmecken nicht zuletzt deshalb meist so gut, weil sie ein ganzes Leben hatte, um ihre Rezepte zu verbessern.

HMS

Susann Kreihe: Suppen – Brühen, Fonds und Bouillons perfekt gekocht. Mit 80 Rezepten aus aller Welt; 1. Auflage, Oktober 2020; Hardcover, mit Lesebändchen, 224 Seiten; ca. 120 Abbildungen (Fotografien: Alex und Angkana Neumayer); Format: 22,5 x 27,1 cm; ISBN: 978-3-95961-506-8; Christian Verlag; 34,99 €

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