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Feuchte Gesichter & eine nasse Hose

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Zuletzt aktualisiert am 12. September 2019

Nachdem ich in der vergangenen Woche meiner Halb-Sorge Ausdruck verlieh, dass der „Wird Mila entführt und wenn ja, wie oft?“-Handlungsstrang mit dem üblichen Zeitsprung von einer Woche aufgelöst werden könnte und somit im Nichts versandet, war die 1731. Folge Muttergefühle eine mittelgroße Überraschung. Kein Zeitsprung, kein Verdrängen, keine Nebenschauplätze. Das mag der Vorteil daran sein, dass die Folgen nun mit etwas Vorlauf gedreht werden und Handlungsstränge so anders auserzählt werden können. Mein Lindenstraße-Lehrer und ich haben die Vermutung aufgestellt, dass die letzten Verträge zum Ende des Jahres ausgelaufen sein werden und bis dahin alle Folge abgedreht sein müssen. 

Wir knüpfen direkt an das Ende letzter Woche an und es geht ausschließlich um die Entführung Milas durch Nastya und was es in den an der Suche beteiligten Personen – vornehmlich natürlich Klaus, Neyla, dem hübschen Konsti, Nina, Helga und Gabi – auslöst. 

KuK also – wie aus historischem Kontext bekannt Klaus und Konstantin – drehen direkt bei und versuchen Mila zu auf ihrem Smartphone zu erreichen, fahren dem Wagen nach. Klaus wirft Konstantin währenddessen indirekt vor, dass er der Grund für die Entführung sei, als er sagt: „Du hast schon genug getan“, was ziemlich unfair ist, da der hübsche, diese Folge etwas weniger müde aussehende Konsti schlicht nicht wusste, was da los ist und dachte, Mila mit seinem Rat zu helfen. Aber klar, Klaus ist aufgebracht, besorgt, auf dem Weg zur Panik. Ähnliches als er später Neyla verbal attackiert: „Du hast doch überhaupt keine Ahnung, wer diese Frau [Nastya] ist.“. Was natürlich stimmt, aber, wie sie richtig erwidert: „Woher auch?“

Konstantin (Arne Rudolf, r.) plagt ein schlechtes Gewissen. Zusammen mit Gabi (Andrea Spatzek), in der die Erinnerung an ihren ermordeten Sohn Max und Milas erste Entführung durch Nastya wieder hoch kommt, machen sie sich auf die Suche. © WDR/Steven Mahner

Bei Gabi kommen wohl all die Erinnerungen an ihren toten Sohn Max und die quälende Zeit des Wartens wieder hoch (zu der Zeit schaute ich die Lindenstraße noch nicht, aber ich bin fest entschlossen, alle Folgen nachzuholen). Das erklärt sie auch Konsti, als sie mit ihm unterwegs ist, um nach Mila zu suchen und er doch wieder umdrehen will, obwohl es sein Vorschlag war nochmals loszufahren, da er hibbelig in seinem sehr WG-ishen Zimmer – Asia-Box, Bierflaschen, offener Kleiderschrank, … – saß und helfen wollte. Etwas seltsam, aber es taugt wie erwähnt für eine nette Szene zwischen den Gabi und Konstantin.

Helga ist in dieser Folge auch wieder dabei und gibt sich ernsthaft besorgt, wenn auch… ein wenig unbedarft: „Klaus, Klaus, es ist alles furchtbar. … Wie geht’s dir?“

Dafür gibt es durchaus sehr aufrichtig daher kommende, kleine Momente zwischen ihr und Gabi und ihr und Nina, als sie Gabi tröstet und sich mit Nina in stillem Einverständnis anschaut. Nina kommt mir in dieser Folge erneut wieder sehr vernünftig vor. Klaus hat kurz zuvor Neyla angefahren und begründet das Nina gegenüber damit, dass er doch alles hinter sich lassen wollte. Sie darauf: „Das versteh ich. Aber um jeden Preis?“ tatsächlich ein recht starker Moment. Nina sollte häufiger ohne Iffi agieren, das tut ihr gut. 

Klaus (Moritz A. Sachs, l.) in Panik: Wird die Polizei Mila finden? Und – zum ersten Mal erzählt er Neyla (Dunja Dogmani) von der Vergewaltigung durch Nastya. © WDR/Steven Mahner

Neyla und Klaus sprechen sich im Bad aus. Er erzählt ihr von der Vergewaltigung durch Nastya und all den Selbstzweifeln und der Scham, die ihn seitdem plagen; erwähnt ebenfalls, dass er unterschätzt hat, wie sehr Mila ihre Mutter augenscheinlich vermisst hat und er sich zuletzt mehr um sie hätte kümmern sollen. Was stimmt. Ein Anruf beim Zoll weniger und ein Gespräch mehr mit Mila hätten sicherlich helfen können. Hinterher ist man immer schlauer. 

Am meisten Spannung liegt natürlich in den Szenen im Auto mit Nastya und Mila. Hier steigern wir uns von genervt-von-Papa-Klaus, zu Vorfreude auf Smila, zu wachsender Ungeduld und schließlich dem sich darüber klar werden, dass das kein netter Ausflug zur „anderen“ Familie werden wird. Da muss man auch mal sagen, dass Anja Antonowicz als Nastya und Trixi Janson als Mila diese Momente durchaus ganz solide spielen, nicht grandios, aber ausreichend gut um eben jene Anspannung und wachsende Unsicherheit glaubwürdig zu vermitteln. Nachdem Mila sich in die Hose gemacht hat, stoppt Nastya endlich den Wagen. Hier frage ich mich, musste Mila wirklich sooo dringend, ergänzt um die wachsende Angst oder war das schlicht smarte Taktik? „Hey, wenn ich schon ihren Mietwagen-Sitz nass mache, stoppt die verrückte Frau bestimmt den Wagen?!“

So oder so, nachdem Nastya noch einen „Du bleibst bei mir; ich bin deine Mutter; es kann wieder so schön sein, wie es mal war“-Wahnsinns-Monolog halten darf, stößt sich Mila von ihr ab und rennt in den Wald. Beinahe war ich mir sicher, dass Nastya nun sterben würde – einmal als Mila sie wegstößt und erneut, als sie im Wald fällt. Aber nein, Nastya lebt, wurde, nachdem Mila von einem Bauern gefunden und von der Polizei zurück in die Lindenstraße gebrachte worden ist, in ihrem Hotel am Tegernsee beim Auschecken verhaftet und wird wegen der Anzeige der Kindesentführung wohl erstmal nicht prompt wieder Mietwagen zu mieten wagen. Außerdem erfahren wir, dass sie schon länger allein lebt und nachdem sie in einer psychiatrischen Klinik war und sich nicht um ihr Kind kümmern konnte, Smila bereits seit geraumer Zeit bei Pflegeeltern untergebracht ist. Na Mensch, Überraschung. 

Am Ende, nach vielen Tränen und einigem Geschrei, also Erleichterung und eine recht nette Schlusseinstellung, untermalt von dezent dramatischer Musik. Etwas weniger aufdringlich als ich es vermutet hatte. Wobei Konstis Blick irgendwas Seltsames zu vermitteln scheint, aber das kann täuschen. Oder hat er etwa mit Jack geschlafen? Hat er nun wieder Angst vor HIV? Hatte sie so viel Bier, dass sie wieder eine Amnesie-Schwangerschaft haben wird? Vermutlich nicht, aber wer weiß… 

Was sonst noch war:

  • Nastya: „ Hast du ihm denn erzählt wo wir uns treffen?“ – Mila: „Eigentlich nicht.“ – Nastya: „ Dann hast Du nichts falsch gemacht.“ – Aha…
  • Ob Klaus und Neyla jetzt Smila aufnehmen werden? Und wird er das Kind dann ablehnen, bzw. Schwierigkeiten haben es zu mögen oder zu lieben? Schließlich ist es aus einer Vergewaltigung entstanden, die, wie wir nun wissen, immer noch sehr an ihm zehrt. 
  • Mila – Smila – das fällt mir jetzt erst auf. Ha! Wäre mal ein drittes Kind da… Asmila? 
  • Der Vorschau zufolge kommen wir kommende Woche endlich wieder auf Slackline zurück!…
  • …und bekommen scheinbar einen Pädophilie-Handlungsstrang. :/
  • Jack lädt Konstantin auf ein Bier ein, erwähnt sie sollten leise sein, da die Kinder schlafen… Schön Musik laufen lassen geht aber. 
  • Es gab in dieser Folge tatsächlich zwei, drei sehr nette Einstellungen, bspw. als Gabis Wagen an der Gabelung vorfährt und hält und es schlicht einsam ist. Das wirkt. 

Abspann-Satz Gabi: „Es ist vorbei.“

Mein Vorschlag Klaus: „Ich hätte mich in den letzten Wochen einfach mehr um sie kümmern müssen.“

Lindenstraße, Folge 1731, Muttergefühle; Deutschland 2019; Regie: Dominikus Probst; Buch: David Gruber

Beitragsbild: © WDR/Steven Mahner

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