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„Fünf Partner sind stärker als jeder für sich allein.“ – Kompetenznetzwerk Antisemitismus stellt Website vor

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Zuletzt aktualisiert am 2. Juli 2020

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) stellte gestern in Berlin das bereits im Januar gegründete Kompetenznetzwerk Antisemitismus vor. Das Kompetenznetzwerk ist ein Zusammenschluss von fünf bundesweit tätigen Organisationen, die sich seit Jahren in den Bereichen Analyse, Bildung und Beratung gegen Antisemitismus engagieren. Die Präsentation fand anlässlich des Starts der neuen Website www.kompetenznetzwerk-antisemitismus.de statt. 

Dem Netzwerk gehören das Anne Frank Zentrum (welches gleichsam die Koordinierung übernimmt), die Bildungsstätte Anne Frank, der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS), das Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment (ZWST) sowie die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) an. Ziel ist es, Antisemitismus durch die Verknüpfung von Beratungsstellen, Bildungsstätten und Recherchezentrum erfolgreicher bekämpfen zu können und die daraus entstehende Expertise Akteuren aus Bildung, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft zur Verfügung zu stellen.

Zahl antisemitisch motivierter Straftaten stieg 2019 an

Bei ihrer Vorstellung erinnerte Giffey an den Angriff auf eine Synagoge in Halle im vergangenen Oktober. Ein Täter hatte versucht, während des Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, in die Synagoge einzudringen, um ein Blutbad anzurichten. Er scheiterte jedoch und erschoss stattdessen zwei Menschen, die ihm zufällig begegneten. Durch diese Tat sei sichtbar geworden, wie schlimm die Lage in Deutschland sei und es handele sich dabei nur um die Spitze des Eisbergs, so die Bundesfamilienministerin. 

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey überreicht Patrick Siegele, dem Direkt des Anne Frank Zentrums, ein Türschild für die Koordinierungsstelle des Kompetenznetzwerks Antisemitismus // Foto: © Ruthe Zuntz

Zusätzlich zog sie die aktuelle Statistik der politisch motivierten Kriminalität für 2019 heran. Aus dieser geht hervor, dass die Zahl der antisemitisch motivierten Straften im Vergleich zu 2018 um 13 Prozent auf über 2.000 gestiegen ist; ebenso gestiegen ist die Zahl registrierter antisemitischer Gewalttaten (72; 2018: 69). 

Weiter sagte Franziska Giffey: „Wie notwendig es ist, gemeinsam gegen jede Form des Antisemitismus vorzugehen, haben auch die vergangenen Wochen gezeigt, denn die Corona-Pandemie wurde auch von Verschwörungstheorien begleitet. Es wurde deutlich, wie schnell, unhinterfragt und bereitwillig Antisemitismus verbreitet wird.“

Mit vereinten Kräften gegen Antisemitismus

Ähnlich äußerte sich auch der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, als er über die Verbreitung antisemitischer Verschwörungsmythen auf den diversen Demonstrationen gegen die Anti-Corona-Maßnahmen sprach und diese erschreckend nannte. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin begrüße die Bündelung der Bildungs- und Beratungsangebote sehr, ebenso wie die Förderung durch das zum Familienministerium gehörende Programm Demokratie leben!: „Denn nur mit vereinten Kräften werden wir künftig einen noch effektiveren Beitrag zur Antisemitismusprävention leisten können“, stellte er fest.

Felix Klein, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, machte deutlich, was für ein bedeutsamer Schritt die Gründung des Netzwerks im Kampf gegen Antisemitismus sei: „Erstmalig wird damit die Datenerhebung zu judenfeindlichen Vorfällen direkt und institutionell mit der Entwicklung von Präventionsansätzen verknüpft.“

Die Leiterin des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment und Geschäftsführerin der Beratungsstelle OFEK e. V., Marina Chernivsky, merkte an: „Antisemitismus ist ein historisches und gleichzeitig hochaktuelles Phänomen. Es ist deswegen notwendig, dass wir unsere Arbeit gegen Antisemitismus stärker vernetzen. […] Als Kompetenznetzwerk Antisemitismus setzen wir es uns zum Ziel, unsere Arbeit weiterzuentwickeln das Bewusstsein der Politik und Gesellschaft für die Existenz antisemitischer Bedrohung zu erhöhen und die Interventionskompetenz von Schlüsselakteur.innen auszubauen.“

Aufbau eines bundesweiten Netzwerks an Meldestellen gefordert

Ebenfalls äußerte sich der Bundestagsabgeordnete Benjamin Strasser (FDP), Antisemitismusbeauftragter seiner Fraktion, zur offiziellen Vorstellung des Netzwerks. Das Kompetenznetzwerk Antisemitismus sei ein wichtiger Schritt für die Antisemitismusbekämpfung in Deutschland. „Darüber hinaus muss die Bundesregierung jedoch den Aufbau eines bundesweit agierenden Netzwerks an Antisemitismus-Meldestellen finanziell unterstützen. Damit würde die Möglichkeit geschaffen, antisemitische Vorfälle vertraulich zu melden und so die Strafverfolgung in die Wege zu leiten“, so Strasser.

Zu den Angeboten des Netzwerks zählen u. a. (Online-)Fortbildungen, Fortbildungen zu Lernmaterialien, Online-Veranstaltungen zum Thema Antisemitismus, ein Bildungs- und Beratungsprogramm zum Umgang mit Antisemitismus (ACT – Acceptance, Commitment, Training), sowie auch Beratung gegen antisemitischen Hass im Netz und natürlich eine Meldestelle für antisemitische Vorfälle.

Das Kompetenznetzwerk wird für die kommenden vier Jahre, also bis 2024, auch mit zwei Millionen Euro aus Mitteln des Bundesprogramms Demokratie leben! gefördert. Das zum Bundesfamilienministerium gehörende Förderprogramm verfügt in diesem Jahr einen Etat von 115 Millionen Euro.

AS/PM

Beitragsbild: Gruppenfoto auf der Pressekonferenz des Kompetenznetzwerks Antisemitismus 30.6.2020 // Von links nach rechts: Joachim Seinfeld (KIgA), Felix Klein (Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus), Franziska Giffey (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Patrick Siegele (Direkt des Anne Frank Zentrums), Benjamin Steinitz (Geschäftsführer des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus RIAS) und Marina Chernivsky (Leitung Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment ZWST) // Foto: © Ruthe Zuntz

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