Highlights der Highlands und Islands

Wer Wildnis und scheinbar unberührte Landschaften sehen möchte, der wird schnell bei uns fündig. Ob es der Bayerische Wald ist oder die brandenburgischen Wälder – bei uns gibt es sehr schöne Orte (eine tolle Übersicht über Naturparadiese in Deutschland liefert beispielsweise das Buch Fernweh Deutschland).

Man kann aber auch zumindest ein bisschen in die Ferne schweifen, nach Schottland zum Beispiel. Genau das macht der ganz wunderbare Bildband Highlights Schottland – 50 Ziele, die sie gesehen haben sollten der Landschaftsfotografin Petra Woebke und des in London lebenden Fernsehjournalisten Peter Sahla, der Mitte 2020 in einer überarbeiteten Version im Bruckmann Verlag erschien. Woebke und Sahla nehmen die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise durch ein in weiten Teilen wildes Land, das aber alles andere als arm an Kultur und Brauchtum ist und genau dafür so geschätzt wird.

Ein unglaublich schönes und diverses Land

In 50 Kapiteln von in der Regel ein bis vier Seiten illustrieren die beiden die schönen Seiten des Landes jenseits des Hadrianswalls. Nach einer kurzen Einleitung über die Besonderheiten und die ganz spezielle Stellung der Schotten im Vereinigten Königreich gehen sie in sechs geografischen Abschnitten auf die natürlichen und kulturellen Schönheiten des Landes ein. Mit ausführlichen Texten zu Natur, Geschichte und Kultur bringt das Autorenduo den Leserinnen und Lesern die Eigenheiten der Schotten näher. Untermalt wird dies im wahrsten Sinne durch klein-, mittel- und großformatige Fotografien, teils auch doppelseitige Panoramabilder von Klippen, Lochs oder Steinkreisen.

Östlich von Edinburgh, am Dunbar Old Cromwell Harbour, steht die Ruine des einst mächtigsten Schlosses Schottlands. // © Bruckmann Verlag

Die Auswahl und Bandbreite der Reiseziele ist dabei beeindruckend und sehr divers – so wie es das gesamte Land eben auch ist. Von den Lowlands um die Hauptstadt Edinburgh und das kulturelle Zentrum Glasgows geht es in das malerische Glen Coe und an die raue Westküste. Die Hebriden um die bekannte und absolut sehenswerte – leider mittlerweile aber auch ziemlich überlaufene – Insel Skye oder die „echten“ Highlands jenseits von Inverness finden ebenso Erwähnung wie auch die Ölstadt Aberdeen oder St Andrews, das Mekka jeden Golfspielers. Und – besonders schön – sogar die schon etwas entlegenen Orkney- und Shetland-Inseln bekommen eigene Kapitel. Der Bildband zeigt also eine große Reihe von Naturschönheiten Schottlands.

Texte und Inhalte überzeugen

Das macht er ganz wunderbar in Bild und Text. Vor allem die Texte müssen noch einmal positiv hervorgehoben werden. Woebke und Sahla zeigen, dass sie viel von Schottland, von seiner Kultur und Geschichte, verstehen. Ob es das Massaker am Clan der MacDonalds ist, die Schacht von Culloden oder so manches Detail, das sich um Maria Stuart und ihren Kosmos dreht: In Highlights Schottland werden Leserinnen und Leser auf jeden Fall etwas über die Geschichte und Kultur des Landes lernen, nicht zuletzt deshalb, weil Schlüsselereignisse immer wieder aufgegriffen werden.

Das malerische Glen Etive schließt an das Glen Coe an, in dem der Clan der MacDonalds 1692 massakriert wurde. // © Bruckmann Verlag

Besonders positiv hervorzuheben sind in diesem Umfang die regelmäßigen kulturellen Referenzen: Bekannte Gedichte, Songtexte aus Volksliedern oder sogar der deutsche Dichter Theodor Fontane, der uns bereits auf unserer Fahrradtour in Bad Saarow begegnete, tauchen immer wieder auf. Auch wenn es um die Esskultur geht, werden Leserinnen und Leser nicht enttäuscht. Haggis gibt es natürlich, eine kleine Whiskytour oder sonstige „Köstlichkeiten“ der schottischen Küche. Und wem das nicht reicht, der kann sich auch in anderen Büchern wie A Very British Tea Time mit kulinarischen Eigenheiten auf der Insel vertraut machen. Dennoch: Natur und Kultur haben einen überaus hohen Stellenwert in dem Band und sind mittels aufschlussreicher Texte und Bilder sehr gut und ansehnlich vertreten.

Schwächen in der B-Note

Ein paar Schwächen hat Highlights Schottland allerdings leider auch. Das erste sind die Bilder. Sie sind zwar sehr hübsch und abwechslungsreich und illustrieren sehr gut den Text, der die jeweilige Gegend beschreibt. Vor allem bei den doppelseitigen und großformatigen Bildern zeigt sich allerdings, dass die Auflösung und die Druckqualität nicht immer ganz hoch sind. Bei oberflächlicher Betrachtung wird dies nicht weiter stören, aber wer quasi HD-Bilder in gestochener Schärfe erwartet, der wird hier leider an manchen Stellen enttäuscht werden.

Kilchurn Castle am Loch Awe war einst fünf Stockwerke hoch – und wurde 1760 vom Blitz getroffen. // © Bruckmann Verlag

Das Zweite sind die Texte: Inhaltlich sind sie überwiegend sehr gut, wenn auch manchmal redundant. Aber das ist nicht so schlimm, denn so kommen die wichtigen Botschaften und Inhalte wenigstens auch an. Schlimmer wiegt eher die Schludrigkeit. Einige Texte sind leider gespickt von Tipp- und Rechtschreibfehlern. Mir als Absolventen der dortigen Universität blutet zum Beispiel das Herz, wenn ich auf Seite 135 den Namen der Stadt St Andrews mit einem Genitivapostroph sehen muss (zugegebenermaßen in der Karte, aber dennoch ist das ärgerlich). Oder wenn innerhalb eines Textes keine Konsistenz herrscht, ob die Titel der Monarchen nun mit einem Punkt enden oder nicht (also z. B. „König Heinrich VIII.“ vs. „König Francois II“). Und auch die stets abgedruckten Kartenausschnitte passen nicht immer zu den Kapiteln. Zugegeben, das sind Kleinigkeiten, aber sie mindern die Qualität und das Leseerlebnis eines sonst sehr durchdachten Bildbandes.

Wo es allerdings deutlich scheint, dass der Bildband doch nicht ganz durchdacht ist, ist bei der Reihenfolge der Beiträge. Diese sind nämlich manchmal doch ein wenig diffus angeordnet, so beispielsweise nicht immer nach der meist eingangs beschriebenen Route. Besonders deutlich wird dies im abschließenden Abschnitt zu den Orkney- und Shetland-Inseln. Kapitel 47 und 49 drehen sich um die Orkney-Inseln, Kapitel 48 und 50 um die Shetlands. Wieso bleibt das Autorenduo nicht zuerst auf den Orkneys, um in den beiden abschließenden Kapiteln die Inseln weit im Norden zu porträtieren? Das ist doch ein klein wenig irritierend.

Die Aviemore Railway Station wurde 1898 eröffnet und hundert Jahre später restauriert. // © Bruckmann Verlag

Alles in allem ist aber Highlights Schottland ein wunderbares Buch, das über Menschen, Kultur, Natur und Geschichte des Landes von Dudelsack und Whisky-Destillerie, von Haggis und Deep Fried Mars Bar, von Kilt und Kilt Rock informiert. Als Leserin oder Leser fühlt man sich wunderbar über das Leben und die Eigenheiten im Nordteil Großbritanniens informiert. Und als ehemaliger Bewohner dieses Landes kann ich auch ganz persönlich feststellen, dass Petra Woebke und Peter Sahla ein sehr, sehr schönes Buch über ein sehr, sehr schönes Land zusammengestellt und mit sehr, sehr schönen Bildern illustriert haben.

HMS

Petra Woebke, Peter Sahla: Highlights Schottland – 50 Ziele, die sie gesehen haben sollten; 192 Seiten; ca. 250 Abbildungen; Hardcover; Format: 22,7 x 27,4 cm; ISBN: 978-3-73431-868-9; Bruckmann Verlag; 27,99 €

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