In Kürze alles außer Langlauf – Queer abgesahnt #1

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Ihr Lieben, das ist die erste Nummer einer kleinen und selbstredend unvollständigen Zusammenfassung queerer High- und Downlights der vergangenen Woche. Quasi „skimmed“ oder mal wörtlich übersetzt abgesahnte Meldungen. Die schreiben wir schnell runter, während wir noch nicht ganz wissen, ob wir uns sportlich begeistert auf die Olympischen Spiele in Tokio stürzen und einfach erfreut über die vielen LGBTQ*-Sportler*innen (inklusive trans Gewichtheberin Laurel Hubbard und Fußballerin und Menschenrechtsaktivistin Megan Rapinoe) vor Ort sein sollten oder doch entsetzt, dass die Spiele royal-hegemonial von Japan und dem Internationalen Olympischen Komitee abgehalten werden, obwohl viele Japaner und auch Corona das doch eigentlich versagen (die Betten jedenfalls sollen laut Tom Daley sehr stabil sein).

Apropos Hegemonie und zwar weniger royalistisch, dafür eher sadistisch, ein wenig menschenfeindlich und empfindlichst autoritär: Viktor Orbán. Nach anhaltender Kritik an dessen LGBTQ-Gesetz, das nicht nur diskriminiert und entmenschlicht, sondern, wie wir meinen, auch dafür sorgt, dass Menschen ein Stück weit dümmer aufgezogen werden sollen, kündigte der ganz früher als weltoffen geltende Ministerpräsident Ungarns nun ein Referendum an. Das kann als Herausforderung an Brüssel verstanden werden, hatte die EU doch als Reaktion auf das Gesetz ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Orbán rief die Bevölkerung auf, das Gesetz zu unterstützen. Und weil Verfechter „illiberaler Demokratien“ wie er niemanden hinters Licht führen wollen, sind die Fragen auch fast so neutral und offen formuliert wie damals beim Krim-Referendum. Das klingt dann in etwa so: Sind die Ungarn dafür, dass Minderjährige ohne Zustimmung der Eltern sexuell aufgeklärt werden oder dafür, dass bei Kindern Geschlechtsumwandlungen durchgeführt werden dürfen oder ob Kindern Medienberichte zugänglich sein sollten, die ihre sexuelle Entwicklung beeinflussen könnten. Das alles unter dem Deckmantel – aka dem offiziell erklärten Ziel der Regierung – Minderjährige schützen zu wollen. Die politisch geprägte Illustrierte Spiegel greift das ganz gut auf. Übrigens fand gestern nicht nur der CSD in Berlin, sondern auch in Ungarn statt, dort gingen Tausende Menschen zum Budapest Pride auf die Straße. Toll… Auch toll ist, dass die Verlagsgruppe Oettinger Teile des gerade erschienenen Buches Was ist eigentlich dieses LGBTIQ*? in ungarischer Sprache online gestellt hat.

Ein Apropos zwei: Wir waren noch gar nicht fertig mit dem Sport. In den USA geschehen nämlich in sehr männlich und konservativ geprägten Sportarten Dinge, die in Deutschland beim doch ach so weltoffenen Fußball noch nicht passieren können dürfen (natürlich nur, weil die Gesellschaft noch nicht so weit ist…): Als erster Eishockeyspieler der nordamerikanischen Profilliga NHL hat sich der 19-jährige Luke Prokop als schwul geoutet und schrieb auf Instagram: „Heute bin ich stolz, öffentlich allen zu sagen, dass ich schwul bin.“ Nur einen Monat zuvor hatte sich der Footballspieler Carl Nassib ebenfalls als schwul geoutet. Prokop schreibt in seinem natürlich englischsprachigen Statement auch den schönen Satz: „Von klein auf habe ich davon geträumt, ein NHL-Spieler zu sein, und ich glaube, ein authentisches Leben ermöglicht es mir, meine Chancen zu verbessern, damit meine Träume in Erfüllung gehen.“ Das ist insofern toll, als dass es hierzulande insbesondere mit Blick auf den Profifußball gern immer noch als ein Entweder-Karriere-Oder-Selbsterfüllung verkauft wird. Schade, billig und unnötig. Übrigens: Der NHL-Chef Gary Bettman wie auch Prokops Verein freuten sich über das Coming-out und versprachen Unterstützung.

Und es gab noch ein Coming-out, das eigentlich gar nicht so recht eines war: Schauspielerin Tommy Dorfman (Tote Mädchen lügen nicht/13 Reasons Why) hat sich als Transfrau geoutet. Aber eben nur so halb, denn wie sie in einem langen Interview mit dem Time Magazine erklärte, konnten wir ihre Transition alle über Instagram begleiten (#isso). Seit einem Jahr habe sie sich als Frau identifiziert und so gelebt und sehe diesen Schritt jetzt auch nicht wirklich als Coming-out oder Wiederkehr, sie sie ja nie weg gewesen. Eher ginge es darum, zu erklären: „Ich bin eine trans Frau. Meine Pronomen sind sie/ihr. Mein Name ist Tommy.“ Den sie auch nicht ablegen werde, denn sie wurde nach ihrem Onkel benannt, der die 29-jährige hielt, als sie noch ein Baby gewesen sei, kurz bevor er starb. Wer noch ein paar Infos mag, denen sei dieser Beitrag der Mannschaft von Kevin Clarke empfohlen (und natürlich das Time-Interview).

Mal etwas in eigener Sache: Während wir das schreiben, läuft „Teatro d’Ira“ von Måneskin, die völlig verdient den letzten ESC gewannen. Nicht verdient habt ihr es aber, dass der letzte Fiete & Kefir-Podcast auch deren Sondernummer zu eben jenem Eurovision Song Contest gewesen ist. Kürzlich erklärte Fiete zwar, woran die Pause lag, aber inzwischen sollte es etwas Neues geben. Und dann kam das Wasser, das so vielen wortwörtlich den Boden unter den Füßen wegzog oder eher wegspülte. So leider auch dem Fiete und dessen Hüt(t)ern, wie hier zu sehen ist. Insofern wird sich die Aufzeichnung der kommenden Folge sicherlich nicht vor dem August umsetzen lassen. Aber sie werden zurück sein und nein – es ist keine faule Sommerpause.

Lou (l.) und Elsa (r.) stehen im Finale um Irinas Herz – wer wird es am Ende gewonnen haben? // © TVNOW

Sommerlich war es wohl aber für die Princess Charming-Kandidat*innen auf Kreta. Uns jedenfalls wurde warm ums Herz, heiß in der Seele und manchmal kochend im Kopf. Die letzte Folge ist bei TVNOW online, die Reunion ab dem kommenden Dienstag und natürlich gibt es noch eine Rezension von uns. Wir wollten jedoch in Bezug aufs Finale – im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen – nicht allzu früh schreiben, um nicht zu spoilern und lieber am Montag vor der Reunion-Folge noch einmal die ganze Sendung und vor allem das Finale Revue passieren lassen. Ein paar Beiträge von uns zur ersten lesbischen Dating-Show findet ihr hier. Wir jedenfalls waren begeistert von dieser ersten Staffel und dem Talent und dem Willen, den auch die Produzent*innen und vor allem Cuter*innen bewiesen haben. 

Wie begeistert wir von der neuen ZDFneo-Sitcom The Drag and Us sein werden, müssen wir noch sehen (und werden wir euch in unserer Besprechung wissen lassen). Nach Sichtung der ersten zwei von acht Folgen sind wir jedenfalls nicht entsetzt. Das wird zwar kein Loving Her, aber will und muss es ja auch gar nicht sein. Es ist amüsant und mag im Rahmen der selbstgewählten Möglichkeiten gar hier und da aufklären beziehungsweise für mehr Verständnis sorgen. Weniger amüsant und schon gar nicht begeisternd ist es hingegen, dass auch hier neben der Verwertung in der ZDF-Mediathek (ab 31. August) mal wieder eine Ausstrahlung mitten in der Nacht geplant ist (auch ab 31. August, nach Folge 2 jeweils wöchentlich). Danke für uhm – nichts, so? 

Die Drag markiert ihr Feld oder auch nicht – ZDFneos The Drag and Us // © ZDF/Walter Wehner

Begeistert sind wir jedoch davon, dass das Börsenblatt des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e. V. sich nun vermehrt queeren Themen widmet. So führte Charline Vorherr unter anderem ein Gespräch mit Jim Baker vom geschätzten Querverlag (der gerade erst mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet worden ist), in dem er über die Finanzierung notwendiger Neuauflagen, die Notwendigkeit von Sichtbarkeit (auch auf Veranstaltungen), Offenheit und Neugierde wie auch das zweischneidige Label „Nischenliteratur“ spricht. Mit der Hanser Berlin-Verlagsleiterin Lina Muzur spricht Vorherr darüber, Diversität nicht als Modethema zu betrachten, nicht immer nur in Trends zu denken und über die Schwierigkeit von Quoten in puncto Gestaltung von Verlagsprogrammen. Mehr Interviews findet ihr auf der Seite des Börsenblatts (Bitteschön – an alle Seiten). 

Hui – Apropos drei: Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. – wir sind in diesem Jahr beim #buchpreisbloggen zum Deutschen Buchpreis (über die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e. V.) am Start. Was uns freut, so als Blogazine, das ja doch manches Mal durchaus einen Ticken tiefer in das eine oder andere Detail eines Buches schlüpfen mag. Was uns ähnlich viel Zeit kostet, wie manchen Verlag Geduld, wenn es um die Besprechung eines Buches geht. Haben wir schon auf das Superdupermegawahljahr 2021 hingewiesen? Machen wir einfach mal – schließlich ist Werbung in eigener Sache die bisher einzige hier (wir arbeiten offensichtlich nicht mit Anzeigen und ebensowenig mit Affiliate-Links).

Detailliert setzt sich auch Brandi Carlile mit dem Geschehen um sie herum, in der Welt und so vielem anderen auseinander. Und diese fantastische Frau und Sängerin (ohne Brandi kein „The Story“, zu dem „Callie Torres“ singend hätte zusammenbrechen können), die uns schon so viele unvergessliche Song-Momente geschenkt und mit „By The Way, I Forgive You“ ein Album gegeben hat, das die Welt in Trump-Zeiten so sehr brauchte wie verdiente, legt mit „Right On Time“ einen tollen neuen Song vor und kündigt damit auch ihr am 1. Oktober 2021 erscheinendes Album „In These Silent Days“ an. Den Song findet ihr natürlich und gerne gerade ganz oben in unserer QUEER SOUNDS-Spotify-Playlist

Ansonsten, ihr Lieben, jedem Anfang wohnt ein Abschied inne: Alfred Biolek, der begnadete Moderator und geschätzte Mensch ist am Freitag, 23. Juli 2021, gestorben. Auch wenn er sich schon länger zurückgezogen hatte – uns wird er fehlen, ziemlich doll. 

Bis die Tage!

Eure queer-reviewer

PS’s:

Hier noch ein Lesetipp so für vor und nach Thüringen: „Störe meine roten Pfeile nicht“ – Die Methode AfD

Wisst ihr was, das ist wichtig – ein zweiter Tipp: Ein Interview mit Michael Kraske zur „bürgerlichen“ Radikalität der AfD

Ihr wollt was schauen? Gern – junge Royalisten sind eine Empfehlung oder unentschlossene Schwedinnen eine andere.

Hunger? Geht auch – wir haben da sommerlich was auf die Hand von unterm Regenbogen

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