Kulturindustrie in der Industriekultur

Wie viel Einzelgänger muss man sein? Wie viel Teamplayer? Nicht nur im Management oder in der Politik stellt sich diese Frage, sondern auch in manch speziellerer Situation. Die TVNOW-Reality-Serie Couple Challenge ist nun in die zweite Staffel gegangen – unsere Eindrücke von der ersten Staffel findet ihr hier – und nach bislang vier Folgen wird es Zeit für uns ein kurzes Zwischenfazit zu ziehen.

Alt und Neu zusammengeworfen

Erneut sind sieben+ Pärchen – manche tatsächlich liiert, manche vielleicht, andere ganz sicher nur durch Freund- oder Bekanntschaft verbunden – in der „Wildnis“ ausgesetzt, um mit- und gegeneinander um bis zu 100.000 Euro zu spielen. Statt eines idyllischen Vulkansees sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nun aber in „Ferropolis“, einer alten, am Gremminer See in Gräfenhainichen (östlich von Dessau-Roßlau) gelegenen Industrieanlage, die nicht selten auch in die Challenges einbezogen wird. Kulturindustrie in der brachliegenden Industriekultur sozusagen, man erkennt fast unweigerlich die Ironie.

Sieben Pärchen also, die wir teils bereits kennen: Cedric Beidinger zum Beispiel, der in Cassy Carringtons neuem Musikvideo „Bei mir“ eine tragende Rolle spielt, mit seiner noch frischen Freundin Gina; oder auch Walentina Doronina und Christin Okpara, die unabhängig voneinander die Weißglut ihrer Mitspielenden bei Are you the One anheizten wie in Ferropolis früher die Hochöfen. Und aber auch eine Reihe von uns bislang nicht bekannten Möchtegern-Sternchen und Influencerpärchen, die wir teils kennenlernen möchten, müssen, teils aber vielleicht auch nicht. Jedes Pärchen bekommt seinen eigenen „Einzug“, falsch herum im Ruderboot oder per Sprung aus dem Heli ins Wasser. Manches spektakulär, anderes nicht so sehr.

Challenges im Spiel und im Camp

Das Prinzip des Spiels hat sich auch nicht wirklich geändert. Man lebt zusammen, diskutiert, kennt einander bereits oder auch noch nicht und will das in manchen Fällen vielleicht auch gar nicht. Und man geht in Prüfungen, in denen man nur verlieren kann, nämlich Geld aus dem gemeinsamen Topf. Die ersten Challenges jedenfalls waren in der Tat spannend und witzig, erforderten Kraft und Teamwork, beispielsweise von einem Kran zu hängen und Piktogramme im Flug erkennen zu müssen. Sie zeigten, wer als Team gut harmoniert und wer nicht so sehr. Oder einfach zu doof oder zu aufgeregt dafür ist.

Dazu kommt der soziale Faktor. Gleich am ersten Abend wird heftig angebandelt und geeifersüchtelt. Manche, das zeigt sich von Beginn, betreiben eine Strategie des Unfriedens und der Spaltung, andere sind dem augenscheinlich nicht gewachsen. Über die ersten Folgen hinweg zeigt sich, dass manche der Teilnehmerinnen und Teilnehmer vielleicht etwas blauäugig sind und agieren, sich (zu) vieles zu Herzen nehmen und so mancher Spitze vielleicht nicht gewachsen sind.

Als Zuschauenden macht uns das natürlich einerseits ein wenig Freude, andererseits regt sich aber auch Mitgefühl und Mitleid – und auch ein wenig Fremdscham, denn so manche Aktion scheint moralisch doch ein wenig grenzwertig. Gezielte Manipulation, beispielsweise durch offene Lügen über die in der Challenge verlorene Summe, mögen ein gekonnter Kniff sein, um gezielt Misstrauen im Camp zu säen und sind unterhaltsam für uns. Gleichzeitig müssen sich die betreffenden Personen durchaus fragen, ob eine solche Strategie der ewigen Konfrontation und Manipulation sie auf Dauer im Leben weiterbringen wird, zum Beispiel in mögliche Anschlussverwertungen im australischen Dschungel oder so.

Hunger auf mehr

Alles in allem unterhält die zweite Staffel von Couple Challenge bisher aber recht gut, auch wenn die Querschüsse von manchen Teilnehmenden langsam ein wenig zu nerven beginnen. Es ist zu hoffen, dass sich diese entweder ein wenig in Grenzen halten, oder aber so massiv ausfallen, dass sich zumindest für uns der Spaßfaktor weiterhin hoch gestaltet. Denn – auch den Teams im Camp ist klar, aus welcher Richtung dieser Unfrieden kommt – irgendwann geht doch einmal eine Exit-Challenge (natürlich gibt es diese auch in Staffel 2), die schiefgeht.

Ach ja, apropos schiefgehen: Leute, lernt doch mal aus den Fehlern eurer Vorgängerinnen und Vorgänger. Bei Are you the One – Reality Stars in Love (Walentinas Staffel) ging das schon nicht gut aus und auch bei Couple Challenge macht das Sinn für die Teilnehmenden. Also: Nicht immer den ganzen von der Produktion zur Verfügung gestellten Proviant gleich auffuttern, sondern teilt euch das Essen doch ein wenig ein. Eine Hungerkrise wie in Folge 4 ließe sich mit ein wenig Planung leicht vermeiden (hätte man vielleicht in den 1960ern mal Mao sagen sollen, sein „Großer Sprung nach vorn“ ging ja auch nach hinten los) – und qualifiziert ebenfalls nur bedingt für den Dschungel. Wir jedenfalls sind hungrig auf mehr Couple Challenge und freuen uns auf den Rest der zweiten Staffel.

HMS

Unser Schaffen für the little queer review macht neben viel Freude auch viel Arbeit. Und es kostet uns wortwörtlich Geld, denn weder Hosting noch ein Großteil der Bildnutzung oder dieses neuländische Internet sind für umme. Von unserer Arbeitszeit ganz zu schweigen. Wenn ihr uns also neben Ideen und Feedback gern noch anderweitig unterstützen möchtet, dann könnt ihr das hier via Paypal oder hier via Ko-Fi tun. Vielen Dank!

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.