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Lüsterne Lindenstraße

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Zuletzt aktualisiert am 07/10/2019

Lust – die kann etwas sehr Schönes und Aufregendes, aber auch etwas sehr Problematisches sein. Insbesondere, wie in diesem Fall, die sexuelle Lust. Nicht immer ist dabei die Lust als solche problematisch, sondern welche Folgen sie mit sich bringen kann, welche Konsequenzen sich zuweilen im Umfeld aus ihr ergeben.

So ging es in der 1734. Lindenstraße-Folge dann auch nicht nur um Champagner-Gelüste, die, wie ich aus eigener Erfahrung anzugeben vermag, niemals problematisch zu sein haben.

Anna hatte Lust auf Wolf und sich dann in ihn verliebt, das wurde problematisch, weil der Baulöwe Wolf Lohmaier ein Hotel direkt in der Lindenstraße zu bauen plant. Was nicht nur Klaus’ engagierten, breitschultrigen und dezent selbstgerechten Widerstand auf den Plan rief. Anna zog kürzlich bei Wolf ein, da ihr das ziemlich derbe Mobbing der Lindenstraßler seltsamerweise ein wenig auf die Nerven ging. Doch vermisst sie ihre Leute und entscheidet sich nun nach ein paar Wochen heimzukehren. Hierbei kommt es zu einer fantastischen Begegnung mit ihr, Helga und Klaus:

Anna: „Hallo Helga, hallo Klaus.“

Helga: „Na, hat dein Hotelheini dich rausgeworfen?“

Willkommen daheim! Schön, dass ich wieder sticheln kann. Hat der Hotelheini natürlich nicht und nicht nur das nicht, Anna möchte ein Ich-bin-wieder-da-Essen veranstalten und lädt natürlich all ihre geliebten Mobber ein. Helga riecht sofort Lunte und weiß es ganz genau – die Anna und der Wolf, planen den Verlobungs-Supergau. 

Anna lädt dazu noch Gabi und Andi ein, Wolf allerdings möchte sie gar nicht dort haben, schließlich finden denn alle irgendwie doof. Er macht ihr allerdings einen Strich durch die Rechnung, taucht bei ihr auf, mit einer kleinen Kiste Champagner (aha!) Und besteht durchaus charmant darauf, zu bleiben und somit auch ihren Freunden die Gelegenheit zu bieten, ihn und die Situation zu konfrontieren. Schließlich lässt Anna sich darauf ein, aber der Champagner gehört weggestellt: „Wir sind hier in der Lindenstraße.“ Also wirklich, was für ein Haufen provinzieller Klischeemenschen. Wenn man es den Leuten nicht mal anbietet, können sie es ja auch nicht mögen. Tsk, tsk, tsk. 

Beschwipste Helga & hilfloser Wolf / ©GFF/WDR

Das Essen verläuft zunächst stark angespannt, Andy gibt Wolf nicht einmal die Hand, so als professioneller Aggro-Bierflaschenzähler, der im Duden schon beim Buchstaben „F“ angelangt ist und bald bei „H“ wie Hausmeister landet und dann auch endlich seine Berufsbezeichnung verstehen können dürfte. 

Als herauskommt, dass es sich nicht um ein Verlobungsessen handelt und Anna einfach nur wollte, dass man sich versteht und ihre Gefühle für Wolf eben nur das sind und nichts mit dem Hotel oder sonst was zu tun haben, wird es entspannter und – es darf sogar Champagner getrunken werden. Helga langt ordentlich zu und am Ende zeigt sie Wolf sogar die Saunatonne im Innenhof, denn dort wird wirklich sauniert! Süß ist der Moment, in dem sie ihm erzählt, wer hier schon alles wohnte und wie schwer er es mit der Else Kling gehabt hätte. Sie schmiegt sich an ihn und in dem Moment kommt Anna. Oh-oh! Spannt Helga ihr den Mann aus, als Rache für Hans? Oder ist das einfach nichts und wen interessiert’s? Ich tendiere zu letzterem. 

Dadada-tatütata / ©GFF/WDR

Eine andere Lust hatte ihre Konsequenzen in Ninas Schwangerschaft und nachdem sie in der vergangenen Woche in Johannes‘ Ab- und Klaus’ Anwesenheit das Kind gebar (aka geworfen hat), hat sie nun Milchstau. Kohl soll helfen, Johannes eilt los um einen Bio-Kohl zu besorgen, doch als er zurückkehrt sind bereits Helga und Klaus mit Kohl zugegen, die gemeinsam mit Nina das Baby anflüstern. Johannes fühlt sich ein wenig ins Abseits gedrängt, insbesondere nachdem Klaus wohl häufiger mit dem Baby verkehrt. Als es dann um einen Besuch beim Kinderarzt geht, spricht er ein Machtwort und besteht darauf, dass nur er mit dem Neugeborenen dorthin geht. Als er dann aber an diesem Tag sein Mobiltelefon daheim vergisst und es Nina zu lange dauert, wird sie ein wenig panisch und auch Rolands Beschwichtigungsversuche taugen wenig. Schließlich kommt Johannes, alles ist gut, das Kind fein, sie waren nur spazieren. Nina und er versöhnen sich, irgendwie, sie will ihn mehr machen lassen und so weiter und so fort. Schauen wir mal. Wenn er den nächsten Joghurt falsch einsortiert wird Iffi ohnehin wieder eine WG-Krise auszulösen wissen. 

Die problematischste Lust hat noch immer der hübsche Konstantin – nicht nur, dass er sich in Mila verliebt hat, nein, diese Neigung belastet ihn wohl schon länger, wie er in einem Gespräch in der Hebephilie-Beratung erzählt. Ausgerechnet an seinem 25. Geburtstag hat er dort einen Termin vereinbart, weswegen er nach einer durchgefeierten Nacht recht eilig die eigene Wohnung verlässt, obwohl Gabi ihn mit Kuchen und Lea mit garstigen Sprüchen überraschen. Natürlich erzählt er ihnen nicht, wo er seinen Termin hat. Gabi plant spontan eine Überraschungsparty für Konsti, die Lea freundlich mit „Hat er zwar nicht verdient, aber…“ begrüßt. 

Dieses Mädchen ist wirklich unerträglich, aber klar, sie hat als dieses verantwortungsbewusste, reife, erfolgreiche und emphatische Wesen, das sie ist, eine hohe Anspruchshaltung. Herrje. Erst lästert sie in diesem Internetz über ihre Chefin, heult rum als sie deswegen den Job verliert und ist dann undankbar, als sie zurück darf; dann legt sie sich einen Food-Porn-Kanal zu und anschließend infiziert sie Konstantin beinahe mit HIV. Ein wenig mehr Zurückhaltung könnte ihr gut zu Gesicht stehen. 

Bekannte Gesichter und zwei Komparsen / ©GFF/WDR

Konstantin erzählt in der Beratungsstelle, dass er eben auf Mädchen am Anfang der Pubertät stehe. Schon damals als er im gleichen Alter war, doch hat sich das bei ihm nicht weiterentwickelt. Seine lange Erkrankung ließ Sexualität natürlich eher in den Hintergrund rücken, doch nun, tja, da ist nicht nur die Anziehung zu jungen Mädchen wieder da, sondern hat er sich auch gleich noch in „ein Mädchen aus der Nachbarschaft verliebt“. Schön blöde. Weitere Probleme deuten sich an, als Konstantin schließlich auf seiner Überraschungsparty erst geistig abwesend ist und dann schließlich Jack im Badezimmer seine Neigung, seine Krankheit, gesteht und sie sich einigermaßen schockiert von ihm abwendet.

Anfangs war ich mehr als skeptisch, was aus diesem Handlungsstrang würde und ich befürchtete ein neues dämliches, schlecht gemachtes Melodrama à la Timo-ist-von-Jack-und-Baby-besessen (und hab dafür etwas Beef bekommen). Doch geht die Autorin Catrin Lüth in dieser Folge sehr behutsam mit dem Thema um und zumindest sieht es gerade nicht so aus, als würde man hier einen Charakter für Effekt zerstören, was sich zwei Folgen zuvor bei der gleichen Drehbuchschreiberin nicht direkt sagen ließ. Trotz erst kurzer Zeit, also gut anderthalb Jahre, mit der Lindenstraße habe ich durchaus verstanden, wie gern relevante Themen aufgegriffen, dann durch die Soap-Maschine gedreht und am Ende zusammengeknüllt und etwas verdreckt ausgespuckt werden. Ich bin also hoffnungsfroh und gespannt, ob das hier anders wird und die Lindenstraße-Macher ein reales Problem authentisch und hilfreich abzuhandeln in der Lage sein werden. Die Vorschau für die kommende Folge lässt uns wissen, dass es hauptsächlich um Konstantins Situation und die Reaktion darauf gehen wird, wie sich das dann ausspielt – wir werden es sehen. Auf jeden Fall eine andere Autorin, ich bin gespannt. 

So ging es also um Lust und ihre Konsequenzen und das gar nicht mal so schlecht. Anna und Wolf strahlen etwas recht Natürliches in ihrer Beziehung aus, was die ganze Geschichte geerdet daherkommen lässt und durchaus sympathisch wirkt. Man kann sich vorstellen, dass diese Frau sich in diesen Mann und dieser Mann sich in diese Frau verliebt hat. Nina und Johannes sollten schleunigst dort ausziehen, alternativ das Kind prompt in Therapie geben. Konstantin – siehe oben.

Bis nächste Woche! 

Was sonst noch war:

  • Wolf zu Anna: „Du möchtest mich nicht dabei haben, ich mich aber schon.“
  • Ich vermisse Iffi kein Stück. Sie kann gern auf ihrer Tagung bleiben, noch öfter im Stau stecken und ansonsten einfach schlafen.
  • Helgas Blick, als sie den Champagner in Annas Küche entdeckt. Herrlichst! 
  • Helga: „Else Kling, die wusste immer alles, das war eine regelrechte Giftspritze.“
  • Helga: „Im Gegensatz zu der Kling, da sind wir geradezu liebenswürdig.“
  • Sunny und Tanja ziehen nun wohl richtig zusammen, wurde auf der Party gesagt. Ich dachte die würden schon zusammen wohnen? Hab ich wohl nicht aufgepasst.
  • Nico lebt auch noch. Mit Shirt sieht er aber langweilig aus. 
  • Ich mag Anna und Wolf zusammen, die sollen mal ein wenig Bestand haben. Bestandsschutz quasi. Verstehste?
  • Roland: „Sache mal, was machen die beiden Kohlköppe im Kühlschrank?“
  • Nina zu Roland: „Ich glaube, du bist der letzte, der beurteilen kann, wer ein guter Vater ist.“ – Boom. 

Abspann-Satz Helga: „Einmal Hase, immer Hase.“

Mein Vorschlag Helga: „Else Kling, die wusste immer alles, das war eine regelrechte Giftspritze.“

Lindenstraße, Folge 1734, Champagner-Gelüste; Deutschland 2019; Regie: Iain Dilthey; Buch: Catrin Lüth; in der Mediathek verfügbar bis 27.09.2020

Beitragsbild: ©GFF/WDR

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