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Mitarbeiter des Monats März: der Hamster

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Ein großer Gewinner der letzten Tage dürfte der Hamster sein – vielleicht sogar so etwas wie der Mitarbeiter des Monats. Nicht nur, dass er in dem sehr empfehlenswerten ZDF-Dreiteiler „Unterleuten“ kurz dazu dienen soll, die Errichtung von zehn Windrädern in Brandenburg zu verhindern, nein, jeder, der in den letzten Tagen seinen Wochenendeinkauf machen wollte, kam an den Hamstern oder vielmehr den Hamsterern der Republik nicht vorbei.

Es ist erstaunlich, was die Leute in Deutschland und darüber hinaus alles in Zeiten von Corona hamstern. Toilettenpapier ist wohl die größte Mangelware, aber auch Pasta, Konserven und einige Hygieneartikel wie Windeln bekommt man derzeit gar nicht oder nur kaum. Es gibt Berichte von Menschen, die kiloweise Nudeln, Mehl und andere haltbare Lebensmittel kaufen, oftmals vermutlich vollkommen egal, ob sie diese in den nächsten Monaten konsumieren werden.

Es ist wirklich spannend zu beobachten, wie sich die Leute eindecken und wie die Stimmung in der Gesellschaft in den vergangenen Tagen gekippt ist. Es ist gut zu sehen, dass die Bevölkerung sich der aktuellen Gefahren bewusst ist und abgesehen von den massiven Hamsterkäufen in großen Teilen verhältnismäßig besonnen agiert. Und es bleibt zu hoffen, dass von all den haltbaren und den nicht so lange haltbaren Lebensmitteln auch möglichst viel tatsächlich konsumiert und nicht anschließend weggeworfen wird. Hoffentlich haben viele Menschen entsprechend kalkuliert.

Ein Gedanke drängt sich dennoch auf und er erfordert einen Rückblick auf das Jahr 2016. In jenem August – also zur besten Sommerlochzeit – gab es eine hitzige Debatte über das damals neu formulierte Zivilschutzkonzept der Bundesregierung, genauer gesagt des dem Bundesinnenministerium unterstehenden Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Das Dokument wurde in der Bevölkerung und den Medien zerrissen und die Hamsterbacken bundesweit bis zur maximalen Größe aufgeplustert.

Der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière musste damals auch persönlich viel Kritik einstecken. In einer Emnid-Umfrage für die Zeitung „Welt“ gaben damals 53 Prozent der Befragten an, der Plan sei zu übertrieben, lediglich 44 Prozent empfanden es als angemessene Vorsorge. Hauptkritikpunkt war die einen Teil der Strategie umfassende Liste zur Vorratshaltung im Katastrophenfall. Heute zeigt sich jedoch an den Supermarktkassen und -regalen, dass das Konzept in Zeiten der Corona durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Auch wenn es den aktuellen Fall einer Seuche oder Epidemie nicht abdeckt, ist es ein wertvoller Wegweiser für besonnenes Handeln in einer Ausnahmesituation. 

All denen, die die nächsten Tage in Quarantäne, im Home Office oder auf einer wie auch immer gearteten Fridays for Future-Webdemo sind, sei daher die gründliche Lektüre des Dokuments sehr ans Herz gelegt. Wenn es diese Gelegenheit oder vielmehr den Zwang zum Ausbruch aus dem täglichen Hamsterrad nun schon gibt, dann sollte er auch gut genutzt werden. Die Einkaufseskapaden der vergangenen Tage zeigen, dass die Gesellschaft hier enormen Nachholbedarf hat.

HMS

Foto: Christian Riede, flickr.com, CC BY-NC-SA 2.0

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