Pierre Cardin: Designer, Ikone, Geschäftsmann

Beitragsbild: Pierre Cardin Sculptures Utilitaires Cobra Table and Chair // Copy user, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

98-jährig ist gestern, am 29. Dezember 2020, der weltberühmte und visionäre Modeschöpfer Pierre Cardin gestorben. Die französische Design-Ikone mit italienischen Wurzeln arbeitete bis zuletzt an neuen Kollektionen und beeindruckte erst im vergangenen Jahr mit der großen Ausstellung „Fashion Futurist“ im Düsseldorfer Kunstpalast. Sein Tod wurde zuerst von der französischen Nachrichtenagentur AFP vermeldet und später unter anderem von der Gelehrtengesellschaft Académie des Beaux-Arts via Twitter bestätigt

Der italienische Franzose

Pierre Cardin wurde 1922 in San Biagio di Callalta bei Treviso in der Nähe Venedigs geboren. Seine Eltern zogen mit ihm 1924 nach Frankreich, wo er als Sohn von Einwanderern keine leichte Kindheit hatte. Mit vierzehn Jahren ging er in die Schneiderlehre, vier Jahre später begann er in Vichy eine Ausbildung zum Couturier. 

1945 kam Cardin nach Paris und arbeite in verschiedenen Häusern, unter anderem dem Maison Schiaparelli (in seiner nur drei Monate währenden Zeit dort fertigte er die Kostüme für den Jean Cocteau Film „Es war einmal“ / „La Belle et la Bête“). Während dieser Zeit kreuzten sich auch die Wege Cardins mit denen des damals 41-jährigen Designers Christian Dior, der erwog, sein eigenes Modehaus zu gründen. Er bat Pierre Cardin darum, bei ihm anzufangen. Dieser anschließend maßgeblich in die Konzeption des ikonischen „New Look“ involviert. 

Wenig später, im Jahr 1950 und im Alter von nur 28 Jahren, eröffnete Cardin sein eigenes Modehaus. 1952 holte er einen Geschäftspartner an Bord: André Oliver blieb bis zu seinem Tod 1993 Geschäfts- und Lebenspartner Cardins. Seine erste kommerzielle Kollektion präsentierte Pierre Cardin 1953 (zuvor fertigte er vor allem Theaterkostüme) und erzielte prompt großen Erfolg. Er eröffnete ebenfalls in den 50er-Jahren jeweils eine Damen- und eine Herrenboutique in Paris.

Mode ist Kunst

Cardin galt als Pionier der Prêt-à-porter-Mode: 1959 brachte er die erste Kollektion dieser Art für Frauen heraus, ein Jahr darauf für Männer. Pierre Cardin nutzten dabei nicht nur seine Kreativität und sein unbändiger Wille, neue und futuristische Designs zu schaffen, sondern auch sein gutes Gespür fürs Geschäft. So waren es vor allem um die achthundert Lizenzen, die ihn zu einem der reichsten Männer Frankreichs machten. Ebenso erkannte er schon früh das Potenzial des asiatischen und insbesondere des chinesischen Marktes. 2018 feierte er mit einer Modenschau auf der chinesischen Mauer sein 40-jähriges Wirken in dem Land.

PIerre Cardin und der französische Komponist Régis Campo im September 2017 // Brianthebrain, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Mode war für ihn immer auch Kunst. So ist es zum einen nicht verwunderlich, dass er drei Mal (1977, 1979, 1982) mit dem Goldenen Fingerhut der französischen Haute Couture ausgezeichnet wurde und sich zum anderen 2006 sein eigenes Museum schuf. Ebenso erwarb er 2001 das Schloss des Marquise de Sade im südfranzösischen Lacoste, wo seither jedes Jahr im Juli das von ihm erdachte Lacoste Festival of Lyric Art stattfindet. Cardin selber wohnte in erster Linie in seinem „Palais Bulles“ in Théoule-sur-Mer bei Cannes, einem Haus mit kugelförmigen Räumen als Referenz an die organische Architektur.

Pierre Cardin, der gemeinsam mit Paco Rabanne und André Courrèges als einer der Erfinder futuristischer Mode galt, hatte Beziehungen mit Männern und seltener auch Frauen. Neben der Beziehung mit André Oliver ist noch eine vierjährige Liebschaft in den 60er-Jahren mit der französischen Filmdiva Jeanne Moreau verbürgt. 

Würdigung bis zuletzt

So angesehen Pierre Cardin war, hatte sich der Name seiner Marke durch die vielen Lizenzen ein wenig abgenutzt (in Deutschland beispielsweise konnten Taschen und Unterwäsche von ihm auch mal bei Aldi und Co. gefunden werden) und der Versuch des Verkaufs seines Modelabels scheiterte 2011. In Erinnerung bleiben wird er aber als eine Ikone der Mode und des Designs, als kreativer Phantast. Als der Mann, dem 2016 als erstem Couturier die Ehre zuteil wurde, auf Einladung des Institut de France an der Pariser Akademie der Schönen Künste unter dem Titel „70 years of creation“ eine Modenschau zu präsentieren.

Pierre Cardin starb am 29.12.2020 im Alter von 98 Jahren in Neuilly-sur-Seine, einem Pariser Vorort, immer an der Arbeit an der nächsten Kollektion.

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Eure queer-reviewer

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