„Robbie kann sich gut verlieben“

Die Serie „All you need“ ist seit einigen Tagen in der ARD Mediathek am Start und sorgt für so manche Debatte. Über ein, zwei Dinge haben wir im Vorfeld der Veröffentlichung mit Robbie-Darsteller Frédéric Brossier gesprochen.

Seit wenigen Tagen ist die erste ausnehmend queere – oder in ihrer ersten Staffel vor allem schwule – Serie All you need in der ARD Mediathek verfügbar. Als erste Serie übrigens, die in einer ARD Degeto– und UFA-Koproduktion exklusiv für die ARD Mediathek produziert wurde, bevor sie dann aber doch am 17. Mai linear im ONE-Nachtprogramm gesendet werden wird. Die fünf Folgen von All you need sind perfekt zum Binge-Watching geeignet. Ob sie im Sinne queerer oder schwuler Repräsentanz geeignet sind, darüber wird gerade innerhalb und außerhalb der Community … sagen wir mal debattiert. 

Die als Dramedy vermarktete Serie, die von Benjamin Gutsche geschrieben und inszeniert wurde, dreht sich um vier recht unterschiedliche schwule Männer in Berlin. Da ist der Medizinstudent und Partygänger Vince (Benito Bause), der auf den etwas mysteriösen Robbie (Frédéric Brossier) trifft. Vinces bester Freund Levo (Arash Marandi) verlässt die gemeinsame WG, um mit seinem Freund, dem erst spät geouteten Familienvater Tom (Mads Hjulmand, Sløborn), zusammenzuziehen und vielleicht Spießer zu werden. Womit schon eine Frage der Diskussion um die Serie im Raum steht: Sind das nicht alles irgendwie Spießer? 

Wir werden uns unter anderem mit dieser Frage in unserer ausführlichen Besprechung noch vor der TV-Ausstrahlung befassen. Hier bei the little queer review scheiden sich die Geister an der Serie stark und auch in den individuellen Brüsten schlagen gern mehr als zwei Herzen. 

Zuvor haben wir allerdings ein kleines Schmankerl: Ein Interview mit Frédéric Brossier, der den vermeintlichen Herz- und womöglich gar Nasenbrecher Robbie spielt. Wir reden zumindest ein wenig darüber, wie er als heterosexueller Mann eine schwule Liebesgeschichte darstellt, wie viel Liebe sein Robbie empfinden und geben kann und wie die Arbeit für die Sexszenen mit Intimacy Coach Matt Lambert lief. 

So jung kommen wir nicht mehr zusammen! Die Clique (v. l. n. r.) feiert: Robbie (Frédéric Brossier), Vince (Benito Bause), Sarina (Christin Nichols), Tom (Mads Hjulmand) und Levo (Arash Marandi). // © ARD Degeto/Andrea Hansen

the little queer review: Frédéric, Du spielst mit Robbie in All you need – als heterosexueller Mann eine schwule Rolle. Was hast du getan, um dich in die Figur hineinzuversetzen? Die Lebenswelten sind ja doch andere, auch wenn wir natürlich nicht mehr 1970 haben, aber womöglich erschließt man sich solch eine Rolle anders als etwas, das man aufgrund der eigenen Sexualität besser kennt.

Frédéric Brossier: An Robbie hat mich vor allem die Liebe zu Vince interessiert, da war die Sexualität gar nicht so im Vordergrund. Es war einfach schön, dort einen Partner zu haben, in den ich mich verlieben konnte. Und da war es dann für mich egal, ob männlich oder weiblich.

the little queer review: Dein Charakter changiert zwischen sehr liebevoll und plötzlich hervorbrechender Aggression, zum Beispiel, wenn er verletzt wird oder sehr besorgt ist. Wie ist es, jemanden darzustellen, der vom einen zum anderen Moment so völlig umswichted?

Frédéric Brossier: Wir alle handeln ja durchaus manchmal widersprüchlich, haben viele Facetten. Deswegen finde ich es so schön bei der Figur Robbie, dass seine schmerzhafte Vergangenheit ihn manchmal aggressiv handeln lässt. Und ich finde es auch schön, beim Spielen immer mehr über die Figur zu erfahren. Robbies Vertrauen wurde verletzt, er ist in einer Gegend groß geworden, in der er sich behaupten musste, auch mit Gewalt. Nichtsdestotrotz ist er eine Figur, die sehr an den Menschen und an die Liebe glaubt, sich deswegen auch hingeben kann und ein großes Herz hat. …ja… Robbie kann sich gut verlieben, glaube ich…

Robbie (Frédéric Brossier, re.) hilft Vince (Benito Bause, li.) beim Pauken fürs Medizinstudium und verliebt sich dabei mehr und mehr… // © ARD Degeto/Andrea Hansen

the little queer review: …ja… ja, das kann gut sein, haben wir uns auch gedacht. Für die intimeren Szenen und die Sexszenen hattet ihr einen Intimacy-Coach [Matt Lambert, für einige Leser*innen sicherlich kein Unbekannter, Anm. d. Red.]. Wie war das mit ihm?

Frédéric Brossier: Eine sehr angenehme Zusammenarbeit. Er ist am Set sehr ruhig und zugänglich gewesen, das heißt wir konnten immer zu ihm gehen und ihn alles fragen. Es war klar, dass nichts gemacht wird, womit wir uns nicht wohlfühlen. Wir haben die Sexszenen auch teilweise choreografiert. Matt stand uns durchgängig zur Verfügung und hat ein angenehmes Ambiente geschaffen, in dem wir uns frei bewegen konnten. 

Wir plänkeln kurz miteinander und Frédéric ergänzt noch:

Frédéric Brossier: Es war ein spannender Prozess, auf jeden Fall.   Die Arbeit hat mir viel Spaß gemacht, vor allem auch mit Benjamin [Gutsche, ein ausführliches Interview mit ihm lest ihr bei uns in den kommenden Tagen, Anm. d. Red.], der auch Drehbuchautor und Regisseur in einem war. Das heißt, er war sehr mit den Figuren verbunden. wir  konnten durch ihn viel über die Figuren erfahren. Er hat uns aber auch Freiräume gelassen, wenn uns also ein Satz nicht so über die Lippen gegangen ist, wie er ihn geschrieben hat,, dann hat er nicht daran festgehalten Das hat das Arbeiten sehr erleichtert. Es war ein sehr, sehr angenehmes Arbeiten.

[Das Gespräch haben wir am 29. März 2021 geführt.]

Eure queer-reviewer

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