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Tanzfilm mit neuem Flip

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Das Genre des Tanzfilms ist nun nicht ganz neu. Aber immer mal wieder richtig heiß. 2006 löste Step Up einen regelrechten Hype aus, samt diverser Nachfolger. Vor 33 Jahren schaffte es Dirty Dancing beinahe jeden Menschen mal für eine Figur ins Wasser zu ziehen und erst in diesem Jahr wurde eine offizielle Fortsetzung angekündigt. Primär geht es in diesen Filmen immer darum, dass der oder die Protagonist.in sich einer Herausforderung oder einem Widerstand ausgesetzt sieht. Diesen gilt es zu bewältigen, dabei noch fix zu sich selbst zu finden und am besten noch die große Liebe. Das fällt auf Handlungsebene zumeist flach und formelhaft aus, aber solange das choreographisch und optisch passt, ist der Rest ohnehin Nebensache. Mit Work It hat Netflix nun einen weiteren Tanzfilm rausgebracht, der dieses Prinzip nicht auf den Kopf stellt, ihm aber die eine oder andere neue Nuance verleiht.

Ohne Tanz kein College

Für Quinn Ackerman (Sabrina Carpenter) ist eigentlich alles klar: Ihre Noten sind nahezu perfekt, sie hat eine lange Liste außerschulischer Aktivitäten vorzuweisen und ist ambitioniert. Mit der Wunsch-Elite-Uni sollte es also klappen. Doch der Haken: Bei ihrem Vorstellungsgespräch entsteht aus einem Missverständnis eine (Not-)Lüge und schon glaubt man, sie sei Mitglied der Tanztruppe Thunderbirds. Nun muss sie in fünf Monaten am Tanzwettbewerb Work It teilnehmen. Blöderweise kann sie nicht tanzen und hat kein Gefühl für die Musik, schafft es also nicht ins Team. Das zudem von Isaiah „Julliard“ Pembroke (Keiynan Lonsdale) geführt wird, der sie ohnehin nicht mag. 

Jas (Liza Koshy) und Quinn (Sabrina Carpenter) schmieden schon einmal Pläne. // © Brendan Adam-Zwelling/Netflix

Doch Quinn denkt nicht ans Aufgeben. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Jas (Liza Koshy) startet sie ein eigenes Team. Sie suchen die tanzenden Rohdiamanten ihrer Schule und stellen schnell ein buntes Team zusammen. Quinn möchte den früheren Seriensieger Jake Taylor (Jordan Fisher) als Choreographen gewinnen, doch der stellt sich zuerst quer. Unter einer Bedingung willigt er ein und es beginnt eine ereignisreiche Zeit, natürlich nicht frei von Schwung in Bein, Herz und Bauch.

Es singt, tanzt und sieht gut aus

Um es kurz zu sagen: Der Film ist völlig vorhersehbar, es gibt keine großen Dramen und schlussendlich sind alle irgendwie happy. Und das ist völlig fein. Work It gibt nicht vor etwas anderes zu sein als ein Gute-Laune-Film mit Musik, die zum Mitwippen anregt, grandios choreographierten Tanzszenen, einer charmanten Darstellerriege und der Message „Glaub an dich! Gib nicht auf! Mach etwas, wofür du brennst!“

Bei Work It allerdings kommen zwei wesentliche Komponenten hinzu, die ihn von vielen anderen Tanzfilmen unterscheiden: Quinn ist nicht die geborene Tänzerin, ihre Zukunft ist nicht der Tanz. Ihre Zukunft ist eine Elite-Uni, an die aber kommt sie nur, wenn sie tanzt. Tanzen ist eine Art Stufe auf ihrer Karriereleiter, die genommen werden muss. Außerdem ist der Film recht witzig. Das geht nicht wenigen Filmen aus dem Genre ab, die sich selber viel zu ernst nehmen und daher gern unfreiwillig komisch ausfallen.

Julliard (Keiynan Lonsdale) mit Trinity (Briana Andrade-Gomes) und Brit (Kalliane Bremault) während der Auditions. // © Brendan Adam-Zwelling/Netflix

In der Hauptrolle spielt die Sängerin und Schauspielerin Sabrina Carpenter, die auch den Titelsong Let Me Move You beigesteuert hat und als ausführende Produzentin beteiligt ist. Wohl auch aufgrund ihrer Disney-Erfahrung ist sie entsprechend in Schauspiel, Tanz, Gesang und züchtiger Sexyness geschult. Passt. Liza Koshy als ihre beste Freundin Jasmine „Jas“ ist eine kleine, patzige, amüsante Perle und die beste Tänzerin. Bekannt geworden durch ihre Vine- und YouTube-Channels ist ihre Rolle hier die erste größere in einer Mainstream-Produktion. Jordan Fisher, der den Choreographen und Love-Interest von Quinn, Jake Taylor, spielt, war in diesem Jahr bereits in der Netflix-Produktion To All the Boys: P.S. I Still Love You zu sehen und singt natürlich ebenfalls. Sein Song Mine ist auch im Film zu hören.

Keiynan Lonsdale, der den herrlich überzogenen, völlig von sich eingenommenen Thunderbirds-Anführer „Julliard“ spielt, dürfte einigen als Bram aus Love, Simon, einem Gastauftritt in der Ableger-Serie Love, Victor und sicherlich als Wally West / Kid Flash aus The Flash bekannt sein. Außerdem macht der pansexuelle Lonsdale auch noch ziemlich gute Musik. Sein erstes Studioalbum Rainbow Boy erschien erst kürzlich und beinhaltet Songs wie Gay Street Fighter (unsere Besprechung lest ihr demnächst hier).

Für einige Lacher sorgt beinahe naturgemäß Michelle Buteau als Veronica Ramirez. Schließlich gibt es noch ein ganz feines Eye-Candy: Drew Ray Tanner als Matratzenverkäufer Charlie (siehe unser Beitragsbild). Am ehesten kennt man ihn aus der Serie die „Augenschmaus“ quasi im Titel trägt: Riverdale. Dort spielt er Fangs Fogarty.

„Wir sehen aus wie Zahnarzthelferinnen.“ // © Brendan Adam-Zwelling/Netflix

Musik & Choreographie vom Feinsten

Die Musik ist eine Mischung aus TripHop, Trap, HipHop, R&B und Dancepop und passt hervorragend zur Stimmung des Films und der jeweiligen Szenen und überträgt die bewegte Laune direkt auf uns Zuschauerinnen und Zuschauer. Kaum ein Wunder, ist eine der Produzentinnen doch Alicia Keys. Ein Highlight, zugegeben unter vielen, ist sicherlich Big Freedias Rent, der im Film auch mehrmals in Choreographien eingebaut ist.

Für die wirklich toll geratene Choreographie ist Aakomon Jones verantwortlich, der bereits für die Pitch Perfect-Reihe, sowie für Black Panther Tanz- und Kampfszenen choreographierte. Der Film steigt natürlich direkt mit einer Tanzszene der Thunderbirds ein und nur wenig später gibt es den ersten, tatsächlich aufregenden Dance-Off zwischen „Julliard“ und Jas. Einige Zusammenschnitte vom Training, dann natürlich die Szenen der Wettbewerbe und eine so sinnliche wie romantische Brücken-Tanzszene mit Quinn und Jake. Das sitzt hier alles, die hart erarbeitete Professionalität lässt uns viel Freude beim Schauen haben.

Quinn (Sabrina Carpenter) und Jake (Jordan Fisher) kommen sich tanzend näher. // © Brendan Adam Zwelling/Netflix

Außerdem vergisst Netflix es natürlich nicht, für eigene Produktionen zu werben, so beschwert sich die Bewohnerin (Jayne Eastwood) des Altersheims, in dem Quinn nebenher aushilft, dass man hier nie was Vernünftiges im Fernsehen schauen dürfe. Sie wolle doch nur Queer Eye gucken, das sei toll und bringe sie jedes Mal zum Weinen. Außerdem darf natürlich eine Anspielung auf „den jungen“ Channing Tatum nicht fehlen, der mit dem ersten Step-Up-Film nicht nur seinen Durchbruch schaffte, sondern den Grundstein für eine ganze Tanzfilm-Reihe legte. 

Kurzweilig und mit dem Herz am rechten Fleck

Eine weitere Produzentin von Work It ist übrigens Leslie Morgenstein, die für das nötige Teenie-Gefühl sorgt. Sie zeichnete unter anderem dafür verantwortlich, dass aus Buchreihen wie Gossip Girl, Pretty Little Liars und The 100 Serien wurden und war an der Umsetzung von Eine für 4 beteiligt.

Dankenswerterweise verzichtet der launige Tanzfilm auch darauf, die Liebesgeschichte zwischen Quinn und Jake in dramatische Untiefen zu treiben (auch wenn sie ein, zwei Probleme zu bestehen haben) und ebenso wird die Frage, ob Quinn eigentlich ihren Traum oder doch den ihrer Mutter (Naomi Snieckus) verwirklichen will verständnisvoll und ohne unpassendes Drama behandelt.

Work It ist ein feiner Film, mit dem Herz am rechten Fleck, der Freude bringt und mit seinem 90 Minuten genau die richtige Länge hat. Charmante Darstellerinnen und Darsteller, tolle Musik, ausgezeichnet choreographierte Tanzszenen (inklusive Flip!), ein augenzwinkerndes Drehbuch, selbstverständliche Queerness im Gefühl und durchaus ein Film zum immer mal wieder schauen, und sei es nur, um die Laune zu heben. Schön.

Work It; USA 2020; Regie: Laura Terruso; Drehbuch: Alison Peck; Musik: Germaine Franco; Kamera: Rogier Stoffers; Darsteller: Sabrina Carpenter, Liza Koshy, Keiynan Lonsdale, Jordan Fisher, Michelle Buteau, Briana Andrade-Gomes, Kalliane Bremault, Drew Ray Tanner, Indiana Mehta, Tyler Hutchings, Nathaniel Scarlette, Bianca Asilo, Neil Robles; Laufzeit: ca. 93 Minuten; FSK: 6; Netflix

AS

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