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Unternehmerische Verantwortung betrifft auch Arbeitnehmer

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Es ist erstaunlich, wie viel die SPD macht – oft auch gar nicht so schlecht – und ihr das dann doch immer wieder von jemandem aus dem eigenen Lager angekreidet wird. Die SPD-Spitze hat vor den Verhandlungen zum aktuellen Konjunkturpaket angekĂŒndigt, eine KaufprĂ€mie fĂŒr Autos mit Verbrennungsmotoren zu verhindern. Nun wird sie dafĂŒr von Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern massiv kritisiert, dass sie sich hier im Wesentlichen durchgesetzt hat. Fußnote: Plug-in-Hybride werden durchaus gefördert und natĂŒrlich steht es jedem AutohĂ€ndler frei, die niedrigere Mehrwertsteuer an seine potentiellen doch so wertgeschĂ€tzten Kunden weiterzugeben.

Kern der Kritik an der SPD ist, dass sie damit ihre Kernklientel, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, im Regen stehen lasse, da die Nachfrage in der Automobilindustrie und deren Zulieferern nicht kĂŒnstlich erhöht wird. Man fragt sich an dieser Stelle schon ein wenig: HĂ€? Und das fragte sich nicht nur Norbert Walter-Borjans gestern im Bericht aus Berlin. 

Innovation wurde verschleppt…

Der Verzicht auf eine allgemeine KaufprĂ€mie fĂŒr Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ist gut. Punkt. Es zeichnet sich doch bereits seit Jahren ab, dass Diesel und Benzin mittelfristig nicht mehr in unseren MobilitĂ€tsmix passen. Tesla und asiatische Autobauer haben bereits massiv auf diesen Trend reagiert, Elektroautos (die ĂŒbrigens auch massiv gefördert werden) und Brennstoffzellen wurden nicht erst letzte Woche als Ersatz fĂŒr die Verbrenner aus dem Hut gezaubert.

NatĂŒrlich, die Autobauer aus Wolfsburg, MĂŒnchen und Stuttgart sollten sich auf Managementebene fragen, warum sie die letzten Jahre nicht genutzt haben, um innovative Technologien voranzutreiben. Stattdessen wurden immer wieder strengere Abgasgrenzwerte auf EU-Ebene verhindert, um die bisherige Produktion zu schĂŒtzen. Das ist aus Managementsicht nachvollziehbar. Und auch der Dieselskandal ist alles andere als vergessen. Im Gegenteil, wir befinden uns noch mitten in der Aufarbeitung. Jetzt aber zu argumentieren, dass man nicht schnell genug die Nachfrage nach E-Autos decken kann, das ist auch einer mangelnden Planung zuzuschreiben.

…und die Arbeitnehmer(-vertreter) haben nichts gemacht

Die Arbeitnehmervertreter können sich aber auch nicht aus der Verantwortung stehlen. Sie sitzen in den BetriebsrĂ€ten und haben ein Mitspracherecht bei wesentlichen Managemententscheidungen. Warum haben sie denn dann nicht in den vergangenen zehn Jahren darauf gedrungen, mehr Geld fĂŒr Forschung und Innovation bereitzustellen? Die Fortentwicklung des GeschĂ€ftsmodells und dessen Anpassung an die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind wesentliche Managementaufgaben – und zwar eine, die sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerseite vorantreiben können. Dieses Versagen nun auf die Gesellschaft abwĂ€lzen zu wollen ist alles andere als sozial.

Ach ja, ein letzter Gedanke: Noch vor wenigen Wochen wurden Millionen an Dividenden ausgeschĂŒttet. Das ist auch nachvollziehbar, denn EigentĂŒmer sollten auch etwas davon haben, wenn sie mit ihrem Kapital ins Risiko gehen. Allerdings haben die meisten EigentĂŒmer ein Interesse an einem stabilen und langfristigen Wachstum. Wenn also Geld besser im Unternehmen bleiben sollte, investiert werden sollte, dann wĂŒrden vermutlich viele AktionĂ€re sagen, dass sie einmal auf eine Dividende verzichten oder mit einer geringeren AusschĂŒttung zufrieden wĂ€ren, um somit den langfristigen Fortbestand des Unternehmens zu sichern.

Vor allem der BMW-Chef Oliver Zipse argumentierte, dass auch die Mitarbeiterbeteiligung an der AusschĂŒttung der Dividende hĂ€nge. Das mag stimmen, aber erstens kann eine Hauptversammlung auch Ausnahmen von dieser Regel bestimmen und zweitens zeigt sich hier, dass die Arbeitnehmervertreter von BMW dann wohl hier auch etwas fĂŒr ihre Mitarbeiter erreichen konnten. Hier hĂ€tte eine verantwortliches Handeln der Gewerkschafter und BetriebsrĂ€te darin bestanden, vielleicht auf die AusschĂŒttung von Dividenden und somit Mitarbeiterboni zu verzichten. Dann hĂ€tten ihre Argumente jetzt viel mehr Durchschlagskraft, als sie dies nun haben. Den Schwarzen Peter der SPD zuzuschieben ist in diesem Fall tatsĂ€chlich einmal nicht gerechtfertigt. 

HMS

  1. […] Wahlprogramm oder das nĂ€chste Klimapaket geht. Und auch andere Gruppen, wie die Gewerkschaften, die sich lauthals ĂŒber die SPD beklagten, nachdem keine KaufprĂ€mie fĂŒr Verbrennungsmotoren Eingang in das jĂŒngste Konjunkturpaket der […]

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