Was passiert, wenn jemand Diskriminierung nicht still hinnimmt

Pride Month und allgemein die Pride Saison dienen natürlich auch diversen Labels, Marken und Artists dazu, ihrer Buntheit und Queerness verstärkt Ausdruck zu geben. Oder eben dazu, ein bißchen bunter zu scheinen, als sie es eigentlich sind. Das so genannte Pinkwashing ist nichts Neues und wird von manchen augenscheinlicher betrieben als von anderen. Nun ist nicht jede zeitweilige Herausstellung eines Merkmals gleich Manipulation, klar. Da lohnt ohnehin auch immer ein Blick darauf, inwieweit Unternehmen und Organisationen, Behörden oder auch Künstler samt Bagage intern mit Blick auf queere Diversität aufgestellt sind, etwas, das auch das Buch GaYme Changer von Jens Schadendorf lehrt.

Ganz massiv ist natürlich die Modeindustrie dabei: Wenn es groß PRIDE heißt, lässt sich doch gerade hier mit einer im Großen und Ganzen solventen Klientel gutes Geld verdienen. Viele Unternehmen und Labels haben inzwischen auch bewiesen, dass sie es ernst meinen und sich nicht nur aus Marketing- und Umsatzerwägungen lediglich oberflächlich um unsere Community bemühen. Andere Unternehmen… nun ja, kommen immer wieder mit Pride-Editionen ums Eck, lassen aber eine Ernsthaftigkeit, den Respekt und die Achtung vor ihrer queeren Kundschaft vermissen. 

So scheint das auch umsatztechnisch immer wieder schlingernde Unternehmen Puma hierbei keine gefestigte Haltung zu haben. Anders lässt sich wohl die Erfahrung, die Frank H.* in einem ihrer Shops im Designer Outlet in Ochtrup machen musste, kaum interpretieren. Er und sein Mann sahen sich in dem Shop den Attacken einer weiteren Kundin ausgesetzt und wurden von den im Shop arbeitenden Personen dabei in keiner Weise geschützt, wie Frank H. Es in E-Mails an Puma und die Center-Leitung beschreibt. 

Es folgen die Schilderungen des Betroffenen, Reaktionen vonseiten Puma und McArthur Glen, sowie Aufzeichnungen nach dem Gedächtnisprotokoll Frank H.s zu Telefonaten zu dem Vorfall. Der Schriftverkehr wie auch die niedergeschriebenen Gedächtnisprotokolle liegen the little queer review vor. 

„Ach verpiss Dich, Du Schwuchtel!”

Frank H. und sein Mann waren am 27. November 2020 im Designer Outlet Centre Ochtrup, das Teil der McArthur Glen Service GmbH ist, im dortigen Puma-Store einkaufen. Nach einiger Wartezeit vor dem Shop konnte das verheiratete Paar unter den zu der Zeit geltenden Hygienemaßnahmen – Masken, Abstand, limitierte Personenzahl – den Laden betreten. Im Laden habe es genügend Raum gegeben, um einander ausweichen und den Abstand wahren zu können, so Frank H. Als sein Mann sich in der Schlange anstellte, um ein Paar Schuhe zu bezahlen, habe Frank H. sich noch die Auslagen in der Mittelreihe des Shops angesehen, als er plötzlich von der Seite angerempelt und weggeschoben worden sei.

„Ich dachte wirklich erst ich träume, aber nein. Da hatte mich wirklich eine mir völlig wildfremde Frau zur Seite geschoben, um genau an den WarenContainer zu kommen, an dem ich stand“, schreibt er in seiner Mail. Und er ergänzt: „Das ganze quittierte ich zu ihr mit einem säuerlichen: ‚Ja schieb mich in diesen Zeit [sic!] noch zur Seite!‘ und drehte mich von ihr weg, um zu gehen, als von ihr ein verächtliches ‚Ach verpiss Dich, Du Schwuchtel!’ kam. Ziemlich entsetzt hielt ich inne, drehte mich um und starrte ihr mitten ins Gesicht, in dem die Maske unter der Nase hing und kaum den Mund verdeckte.“

Schon dies wirkt nicht nur irritierend, sondern allein die Positionierung der Maske hätte dafür sorgen müssen, dass Mitarbeiter*innen im Shop die Kundin zumindest darauf ansprechen und ermahnen sollten – siehe den Hinweis auf die Corona-Maßnahmen. Dies geschah nicht. Frank H. habe die Frau erbost, aber kalt gefragt, ob sie ihn gerade „Schwuchtel“ genannt habe.  Daraufhin habe sie laut „Ja habe ich ‚Du Schwuchtel‘ genannt und frag Dich mal warum! Und jetzt verpiss Dich. Du bist einfach viel zu deutsch!“ gebrüllt. 

Daraufhin sei er ebenfalls sehr laut geworden, denn als schwuler Mann müsse er sich nicht als „Schwuchtel“ beschimpfen lassen. Lautstark verlangte er nach Ladenpersonal, weil er hier gerade öffentlich diskriminiert würde. „Daraufhin kam die ‚Dame‘ immer näher an mich heran und zischte mir nochmal Begriffe wie ‚Schwuchtel‘, ‚Fick Dich‘ und weitere Schimpfworte ins Gesicht.“

Überforderung und Desinteresse?

Das zwischenzeitlich hinzugeeilte Personal des Puma-Shops habe es mit Mühe geschafft, die Frau von ihm wegzuzerren. Ihre inzwischen hinzugekommene Familie und Begleitung musterten ihn abfällig und redeten auf die Frau ein. Dann sei eine junge Frau, laut Frank H. vermutlich ein Familienmitglied der Frau, auf ihn zugekommen und habe erklärt, die Beleidigungen seien so nicht gemeint gewesen. „Oh doch, das meint sie genau so“, sagte Frank H. dazu und fügte, ein in dem Moment hitzig an: „aber das muss ich mir in meinem eigenen Land nicht anhören. Es gibt Gesetze, um genau so etwas zu unterbinden und zu vermeiden.“ Das von der ihn fortwährend beleidigenden Kundin daraufhin gezischte „Fick doch Dein Deutschland!“ sei ohne weitere Folgen verhallt. 

Daraufhin habe er zu ihr gesagt, dass sie niemand zwinge in Deutschland zu bleiben. Dieses hätte sie fast zum Ausrasten gebracht und ließ sie in ihrer halbsitzenden Maske herum spucken, so Frank H. Auf seine an das Personal des Ladens gerichtete Aufforderung, die Personalien der Frau aufzunehmen, da er sie wegen Beleidigung anzeigen wolle, erfuhr er, mit der Begründung, sie hätten das selber nicht alles gehört, Ablehnung. Er könne ja selber die Polizei anrufen, die Frau festhalten würde man aber nicht. Frank H. forderte das Personal auf, die Dame dann wenigstens des Ladens zu verweisen „und mich als diskriminiertes Opfer zu schützen. Bis Ähnliches geschah musste die Frau noch zweimal ausfällig in meine Richtung werden, bevor der Store-Manager sie aufforderte, wenn sie etwas kaufen wolle, genau jetzt zu zahlen oder wirklich zu gehen.“

In einem daran anknüpfenden Gespräch mit dem Store-Manager wurde Frank H. gefragt, ob die Nationalität der Frau irgendetwas mit dem Verhalten zu tun habe. Das wies dieser von sich und sagte: „Niemand, egal welcher Nationalität, Deutsch oder nicht, habe das Recht so mit mir oder einer anderen queeren Person zu sprechen und sie so zu behandeln.“ Auch habe er mitbekommen, dass die Dame wohl einen Migrationshintergrund habe und dass auch das Personal kurz in einer Fremdsprache mit Ihr und der Familie kommuniziert habe. 

Frank H.: „Ich betone an dieser Stelle, dass ich nur zu meiner Verteidigung und aufgrund meiner Verletztheit laut wurde. Ich bin angegriffen worden und habe mich zur Wehr gesetzt. Ich wollte dies nicht einfach ‚still‘ hinnehmen. Rassismus liegt in meinem Verhalten nicht, denn mir ist die Nationalität egal. Nicht egal ist mir, wenn ich nur wegen des Verdachtes meiner sexuellen Ausrichtung angegriffen werde, denn das konnte diese Frau nicht wissen, es war nur eine Vermutung. Ich glaube und hoffe nicht, dass solch ein Verhalten hinnehmbar und/oder tolerabel ist, es gehört angezeigt und geahndet. Diese Chance ist jetzt jedoch vertan.“

„‚Pride‘-Collection ist Geldmacherei“

Für den langjährigen Kunden, der diesen Vorfall am 1.Dezember 2020 in einer uns vorliegenden E-Mail an Puma und McArthur Glen schildert, kommt indes hinzu, dass er sich in dem Store ungeschützt fühlte. Das Verhalten des Personals habe nur der Deeskalation und nicht seinem Schutz gedient. Es sei kein Sicherheitspersonal des Designer Outlet Centre Ochtrup hinzugerufen worden und ihm wurde empfohlen nun „still und ruhig“ den Laden zu verlassen. Es sei hier nur darum gegangen, bloß kein Aufsehen zu erregen und zu beschwichtigen, ohne sich der Sache anzunehmen. 

Dieses Verhalten habe ihm gezeigt, „dass diese ganze ‚Diversity’ oder auch ‚Pride‘-Collection hier nur Geldmacherei ist. ‚Kommt und kauft, aber glaubt nicht, dass Akzeptanz, Toleranz und Schutz von Minderheiten unsere Philosophie und Kultur wäre.‘“ 

Kollektion und Haltung der Marke für die Tonne. // Foto: © Frank H.

Wir schildern dies hier auch so ausführlich, um auch der Komplexität der Situation gerecht zu werden. Etwas, das zumindest der (damalige?) Puma Head of Operations North, Herr Wa., nicht so ganz zu erfassen schien. Anders lässt sich die schriftlich erfolgte Antwort vom 8. Dezember 2020 nicht erklären, in der es heißt, man habe zwar sofort mit dem Store-Manager Rücksprache gehalten, sich über den Vorfall informiert und verstehe die Verärgerung über das Verhalten der Kundin, doch habe der Store-Manager alles Mögliche getan, um bestmöglich zu schlichten und die Kundin dann auch des Ladens verwiesen. Nun ja – das hat dieser aber wohl erst getan, nachdem Frank H. darauf insistierte und sich im Store geweigert wurde, anderweitig tätig zu werden, oder? 

Für Beleidigungen und Diskriminierung jedweder Art sei bei ihnen kein Raum und nach dieser Prämisse habe auch der Store Manager agiert. Wenn sich dies für Frank. H. nicht so dargestellt habe, tue es dem Unternehmen leid. Man hoffe, er könne auch ihre Position nachvollziehen und würde sich freuen, wenn er bald wieder dort vorbeischaute. Gutschein und Rabatt auf den nächsten Einkauf inklusive. Na, dann ist ja alles in Ordnung. Nope. Es ist genau dieses „Wir verstehen sie, aber…“, das immer wieder dazu führt, dass alltägliche, härteste Beleidigungen und Diskriminierungen gefälligst akzeptiert zu werden haben. Denn wenn nicht – was sind Sie denn für ein Aggressor? Da wird auf die Naivität und Gutmütigkeit von Betroffenen gesetzt. Das ist so unfair wie – ja, hinterrücks.

Diversity und Whataboutism

Der Center Manager in Ochtrup, Herr Wi., reagierte in seiner Mail vom 3. Dezember 2020 da schon ganz anders, bedankte sich nach einer Entschuldigung für den Vorfall dafür, dass Frank H. darauf aufmerksam gemacht hatte. Ebenso bedauere er es, dass er erst durch die Mail Frank H.s von dem Vorfall erfahren habe. Er versicherte dem Betroffenen, dass McArthur Glen grundsätzlich als Arbeitgeber für Chancengleichheit und Diversity im ganzen Unternehmen stehe und solche Vorfälle sehr ernst nähme, was auch eine gründliche Untersuchung beinhalte. Ebenfalls hoffe er, dass auch Puma das Anliegen Frank H.s gründlich aufarbeiten würde.

So stellt sich wohl auch insbesondere mit Blick auf das lebensfrohe Sport- und Lifestyle-Label die Frage: Wie ernsthaft ist es ihnen wirklich mit Diversität? Wenn es für Diskriminierungen keinen Raum gäbe, dann sollte es diesen auch folgerichtig nicht für Whataboutism und leichtfertige Ausreden, die lediglich auf eine strukturelles Wegsehen hinzudeuten scheinen, geben.

Das sah auch der Betroffene so und gab sich mit der Reaktion nicht zufrieden. Frank H. antwortete mit einer weiteren Mail, in der er untern anderem schrieb: „Wie Sie sicherlich bei der Prüfung der Angelegenheit festgestellt haben, fehlen offensichtlich vorgegebene Prozesse für einen solchen Fall. Ich wurde als Opfer weder geschützt, noch setzten irgendwelche Mechanismen bei den Mitarbeitern vor Ort ein. Oberste Priorität schien die Deeskalation um jeden Preis zu haben. Im Zweifel auch zu Lasten der Ermittlung des tatsächlichen Geschehens. Bitte verstehen Sie mich hier nicht falsch. Ich mache den Mitarbeitern vor Ort keinen direkten Vorwurf. Ich bin mir sicher, dass sie in diesem Eskalationsmoment nach bestem Wissen und Gewissen reagiert haben. Aber eben mangels geregelter Prozesse eben nicht genau wussten, wie und vor allem nicht, mit welchem Ziel.“

Weiter schrieb Frank H.: „Und genau an dieser Stelle hätte ich den jetzigen Ansatz Ihres Unternehmens erwartet. Das Erkennen fehlender oder nicht funktionaler Prozesse und dann eine drauf aufbauende Abarbeitung der Situation. Der Reaktion aus dem Head von McArthurGlen war deutliches Befremden darüber zu entnehmen, dass weder vom Outlet Center Ochtrup selbst noch vom Shop eine Meldung dieses Vorfalles dort eingegangen war. Ggf. hätte auch das Hinzuziehen des centereigenen Sicherheitsdienstes dazu geführt, dass der anschließende Aufenthalt meines Mannes und meiner Person im Center nicht von einer steten ‚Bedrohung‘ gekennzeichnet gewesen wäre. Es war fast zu erwarten, dass die Dame samt der auf sie außerhalb des Shops wartenden Familie in unserem Rücken wieder auftaucht und die Situation ein weiteres Mal eskaliert. Ich denke, dass das hier eher Glück als Organisation war, dass wir nicht wieder aufeinander trafen. Angesichts der Tatsache, dass auch aus Ihrem Hause eine durchaus progressive Haltung nach außen getragen und eine Pride Kollektion nicht nur vorgehalten sondern auch aktiv vermarktet wird, hätte ich mir gewünscht dass meine Fragen proaktiv durch Ihr Handeln geklärt und mir Ihr weiteres Handeln erläutert worden wäre.“

Der Kunde, der notwendige Prozesse anstößt…

Er knüpft die folgenden Fragen an: „Welche Maßnahmen wurden von Puma für die Zukunft implementiert um solche Vorkommnisse zu vermeiden? Berücksichtigen diese Maßnahmen auch für solche Bedrohungssituationen einen klaren Opferschutz mit der Signalwirkung, dass ein solches diskriminierendes Verhalten keinerlei Toleranz erfährt? Wurde darüberhinaus hinaus Kontakt mit dem Center-Management bzw. dem Head McArthur Glen Kontakt aufgenommen und die Situation besprochen bzw. bearbeitet? Wenn ja, wie sieht das zukünftige Sicherheitskonzept für solche Fälle aus?“

Darüber hinaus bat der Betroffene in seiner Mail um Verständnis, „dass diese Fragen für mich so wichtig sind, weil ich mich ungern erneut dieser ‚Bedrohungssituation‘ ohne weitere Vorsichtsmaßnahmen aussetzen möchte.“ Darüber hinaus weist er darauf hin, dass er eine Veröffentlichung des Vorfalls plane, auch um Aufmerksamkeit für diese Situationen zu schaffen.

Nach nicht allzu langer Zeit kontaktierten sowohl Herr Wa. von Puma, als auch Herr Wi. von McArthur Glen Frank H. telefonisch. 

In dem Telefonat mit Herrn Wi. vom 6. Januar 2021 habe dieser aufrichtige Betroffenheit vermittelt. Er selber sei emotional betroffen gewesen und habe sich deutlich nach dem Befinden Frank H.s und dessen Verarbeitung der Situation erkundigt. Darüber hinaus habe er ausführlich die seitens McArthur Glen für das Center angestoßenen Prozesse erläutert. Es sei deutlich spürbar gewesen, dass das Unternehmen und auch Herr Wi. selbst, den Vorfall zum Anlass genommen hätten, die Regularien für derlei „Notfälle“ zu prüfen und an die gegebenen Situationen anzupassen.

Darüber hinaus gab Herr Wi. in dem Telefonat an, dass er in einem Gespräch mit dem Store Manager des Puma-Shops darin übereinstimmte, dass der Sicherheitsdienst des Centers hätte hinzugezogen werden sollen. „Und zwar unverzüglich“, wie Frank H. schreibt. Denn schon der Sicherheitsdienst hätte die Personalien aller Beteiligten aufnehmen, sich ein objektives Bild der Lage verschaffen und entsprechende Maßnahmen ergreifen können. 

Herr Wi. „teilte weiterhin mit, dass man alles in der Macht des Centers stehende tun wolle, um JEDEM Kunden, ungeachtet von Religion, Hautfarbe usw. oder eben sexueller Identität, ein unbeschwertes Einkaufserlebnis zu bieten“, schreibt Frank H. in seinem Gedächtnisprotokoll. Darüber hinaus würde die Sache sehr ernst genommen und er selber habe sich dazu ausbedungen, dieses Thema anzugehen, da es in dem von ihm betreuten Center geschehen sei und er dafür geradezustehen habe. Weiterhin habe er betont, dass jeder aus der Community wie überhaupt jeder Mensch in seinem Center willkommen sei, solange man sich respektvoll und vernünftig verhalte. Er und seine Mitarbeiter bedauerten diesen Vorfall ausdrücklich. 

…und doch nur stört

Frank H. freute sich über dieses Statement, empfand das Gespräch als positiv und wertschätzend, gar ehrenwert. Enttäuscht hingegen wurde er erneut von der folgenden Reaktion der Firma Puma.

In einem Telefonat mit Herrn Wa., dem Head of Operations North Puma, am 15. Januar 2021 versuchte dieser wohl Frank H. gegenüber die vorangegangen E-Mails zu erklären. Es habe sich um eine Auseinandersetzung von Privatpersonen gehandelt, Puma hätte dort keine Belange, die Mitarbeiter*innen hätten das gar nicht einordnen können und so weiter. Eine Frage, die sich uns hier stellt: Vom Hausrecht haben sie dort nichts gehört? Zünden wir uns dann dort eine Kippe an und urinieren auf den Boden und dann was?; heißt es dann: „Das ist ja nicht die Verantwortung der Mitarbeiter und überhaupt.“ Also bitte!

Bitte nicht nachmachen! Auch wenn’s verständlich ist… // Foto: © Frank H.

Frank H. fragte nach, ob denn aus diesem Vorfall Schlüsse gezogen worden seien. Dies verneinte Herr Wa. Die bestehenden Prozesse seien, soweit das aus der Konzernzentrale erkennbar sei, gut und bedürften keiner Nachbesserung. Als Frank H. nun erwähnte, dass er vonseiten des Center-Managements eine abweichende Information bekommen habe, räumte auch Herr Wa. ein, dass man den Sicherheitsdienst des Centers hätte einschalten können. Und fügte wohl an: „Aber was hätte der schon klären können?“

Nach einem kurzen Moment der Stille fügte er hinzu, dass Frank H. gar kein Recht dazu gehabt hätte, nach den Personalien der Dame zu verlangen. Nun, also, uff… Dachte sich wohl auch Frank H. der seinerseits erklärte, dass die Polizei oder die Staatsanwaltschaft infolge einer Anzeige gegen die Frau dann bei Puma beziehungsweise beim Center-Management die Personalien hätten erfragen können. So läuft es übrigens bei Ladendiebstahl auch immer mal – denn, um eine Anzeige zu stellen, muss dort nicht immer direkt die Polizei hinzugezogen werden – Daten können erfasst und an die entsprechende/n Behörde/n weitergegeben werden. Hausrecht. 

Herr Wa. blieb dabei – das Verhalten sei völlig in Ordnung gewesen. Den Hinweis Frank H.s, dass er es so empfunden habe, als hätte das Personal aktiv weggehört und mit der ihn beleidigenden Dame in einer ihm fremden Sprache kommuniziert habe, was diese nur noch aufgebrachter werden ließ, wischte dieser im Telefonat mit den Worten „das lässt sich ja nun auch nicht mehr wirklich nachvollziehen!“ vom Tisch. Dass Frank H.s Mann die Schmähungen verstanden und es ausreichend Zeugen gegeben hätte, interessierte an der Stelle wohl auch nicht mehr.

Pinkwashing vs. Glaubwürdigkeit?

Nun reicht es Frank H. wohl, die kaum nachvollziehbare und jedwede Vernunft vermissen lassende Argumentationslinie des Puma-Mitarbeiters geht ihm so gegen den Strich, dass er zu einem harten Was-Wäre-Wenn-Argument greift. Er sagt, er hätte auch zur Polizei gehen und gegen das Personal des Stores Strafanzeige wegen Strafvereitelung stellen können. Dies habe er aber nicht getan, um seinerseits nicht zu eskalieren und habe es eben vorgezogen, die Sache im Dialog zu klären, eben auch, um positiv auf mögliche Situationen in der Zukunft wirken zu können. Daraufhin wurde ihm wohl geantwortet, dass es in der Tat innerhalb des Unternehmens auf höherer Ebene Gespräche darüber gegeben habe, wie derlei Vorfälle in der Zukunft zu regeln seien. Ach was?!

Wir entfernen uns hier gar nicht all zu sehr von der Bilanz, die Frank H. zog, der meinte, es sei interessant, dass sich McArthur Glen doch eher proaktiv und vermittelnd-einsichtig zeigte, wohingegen „Puma reaktiv, eher verhalten“ agierte und sich eben mit einem Gutschein und Rabatten aus der Verantwortung ziehen wollte. Für Frank H. steht fest: Puma sollte seine Pride-Collection fürs Erste einstampfen, denn offensichtlich habe diese nichts mit der Unternehmensphilosophie zu tun. Reines Marketing – die schlimmsten Klischees in puncto Pinkwashing scheinen bestätigt. 

Er selber würde übrigens anregen, dass McArthur Glen eine eigene Pride-Collection auflegt. Er würde auf Teile davon erwerben wollen, denn er meinte dort zu erkennen, dass diese die LSBTIQ*-Community als Teil ihrer „Familie“ annähmen. Das klingt doch nach einer charmanten Idee für das kommende Jahr.

Es ist nach unserer Meinung auch durchaus in Ordnung, wenn ein Unternehmen mit einer bestimmten Zielgruppe Geld verdienen möchte – schließlich schafft auch das Sichtbarkeit, nicht nur für die Endkunden und die jeweilige Marke auf der Straße, sondern es zeigt auch vielen anderen Menschen, die sonst nichts mit der LSBTQ*-Community am Hut haben, dass wir da sind. Doch dazu gehört es eben auch, dass das Unternehmen einen entsprechenden Umgang mit dieser Zielgruppe pflegt, dass es diese nicht nur als Teilzeit-Gelddruckmaschine sieht und dass es intern ebenfalls Diversität umsetzt. Ein Glaubwürdigkeitsverlust wird auch von bunten Gruppen zurecht hart bestraft. 

Eure queer-reviewer

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