Wenn die Kirche dreimal leugnet

Man könnte sagen, dass die katholische Kirche ein leichtes Opfer ist, an dem sich Queers abarbeiten können und wir tun das bei the little queer review ja auch zu so mancher Gelegenheit. Sie macht es einem aber gerade auch alles andere als leicht, sie nicht zu kritisieren. In mindestens drei Punkten zeigt sie sich gerade tatsächlich nicht von ihrer besten Seite: bei der Aufarbeitung des Kölner Missbrauchsskandals, bei der Segnung von Homosexuellen und bei der zwischenzeitlich von Bundesregierung und Ministerpräsidenten wieder einkassierten Regelung zur „Osterruhe“.

Woelki zeigt schlechte Führung

Zum Kölner Missbrauchsskandal ist inhaltlich nicht viel zu sagen, was nicht bereits in den Medien breit diskutiert wurde. Es geht eher um den Umgang damit. So gab der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bei einem Pressestatement zu Protokoll, dass sein Rücktritt nichts bringe, da es sich dabei nur „um eine symbolische Geste“ handeln würde. Dass es eine symbolische Geste wäre, stimmt. Aber gerade die katholische Kirche sollte doch wissen, was Symbolik bewirken kann.

Steht nicht das Kreuz, das zentrale Symbol des Christentums, für die Leiden Jesu, die er für die Menschheit erduldete? Sind nicht die Kommunion und der Entgegennahme der Hostie Symbole, die den Empfang von Jesus Christus versinnbildlichen? Stehen nicht symbolische Feiertage wie Weihnachten, Karfreitag und Ostern für Jesu Geburt, Kreuzigung und Auferstehung? Die gesamte Liturgie und Glaubenslehre der katholischen Kirche beruhen auf Symbolik. Dass Woelki nicht zurücktreten möchte, ist sein gutes Recht, aber damit, den Wert von Symbolik so zu verunglimpfen, leistet er der Kirche einen Bärendienst. Nein, diese Ausrede zeugt eher von ganz, ganz schlechten Führungsqualitäten.

Da kräht kein Hahn nach

Und mit Kardinal Woelki sind wir bereits beim zweiten Problem: dem Segnungsverbot für Homosexuelle. Woelki verteidigt das Segnungsverbot des Vatikans als „Stärkung des katholischen Ehe- und Familienverständnisses“. So weit, so gut, und zu der Entscheidung haben wir bereits vor einer Woche alles geschrieben. Aber dass sich in der Zwischenzeit etliche Geistliche zu Wort gemeldet haben, die weiterhin Segnungen von Homosexuellen auch ohne Segen aus Rom durchführen, scheint Woelki, den Vatikan oder sonstige Verantwortungsträger nicht zu interessieren.

Da werden einmal mehr die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen. Auch wenn es in der Schwere der Auswirkungen für die Betroffenen wohl nicht vergleichbar ist, ohne Wegschauen bei sexuellem Missbrauch wäre auch dieser Skandal für die Kirche vermutlich weitaus weniger dramatisch geworden. Dass Verleugnung bei den Nachfolgern Petri aber System hat, ist bekannt und im Neuen Testament ohnehin angelegt: Petrus hat Jesus ja auch dreimal verleugnet ehe der Hahn krähte.

Superspreader-Event Gottesdienst

Beim Krähen des Hahns sind wir schon beim dritten Punkt: den dabei ausgestoßenen Aerosolen. Die Osterruhe ist zwar nun hinfällig, aber ursprünglich hatten die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten die Kirchen darum beten, äh bitten wollen, Ostergottesdienste nicht als Präsenzveranstaltungen durchzuführen. Die katholischen Kirchen – und auch die evangelischen – hatten bereits früh signalisiert, dass sie dieser Bitte nicht entsprechen würden. Auch das empfinden wir als grob fahrlässig.

Ja, es gibt viele Menschen, die, wie der frühere CDU-Generalsekretär Peter Tauber, im Glauben Kraft finden. Und die Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, ein wesentliches Grundrecht. Aber wieso ausgerechnet Gottesdienste – dass auch diese virtuell stattfinden können, haben wir in den letzten Monaten gesehen – hätten mit vielen Menschen abgehalten werden sollen, ist kaum nachvollziehbar. Die letzten Monate haben gezeigt, dass Gottesdienste leicht zu Superspreader-Events werden können und nicht umsonst war auch vorgesehen, dass für gerade einmal fünf Tage auch Demonstrationen und andere Menschenansammlungen eingeschränkt werden sollten. Das Verständnis für diese Ankündigung der katholischen Geistlichen und die strikte Abwehrhaltung sind alles andere als nachvollziehbar.

Ich wurde katholisch sozialisiert und christliche Werte lenken seit meiner Geburt mein Handeln, aber nun bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich mich tatsächlich frage, was die katholische Kirche mir noch zu bieten hat und ob nicht ein Austritt die konsequente Entscheidung wäre. Scheinbar bedeuten der katholischen Kirche nämlich schlechte Führung, die Segnung von Motorrädern und Waffen und Superspreader-Events mehr als die Mitgliedschaft eines Menschen, der von christlichen Werten überzeugt ist.

HMS

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Comments

  1. Du hast völlig recht in allen 3 Punkten. Die katholische Kirche ist echt nicht mehr haltbar. Schade finde ich, wenn Leute dann deshalb komplett vom Glauben abkehren. Überhaupt müssten Kirchen mehr im digitalen Zeitalter ankommen, denn auch ohne Pandemie gibt es Leute, die aus verschiedenen Gründen (Krankheit, Kinderbetreuung, kein Auto) von digitalen Gottesdiensten profitieren würden, aber viele Kirchen scheren sich scheinbar nicht um die. Zum Glück gibt es auch andere. Ich mache oft bei online-Gottesdiensten von Brot und Liebe bzw. Theresa Brückner mit (evangelische Pfarrerin), die auch die LGBTQ+ Community explizit miteinbezieht.

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