Wilder Fernosten

Beitragsbild: Das Rot-Weiße Riesen-Gleithörnchen ist mit einer Länge von einem knappen Meter eines der größten Hörnchen der Welt. Und es guckt sexy. // © NDR/BBC

Wie wichtig Biodiversität und Artenvielfalt sind, wird uns zuletzt immer klarer. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble schreibt in seinem jüngsten Buch Grenzerfahrungen: „Es ist ja nicht nur der Klimawandel, sondern mindestens genauso der Verlust an Artenvielfalt, der die Resilienz schwächt.“ Hierfür brauchen die Tiere einen Lebensraum, in dem sie ungestört leben können.

Die in der letzten Zeit zunehmend kritisch beäugten Chinesen haben in den letzten Jahren tatsächlich etwas Positives getan, um einen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt zu leisten: Sie haben zehn Nationalparks ausgewiesen, in denen Pandas, Tiger und Co. ihren sichereren Lebensraum haben. In der dreiteiligen Dokumentation Wildes China berichtet die ARD-Reihe Erlebnis Erde nun über die Anstrengungen der Chinesen, den Lebensraum für die wilden Tiere zu schützen.

Der Zhangye-Danxia-Geopark im Nordwesten Chinas ist einer von zehn ausgewiesenen Nationalparks. Das chinesische Wort danxia bedeutet “rote Wolken”. // © NDR/BBC

Lebensraum für bedrohte Tiere

Das ist sehr spannend, denn es gibt einen Einblick in die vielfältige Tierwelt des Reichs der Mitte und zeigt, welcher Schatz vor allem durch menschliche Eingriffe endgültig verloren zu gehen droht. In einer Reise durch die Nationalparks, von Tibet im Westen über den etwas südlicher gelegenen Pudacuo-Park bis hin zur tropischen Insel Hainan im Süden oder der Grenze zu Russland im Nordosten nehmen uns die Macherinnen und Macher der Doku mit auf eine Reise durch die Nationalparks Chinas.

Der Östliche Schwarze Schopfgibbon lebt heute nur noch in einem kleinen Gebiet an der Grenze zwischen China und Vietnam. Warum dieser nun nicht schwarz ist? Das erklärt die Dokumentation. // © NDR/BBC

Sie erläutern uns dabei, wie sich die Populationen des Sibirischen Tigers und der Pandas oder auch des extrem seltenen Hainan-Schopfgibbons (es gibt nur noch etwa 30 Exemplare dieser Tiere!) entwickelt haben und zeigen uns die Tiere in ihrem natürlichen Refugium. Vom Schuppentier, dem Pangolin, erfahren wir, dass es jährlich etwa 70 Millionen Termiten frisst, allerdings nicht, dass es nicht der Überträger des Coronavirus war, wie Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge in ihrem Buch Trotzdem fälschlicherweise vor einem Jahr noch vermuteten. Wir begleiten darüber hinaus eine Tibetfüchsin bei der Jagd oder lernen wie sehr die Pandas auf den Bambus angewiesen sind.

Tiere leiden unter den Eingriffen der Menschen

Eines wird nämlich auch immer zumindest in Teilen deutlich: Die Tiere leiden unter den Eingriffen der Menschen in die Natur. Lebensräume der Tiger werden zersiedelt, Straßen werden zu Todesfallen für so manche Affenart und teils werden sie durch menschengemachte Baumschneisen von ihren Artgenossen im Nachbarwald getrennt, weil sie nicht auf weniger als 20 Meter Baumhöhe herunterklettern.

Ja, noch was mit Affen: Der junge Makak sitzt in einem Blütenmeer. Das Bild ist fantastisch und die Dokumentation ist voll von tollen Bildern. // © NDR/BBC

Und dann gibt es aber viele Beispiele, wie Mensch und Tier hier in Einklang leben können. Ob es nicht-intensiver Teeanbau ist, der den Schuppentieren eine Heimat bietet statt ihren Lebensraum zu zerstören, oder Ranger, die durch den Wald patrouillieren, um die Schlingen von Wilderern abzunehmen: Es gibt Beispiele, die beweisen, dass eine Eintracht von Mensch und Tier möglich ist.

Kritik kommt sehr kurz

Das alles darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass China als Wirtschaftsmacht enorme Mengen an Treibhausgasen emittiert und beispielsweise durch Infrastrukturprojekte riesige Mengen an Flächen in der ganzen Welt verbaut. All dies wird in der dreiteiligen Dokumentation zwar teils angesprochen, kommt aber dennoch relativ kurz. Hier wäre wohl ein wenig mehr Kritik angebracht gewesen, um ein größeres Bild zu haben und die zweifelsohne löblichen Schutzaktivitäten des Regimes in Beijing besser einordnen zu können.

Der Große Panda ist wie kein anderes Tier zum Symbol für die bedrohte Artenvielfalt geworden. Außerdem: F**k me while i’m horny. Fortpflanzung ist wichtig, aber Pandas sind enorm eigen. // © NDR/BBC

Denn die Volksrepublik China steht in letzter Zeit ungewohnt stark in der Kritik. Vieles, was das Außenbild des Landes bestimmt, wird durch die staatliche Zensur und politische Initiativen der Kommunistischen Partei bestimmt, wie Clive Hamilton und Mareike Ohlberg in ihrem Buch Die lautlose Eroberung sehr anschaulich darlegen. Und es wird sich zeigen, wie kritikfähig die Führung in Beijing tatsächlich ist. Auf Zusammenarbeit mit China wird es aber ankommen, auch wenn es um die Einhaltung von Klima- und Umweltzielen geht.

Dennoch muss auch anerkannt werden, dass die Chinesen die Problematik des Artenschutzes zumindest scheinbar erkannt haben. Die Dokumentation Wildes China aus der Reihe Erlebnis Erde gibt jedenfalls spannende Einblicke in die Natur Chinas, die es auf jeden Fall zu schützen gilt.

Das Chinesische Schuppentier ist durch Bejagung extrem bedroht. In der traditionellen Chinesischen Medizin spielen seine Schuppen eine große Rolle. Bei uns wird es unterschätzt, außer wenn wir glauben wollen, dass es eine tödliche Pandemie über uns brachte. Schuppentiere sind coole Säue, die uns weder killen wollen noch egal sein sollten. // © NDR/BBC

HMS

Die drei Teile der Dokumentation „Wildes China” von Philip Jones sind bis zum 15. März 2022 in der ARD-Mediathek verfügbar. 

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