In 60 Klimaschützer*innen um die Welt

Globale Erwärmung – ein vielleicht etwas plastischerer Begriff als „Klimawandel“, auch wenn beide im Grunde dasselbe bezeichnen. Bei „globaler Erwärmung“ wird allerdings besser deutlich, dass es sich hierbei um ein weltweites Phänomen und Problem handelt. Die Lösungen hierfür können und müssen daher auch global gedacht werden. Fridays for Future geht seit 2018 auf die Straße, um auf das Problem aufmerksam zu machen – nicht ganz unumstritten. Und doch ist ihr Anliegen vollkommen richtig und wichtig: den Klimawandel zu bremsen.

Seit 2018 hat sich die Bewegung massiv ausgeweitet und das Problem steht nun deutlich weiter oben auf der Agenda – weltweit. Nicht nur hierzulande, sondern in allen Weltteilen engagieren sich junge Menschen für den Klimaschutz. Und nicht zuletzt, um dieses weltweite Engagement darzustellen, hat der in Großbritannien lebende Journalist Akshat Rathi Stimmen von 60 dieser jungen Menschen aus allen Erdteilen gesammelt, um die globale Tragweite der Bewegung zu illustrieren. Die deutschsprachige Ausgabe seines Buchs heißt Klima ist für alle da und in der Übersetzung von Larissa Rabe sowie einem Vorwort der deutschen Klimaaktivistin Raina Ivanova bei blanvalet auf Papier aus Zuckerrübenschnitzeln erschienen.

Globale Erwärmung weltweit

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Der Inhalt ist relativ leicht zusammengefasst: 60 junge Menschen aus allen Erdteilen erzählen in kurzen Kapiteln von meist zwischen zwei und fünf Seiten, welche Gefahr die globale Erwärmung für sie und ihr Land mit sich bringt und wie sie sich selbst gegen den Klimawandel engagieren. Einige wenige Ausnahmen gibt es, zum Beispiel den Brief einer britischen Schülerin an ihre Schule, warum sie sich vom Unterricht befreien lassen muss, um zu streiken, Reden vor UN-Gremien oder das Tagebuch einer jungen Forscherin, die in die dauerhaft unbesiedelte Antarktis gereist ist, um dort gegen den Klimawandel anzukämpfen.

Das Buch ist nach Erdteilen gegliedert, jeder Kontinent dabei eingeleitet mit den größten Herausforderungen und einer illustrierten Karte. Außerdem gibt es pro Erdteil auch einen kurzen Exkurs mit einer Frage an die hierzu beitragenden, beispielsweise „Was würdet ihr der politischen Führung eures Landes gerne sagen?“. Hier gibt es also noch ein paar kleine verbindende Elemente innerhalb der jeweiligen Kapitel, was sehr charmant ist.

Klimawandel ist divers

Die Beitragenden, alle zwischen elf und 30 Jahren alt, verbindet ihre Sorge um den Klimawandel. Aber bei jeder und jedem gibt es eine eigene Schwerpunktsetzung. Manche pflanzen Bäume in ihrer Heimat, andere sorgen sich um den zunehmenden Plastikmüll in den Ozeanen und wieder andere stellen die Rechte der indigenen Bevölkerungen beispielsweise in der Arktis in den Vordergrund.

Manche kümmern sich um Bildung und Aufklärung beim Klimaschutz oder engagieren sich dabei, die Anliegen ihrer Generation an die Verantwortungsträgerinnen und -träger aus Politik und Gesellschaft heranzutragen. Hier zeigt sich, wie divers die Schwerpunktsetzung sein kann und wie viele Baustellen es in der Klima- und Umweltpolitik doch gibt.

Und gleichzeitig gibt es einige Auffälligkeiten, die die jeweiligen Länder betreffen: Die Beiträge der jungen Menschen aus Inselstaaten fokussieren sich häufig auf den Anstieg des Meeresspiegels und dessen Konsequenzen, junge Leute aus trockenen Ländern hingegen auf Wassermangel und dessen Folgen. Das klingt logisch und nachvollziehbar, zeigt aber vor allem erneut die Breite der Probleme, mit denen die Verantwortungsträgerinnen und -träger sich konfrontiert sehen.

Leider nicht ganz ohne Bias

Etwas schade hingegen ist, dass einige Länder, beispielsweise Australien, Kanada und die USA, mehrfach vertreten sind, andere Länder hingegen gar nicht. Klar, die reine Nationalität sagt wenig über die eigentlichen Probleme aus, aber beispielsweise aus Europa, einem Kontinent, der viele Länder mit vielen Regierungen und Interessen beherbergt, ebenso wie Afrika, gäbe es noch viele weitere Perspektiven, die sich gut erzählen ließen.

Nicht schade, sondern fast ärgerlich, hingegen ist die Tatsache, dass manche Beiträge noch weiterführende Informationen enthalten, die das jeweils Beschriebene ergänzen. Ja, Fakten sind gut, aber manches Mal scheinen sie in Klima ist für alle da doch sehr stark nur darauf ausgerichtet zu sein, das Argument des Beitrags zu untermauern, ohne in einen größeren Kontext gesetzt zu werden. Dass bei weitreichenden Entscheidungen Interessen demokratisch gegeneinander abgewogen und das daraus resultierende Ergebnis der vorläufige Endpunkt eines solchen Prozesses ist, gehört zum Verständnis komplexerer Sachverhalte dazu. Hier lässt das Buch eine tiefergehende und differenzierte Darstellung vermissen.

Alles in allem ist Akshat Rathis Zusammenstellung von 60 jungen Stimmen aber ein guter und wichtiger Sammelband, der zeigt, wie umfassend die globale Klimabewegung unter jungen Leuten bereits ist. Gleichzeitig wird deutlich, vor welchen und vor allem wie vielen Problemen die Menschheit aktuell steht. Auch wenn es weiterhin ein schwieriger Kampf sein wird, für das Klima zu kämpfen wird sich für alle lohnen, denn wenn wir den Kampf aufgeben, dann sind wir vermutlich verloren. Mit den Zeugnissen der Beitragenden von allen Kontinenten macht Klima ist für alle da vor allem Mut, sich mit dem Klimawandel sowie seinen Ursachen und Folgen zu beschäftigen und vielleicht auch das eigene Verhalten dahingehend anzupassen.

HMS

Klima ist fuer alle da von Akshat Rathi

Eine Leseprobe findet ihr hier.

Akshat Rat (Hrsg.): Klima ist für alle da – Wie 60 junge Menschen uns dazu inspirieren, die Welt zu retten; Übersetzung: Larissa Rabe; Gebunden; 320 Seiten; ISBN: 978-3-7645-0778-7; Blanvalet; 18,00 €, auch als eBook erhältlich

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