Saras Suche

Beitragsbild: Marlene Hopp (Sophie Lutz) hat ihre Freundin bei sich aufgenommen und würde sich wünschen, dass die nach der Gefängniszeit sehr zurückhaltende Sara (Johanna Wokalek) mehr Nähe zulässt // © SWR/Benoit Linder

An den Tatorten aus dem Schwarzwald scheiden sich oft die Geister (okay, wie an beinahe allen, aber hier scheint’s schon meist recht speziell zu sein) und beim heutigen Tatort: Saras Geständnis müssen wir gestehen, selber hin- und hergerissen zu sein. Nach den starken und vielschichtigen Fällen Rebland und Was wir erben, geht’s hier inhaltlich etwas überambitioniert zu. Das Spiel von Johanna Wokalek als titelgebender Sara jedoch ist es wert, sich die Folge zu geben.

War sie’s oder…

Die Rahmenhandlung ist schnell umrissen: Vier Jahre saß Sara Manzer (Wokalek) wegen Totschlags an ihrem Vater in Haft. Nun will sie sich ein neues Leben aufbauen. Das jedoch wird erschwert, weil nicht nur ihr Boss (Gian Luca Rausch) in ihrem Job als Tellerwäscherin ein chauvinistisches Arschloch ist, sondern auch weil der Polizist Benno Rose erstochen aufgefunden wird. Bei ihm finden sich reichlich Akten zu Saras Fall und ebenso hatte er kurz vor seinem Tod Kontakt zu ihr. Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) kommen ins Grübeln, ob das vormalige Party-Girl nun gemordet hat oder es sich doch einfach um eine ungünstige Verkettung der Ereignisse handelt…

Eigentlich ist Sara Manzer (Johanna Wokalek) froh über ihren Job. Aber nachdem sie wieder in polizeiliche Ermittlungen verwickelt wird, nimmt ihr Vorgesetzter Schilling (Gian Luca Rausch) das als Freibrief für Übergriffe // © SWR/Benoit Linder

Natürlich ist Sara Manzer, je nach Standpunkt, entweder die optimale Verdächtige oder eben auch nicht. Sie ist nicht ehrlich, sie wirkt abweisend, sie macht die Dinge mit sich selber aus, sie hat eine komplexe Vergangenheit. Dass nun nichts so ist, wie es scheint, dürfte die wenigsten überraschen. Andererseits ist es am Ende dann doch einigermaßen vorhersehbar; das wiederum spielt aber kaum eine Rolle, hat Saras Geständnis bis dahin doch so viele semi-bedeutungsschwangere Finten geschlagen, dass das Interesse an der Handlung bei den meisten Zuschauer*innen auf ein Minimum zurückgefallen sein dürfte.

…ist das im Grunde egal?

Was diesen Tatort, der seine vermeintliche Kernaussage zur Reintegration von aus der Haft kommenden Menschen leider nie landet, davor rettet, in garstige Vergessenheit zu geraten, ist wie erwähnt das famose Spiel von Johanna Wokalek, die hier mehr Feinheiten aus ihrem Charakter holt, als manch ein plumper Dialog (Drehbuch: Astrid Ströher) und die recht plakative Inszenierung (Regie: Kai Wessel) es ihr zu erlauben scheinen. Feinheiten wie in den oben genannten zwei Vorgänger-Filmen fehlen hier leider fast völlig; dafür gibt es einen Running-Gag über Scheiße am Schuh der vor allem kacke und weniger lustig ist. Im Prinzip könnte man sich den ganzen Ermittlungsteil zwischen Minute 20 und 70 fast sparen, denn am Ende ist es primär unsaubere Arbeit, die den Fall in die Länge zieht.

Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) bei der Aufklärung des Mordes an einem Exkollegen // © SWR/Benoit Linder

Ähnlich verhält es sich mit einem lesbischen Begehren, das so stupide in die Handlungs-Maske integriert ist, dass es beinahe traurig macht. Aber auch das fängt eine starke Johanna Wokalek auf. Immerhin. 

AS

Sara Manzer (Johanna Wokalek) // © SWR/Benoit Linder

Tatort: Saras Geständnis: Am 13. Februar 2022 um 20:15 Uhr im Ersten, um 21:45 Uhr auf one, anschließend für drei Monate in der ARD-Mediathek verfügbar.

Tatort: Saras Geständnis; Deutschland 2022; Regie: Kai Wessel; Drehbuch: Astrid Ströher; Kamera: Andreas Schäfauer; Musik: Manu Kurz; Darsteller: Eva Löbau, Hans-Jochen Wagner, Johanna Wokalek, Sophie Lutz, Stefan Wilkening, Werner Wölbern, Annette Strasser, Michael Klammer, Samirah Breuer; Laufzeit: ca. 88 Minuten

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