Wacken… War da was?

Wacken war in diesem Jahr eine Schlammschlacht. Das Festivalgelände war aufgeweicht, die Teilnehmerzahl musste reduziert werden und bereits angereiste Menschen wurden fortgeschickt. Joa, blöd gelaufen für viele, die ihrem nachvollziehbaren Unmut anschließend Luft gemacht haben. Andererseits ist es wie bei so vielen Bahnstreiks: höhere Gewalt (bei der Bahn besser bekannt als Claus Weselsky).

WOA-Fans // © NDR/Thorsten Jander

Aber wir driften ab: Wacken. Das ansonsten beschauliche Örtchen im Westen von Schleswig-Holstein ist nicht nur Schauplatz dieses bekannten Metal-Festivals, sondern auch des Tatort: Borowski und das unschuldige Kind von Wacken, der an diesem Sonntag im Ersten läuft.

Ein Dorf im Festivalrausch

Die Polizei findet in der Nähe von Kiel ein totes Baby, daneben ein Eintrittsbändchen zum bevorstehenden Festival. Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) machen sich auf den Weg in das eigentlich recht unspektakuläre Dorf und starten vor Ort ihre Ermittlungen. Sahin bleibt dabei aber erstaunlich wenig präsent, was die Aufmerksamkeit einmal mehr auf ihren bräsigen Kollegen Borowski lenkt.

Mila Sahin (Almila Bagriacik) am Fundort der kleinen Leiche // © NDR/Thorsten Jander

Der wiederum macht sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut. Der Festival-Caterer Michi Berger (Nikolaus Okonkwo) hat die Mutter des Kindes wohl mitgenommen, aber ein Verdacht gegen ihn kann sich erst einmal nicht erhärten. Stattdessen scheint die Dorfgemeinschaft um die Paare/Familien/Freunde Stindt (Anja Schneider und Andreas Döhler), Jensen (Regine Hentschel und Nicolas Dinkel) sowie Thomsen (Bärbel Schwarz und Marven Gabriel Suarez-Brinkert) mehr und mehr von Interesse zu sein.

Ein Tatort zum Vergessen

Wir machen es an dieser Stelle kurz: So wie viele vorherige Borowski-Tatorte ist auch dieser Fall nicht allzu spannend und bleibt nicht lange im Gedächtnis. Das Wesentliche, was nach etwa einer Woche im Gedächtnis geblieben ist, ist, dass zu unserem Erstaunen ein totes Baby tatsächlich gezeigt wird. Das hat im deutschen Fernsehen (nicht ohne Grund) Seltenheitscharakter.

Sarah (Anja Schneider) und Kurt Stindt (Andreas Döhler) sind beunruhigt // © NDR/Thorsten Jander

Ansonsten aber scheint dieser Fall austausch-, vorhersehund verzichtbar (wie auch die Verortung um das Festival), ein wenig Tempo am Ende reißt da auch nichts mehr. Der Tatort ist erneut auf den Hauptermittler Borowski zugeschnitten, Mila Sahins Rolle wirkt gezwungen und implantiert. Eifersuchtsdramen erweisen sich ebenfalls als fingiert und was hat die Ukraine schon anderes zu bieten als Leihmutterschaften? Das ist plumpes Klischeedenken und zeigt einmal mehr, dass die Borowski-Reihe möglichst bald eingestellt oder irgendwie generalüberholt werden sollte.

HMS

Ein Beweisstück im Gras? Kommissarin Mila Sahin (Almila Bagriacik) und Dorfpolizistin Waltraut Jensen (Regine Hentschel) finden Interessantes // © NDR/Thorsten Jander

Der Tatort: Borowski und das unschuldige Kind von Wacken läuft am 26, November 2023 um 20:15 Uhr im Ersten, um 21:45 Uhr auf one und ist anschließend für sechs Monate in der ARD Mediathek verfügbar.

Tatort: Borowski und das unschuldige Kind von Wacken; Deutschland 2023; Buch: Agnes Pluch; Regie: Ayse Polat; Bildgestaltung: Aljoscha Hennig; Musik: Martin Rott, Matthias Wolf, Martin Berger; Darsteller*innen: Axel Milberg, Almila Bagriacik, Thomas Kügel, Bärbel Schwarz, Anja Schneider, Regine Hentschel, Andreas Döhler, Irina Potapenko, Thomas Jensen, Nikolaus Okonkwo, Marven Gabriel Suarez-Brinkert; Eine Produktion der Nordfilm GmbH im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks für Das Erste.

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