(And) Just Like That’s New York

Nicht mal mehr eine Woche und parallel zu den USA und einigen anderen Ländern geht auch in Deutschland das Fortsetzung-Reboot-Remake von Sex and the City mit dem Titel And Just Like That… (– A New Chapter of Sex and the City) bei Sky Deutschland an den Start. Für all jene, die die  – durchaus nur bedingt gut gealterte – Serie in ihrem Originalrun schätzten, mit ihr die Jugend und das Erwachsenwerden verbrachten, mit ihr erste ernste Trennungen durchlitten, die Sehnsucht nach dem berühmten „Mehr“ im Leben spürten, mag sich da durchaus eine gewisse Nostalgie oder gar Melancholie einstellen.

XOXO, New York I Love You…

Die große Liebe von Carrie, Charlotte, Miranda und Samantha war natürlich nie weg: New York. Sie war, XOXO, immer dauerpräsent – nicht nur in Film und Fernsehen, sondern ebenso in Liedern, Romanen, Sach- und Kochbüchern und nicht zuletzt auch in grafischen Bildbänden wie jenem des preisgekrönten, ironischen und skurril-detailverliebten Illustrators Michael Arndt. Bereits im vergangenen Herbst ist seine ausgezeichnete New York-bezogene Grafiksammlung That’s New York im Frederking & Thaler Verlag erschienen… und sie bietet eine perfekte Wiedereinstellung auf das auch zur Serie gehörende, gern augenzwinkernde Lebensgefühl. Aber natürlich darüber hinaus auch einiges mehr…

Auf knapp 200 Seiten und beinahe genauso vielen Abbildungen zieht uns Michael Arndt in die Welt der Stadt, in der er mit seinem Hund Clooney und seiner Katze Greta lebt. Es gibt keine große erklärende Einleitung, stattdessen beginnt der Band direkt mit einer Abbildung namens „Morning commute: train“ und schließt später passenderweise mit dem „Evening commute: train“. 

…And You Don’t Bring Me Down

Was nun folgt, sind nahezu fast immer doppelseitig entgegenstehende, aber passende Grafiken wie die Kronen der Statue of Liberty oder die des Chrysler Building. Oder auf den Bildern „Walk“ und, uhm, „Walk“ kennzeichnet er wunderbar das bei den Amerikanern so beliebte jaywalking, also das verkehrswidrige Überqueren der Straße. Die Bilder „Last weekend in June“ und „First weekend in July“ verknüpfen Queerness und Patriotismus, in den USA schließt dies einander ja nicht aus.

Für die Political Animals unter uns gibt es blau und rot: 2016er Election Maps aus Manhattan und dem mittlerweile berüchtigten Staten Island. Auch kritisch wird’s bei Wohnungen und Mietpreisen. Ganz, ganz wunder sind darüber hinaus „Santa Con“ und „Women’s March“, „Barbra as Dolly“ und „Bernadette as Annie“, „Hipster Williamsburg“ und „Hasidic Williamsburg“ oder auch „Mister Softee“ und „Mister Sister“.

Bunt, vielfältig, queer…

Überhaupt bildet der wirklich großartige kleine Bildband so viele verschiedene, scheinbar nicht unbedingt zusammen passende, aber doch miteinander gehende Lebens- und Gestaltungswelten ab, dass es ein wahres Fest bunter (und auch wirklich queerer) Vielfalt ist. „Greenwich Village daddy: then“ (mit Harness) und „Greenwich Village daddy: now“ (mit Brust-Gurt-für-Kind-Situation) ist nur eines dieser herrlich humoristischen Highlights. Dass der Verlag das Buch mit „Grafisch, skurril, witzig“ beschreibt, könnte nicht passender als anhand dieser Grafik bewiesen werden.

Oder doch vielleicht an jener mit „Iris Apfel“ und „Magnolia Bakery“? Oder „Pigeon painting“ und „Dog sculpture“? Oder „Katz“ und „Dogs“? Oder „Manhatten actor“ und „Cosmopolitan actress“? Oder die New-York-Trilogie, deren filmische Umsetzung nur eine Frage der Zeit ist: „Dog walk“/„Catwalk“/„Rat walk“? Sich zu entscheiden fällt schwer. Auch fehlen weder Little Italy noch Chinatown oder die Brooklyn Bridge und der Broadway; Ess- und Trinkkultur, Unterhaltungskultur oder Party- und Spazierkultur.

…informativ und fabelhaft

Neben aller grafischen und scherzhaften Rundheit von That’s New York fehlen am Ende des Buches auch kurze Erläuterungen zu den jeweiligen Illustrationen nicht. So lernen wir, dass von weltweit 400 Millionen Felsentauben schätzungsweise 7 Millionen in New York leben oder wie sich die Demografie von Greenwich Village von einer Szene für Gay-Bars eher zu einer für Regenbogen-Familien entwickelt hat. Nicht wenig gibt es auch zum wichtigen Einfluss jüdischer Kultur und jüdischen Lebens auf die reichhaltige Entwicklung New Yorks zu erfahren. Ebenso wird erläutert wie viele Brücken und Tunnel es in und um New York gibt oder dass der „heute allgegenwärtige weiße Streifen“ auf dem Beschilderungssystem der New Yorker U-Bahn eigentlich ein Druckfehler gewesen ist.

Somit ist Michael Arndts That’s New York für jene etwas, die ihr Gefühl für die Stadt mal wieder auf eine andere Art auffrischen wollen, aber auch für jene, die sich auf äußerst unterhaltsame und freilich ebenfalls informative Weise einen Überblick zum New Yorker Leben und den Eigenheiten dieser Stadt, die echt niemals schläft, verschaffen wollen.

JW

PS: Natürlich besprechen wir dann auch die And Just Like That…-Serie und werden uns sicherlich auch nochmals dem Original und den… *räusper* „zwei“ „Filmen“ widmen. 

PPS: Ja, die ersten zwei Zwischenüberschriften spielen auf einen fabelhaften Song an, der ebenso fabelhaft in der ersten Staffel vom Original Gossip Girl genutzt wurde.

Michael Arndt: That’s New York – Grafisch, skurril, witzig; 192 Seiten; ca. 190 Abbildungen; Übersetzung aus dem Englischen: Susen Truffel-Reiff; Hardcover; Format: 22,3 x 22,6 cm; ISBN: 978-3-95416-332-8; Frederking & Thaler Verlag; 22,99 €

Unser Schaffen für the little queer review macht neben viel Freude auch viel Arbeit. Und es kostet uns wortwörtlich Geld, denn weder Hosting noch ein Großteil der Bildnutzung oder dieses neuländische Internet sind für umme. Von unserer Arbeitstzeit ganz zu schweigen. Wenn ihr uns also neben Ideen und Feedback gern noch anderweitig unterstützen möchtet, dann könnt ihr das hier via Paypal, via hier via Ko-Fi oder durch ein Steady-Abo tun. Vielen Dank!

About the author

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.