Mannigfaltige Überraschungskiste

Nach dem Erfolg und eurem positiven Feedback zu unserer Weihnachtsbücherei im vergangenen Jahr brauchten wir nicht lange zu überlegen, um es für gut zu befinden, in diesem Jahr mit der Festtagsbücherei eine Fortsetzung zu schaffen. Dabei wird euch manch ein Verlag aus dem vergangenen Jahr begegnen, ihr werdet, ähnlich wie wir, dank diverser Buchbörsen und der Frankfurter Buchmesse neue Verlage kennenlernen. Ihr werdet auf Titel treffen, deren Besprechung ihr schon bei uns gelesen habt und auf solche, von denen ihr dachtet „Nicht meins!“, bis ihr nun das verlagsseitige Statement zum Thema lest.

Denn wie im letzten Jahr lautet unser Thema auch 2022 wieder: Die Verlage sind frei eines ihrer Bücher auszuwählen und zu empfehlen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es queer ist oder nicht, ob es sich um Belletristik oder ein Sachbuch handelt, ob der Titel frisch aus der Druckerpresse kommt oder von der von manchen zu unrecht ach so verpönten Backlist. Wichtig ist ein persönliches Statement, ein eigener Gedanke (ein, zwei Ausnahmen haben wir gemacht – ihr werdet sie entdecken).

Eine bunte Lesereise durch diverse Welten

Wir besuchen den Garten Eden, reisen mit Jesus nach Ungarn, landen auf einem Containerschiff und in Norwegen, Dänemark, Bulgarien; begegnen Wohnenden in Wien, Rom, Paris, New York und dem einen oder anderen Provinzstädtchen. Außerdem fällt Schnee in verschiedensten Formen und Farben und manch ein Flöckchen davon ist gar menschlich und dabei stark wie sonst nur was. 

Wir setzen uns mit dem Zerfall des Britischen Empires auseinander, treffen auf eine moderne Antwort von Vom Winde verweht und können anschließend speisen wie in New York City. Begegnen wiederentdeckten und modernen (queeren) Klassikern, gern überschneidet sich das. Wir tanzen und singen und reiten, es wird kaiserlich und königlich kurz kuk und statt des Doppelten Lottchens gibt es andere Doppelleben sowie manche Doppelbödigkeit.

Es wird prosaisch-pescetarisch, essayistisch-eskapistisch, gruselig-garstig, hysterisch-historisch, verwegen-verlegen, kritisch-kitschig, wuselig-witzig, töricht-tröstlich, …

…entdeckt einfach die wunderbaren Vorschläge der diversen Verlage, die, das können wir ganz ernsthaft sagen, uns den Temporallappen flattern lassen, in der bunt gemischten Liste, die zum immer weiter lesen verleitet. Ihr werdet am Ende traurig sein, dass Schluss ist – eure Brieftasche hingegen wird sich freuen. 

Christian Lütjens empfiehlt aus dem Albino Verlag:

„Der Roman Adam im Paradies war für uns eine auf unterschiedlichen Ebenen spannende Entdeckung, die nachzuerleben wir allen Leser*innen, die sich für Kunst, Literatur und queere Geschichte interessieren, wärmstens empfehlen. Erstens zeichnet das Buch ein facettenreiches Porträt des hierzulande eher unbekannten dänischen Meistermalers Kristian Zahrtmann (1843-1917), zweitens spiegelt es in buchstäblich malerischer Sprache die hintersinnige Queerness seiner Kunst, drittens macht es in bestechender Subtilität die Ächtung und Verfolgung schwuler Männer zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachvollziehbar. All das wird den Lesenden als gleichermaßen zugängliche wie sinnliche Ich-Erzählung Zahrtmanns dargeboten, die zwischen den Romankapiteln von authentischen zeitgenössischen Dokumenten wie Gerichtsakten, Zeitungsartikeln und Briefen unterbrochen wird, die die antischwule Stimmung von Zahrtmanns Epoche abbilden. So prallen subjektive Wahrnehmung und objektive Betrachtung aufeinander und es entsteht ein Dialog zwischen Fakten und Fiktion. Übersetzer Andreas Donat hat Haslund-Gjerrilds mal betörende, mal assoziative Sprache kongenial aus dem Dänischen ins Deutsche übertragen. So haben wir als Lesende nach der Lektüre von Adam im Paradies nicht nur das Gefühl, bei der Entstehung des titelgebenden Gemäldes (ein vor Farben und Sinnlichkeit strotzendes Bildnis eines nackten Adams im üppig blühenden Garten Eden) dabei gewesen zu sein, sondern auch ein ganzes Künstlerleben durchschritten und ein Gefühl für die beklemmende Lage unserer queeren Vorfahren bekommen zu haben. Letzteres hat nicht zuletzt im Hinblick auf die aktuelle Unterdrückung von LGBTIQ* in Russland, Polen, vielen afrikanischen und arabischen Ländern ungebrochene Relevanz.“

Rakel Haslund-Gjerrild: Adam im Paradies; Aus dem Dänischen von Andreas Donat; Oktober 2022; 328 Seiten; Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen; ISBN 978-3-86300-341-8; Albino Verlag, 26,00 €

Helga Schuster empfiehlt aus dem Verlag Elster & Salis:

„Ludwig arbeitet in Wien in einem Spielzeuggeschäft und hat so überhaupt keine Ambition oder Idee, was er mit seinem Leben machen könnte. Eines Tages kommt eine Gruppe Ungarn auf ihn zu und lädt ihn in die Puszta ein. Denn: er ist der wiedergekommene Messias und er soll dort die frohe Botschaft verkünden. Da Ludwig sonst nichts vorhat, kommt er mit und lässt sich auf die Situation ein… Was als Satire beginnt, wird schnell zur Dystopie

Das Besondere an dem Roman von Gábor Fónyad war für mich, dass er mit viel Witz und Wissen über diese Verschwörungstheorie schreibt, sich mit keinem Wort über diese kleine Gruppe der Ungarn lustig macht. 

Zum Hintergrund: Gábor stammt aus einer ungarischen Familie und wurde mit der Idee, dass Jesus Ungar sei regelmäßig konfrontiert. Er wollte mit dem Buch dem ganzen die Krone aufsetzen. Tatsächlich hat ihn oft bei der Recherche die Realität eingeholt, so gibt es tatsächlich die Urmagyaren, die davon ausgehen dass die Ungarn das auserwählte Volk sind, Finnisch und Ungarisch nicht der selben Sprachfamilie angehören und jaaaa, man ahnt es schon: Jesus natürlich Ungar war.“

Gábor Fónyad: Als Jesus in die Puszta kam; September 2021; 288 Seiten; Hardcover gebunden mit Schutzumschlag; ISBN: 978-3-03930-024-2; Elster & Salis; 24,00 €

Tomas Rensing empfiehlt aus dem Verlag Bohem Press:

Der erste Schnee ist eine Legende aus dem Iran. Sie erzählt die Liebe einer jungen Frau zum Winter, die gleichzeitig eine große Sehnsucht zum Frühling verspürt. Es ist eine Legende über das Warten. Die Enttäuschung. Die Hoffnung. Wer kennt das nicht?! Ein Buch für alle, die sich in Illustrationen verlieren können und ein ‚Muss‘ für alle, die niemals aufgeben zu träumen und zu hoffen, oder etwas brauchen, dass ihnen beim Warten hilft und die Hoffnung stärkt.“

Ein paar Eindrücke // © Elham Asadi / Sylvie Bello / Bohem Press

Elham Asadi, Sylvie Bello: Der erste Schnee; Ab 4 Jahren; Aus dem Italienischen von Ulrike Schimming; Juli 2022; 32 Seiten; Hardcover, vollfarbig; Format: 27,6 x 42,2 cm; ISBN: 978-3-95939-211-2; Bohem Press; 29,95 €

Lektor Hajo Gevers empfiehlt aus dem Wallstein Verlag:

„Hans Litten bekämpfte als junger Rechtsanwalt mit großem Engagement den aufkommenden Nationalsozialismus und nahm dabei auch Adolf Hitler als Zeugen im Gerichtssaal auseinander. Dafür steckten ihn die Nazis 1933 in Haftanstalten und Konzentrationslager. In der Serie Babylon Berlin wird er von Trystan Pütter verkörpert. Sein faszinierendes Leben zwischen jüdischer Jugendbewegung und »Roter Hilfe« lässt sich in dieser Biografie entdecken.“

Knut Bergbauer, Sabine Fröhlich, Stefanie Schüler-Springorum: Hans Litten – Anwalt gegen Hitler. Eine Biographie; März 2022; 384 Seiten, 51 Abb.; gebunden mit Schutzumschlag; ISBN 978-3-8353-5159-2; Wallstein Verlag; 28,00 €

Marie Luise Jansen empfiehlt aus dem Schöffling & Co. Verlag:

„In ihrem Debüt zeichnet die ungarische Autorin Anita Harag erfrischend unpathetisch berührende Alltagsskizzen über weibliche Sehnsüchte. Dabei verhandelt sie durchaus keine leichten Themen. Es geht um Verlust, Unsicherheiten und Ängste, die jedoch auf so nahbare Weise erzählt werden, dass man sich als Leser*in in vielen Erzählungen wiederfindet.

So verzweifelt etwa eine Protagonistin an der Erziehung eines Hundewelpens, den sie von ihrem Partner zum Geburtstag geschenkt bekommt. Nur: Gewünscht hatte sie sich den Hund eigentlich nicht. Auf diese Weise lotet Anita Harag ein ums andere Mal äußerst geschickt Beziehungen aus, findet Bedeutung im scheinbar Unbedeutenden und lässt alles unausgesprochene ohrenbetäubend widerhallen. Lakonisch, realistisch und melancholisch. Dieser Erzählband ist für jede*n ein Lesegenuss, der*die nicht vor bewegenden und aufrüttelnden Themen zurückschreckt.“

Anita Harag: Es ist kühl für diese Jahreszeit. Storys; Aus dem Ungarischen von Timea Tankó; Juli 2022; 192 Seiten; bedruckter Einband; ISBN: 978-3-89561-369-2; Schöffling & Co.; 22,00 €

Astrid Saller empfiehlt aus dem Zsolnay Verlag:

Tür an Tür ist eine Buchempfehlung für alle Menschen, die einem am Herzen liegen: Kurt, Anfang dreißig und homosexuell, hat endlich eine Anstellung als Lehrer und eine kleine Wohnung gefunden. Anfangs stören ihn die Geräusche aus der Nachbarwohnung sehr, doch als er Herrn Drechsler, der seit Jahrzehnten hier wohnt, kennenlernt, kann er sogar mit dessen Klospülung leben. Auch mit Regina, der Neuen aus dem vierten Stock, freundet Kurt sich rasch an. Und als nach einer gescheiterten Beziehung sein bester Freund bei ihm einzieht und einer seiner Schüler vor der großen Weltpolitik plötzlich bei ihm Zuflucht sucht, nehmen die Dinge ihren Lauf.

In Tür an Tür blickt Dominik Barta auf das Leben in der Stadt und geht dabei überaus empathisch und liebevoll der Frage nach, was alles kann Familie sein? Klug und unaufdringlich beschäftigt sich der Autor mit drängenden Themen wie Identität und Einsamkeit, Toleranz und Solidarität. Nach der Lektüre ist das Herz voller und man selbst um mindestens einen Freund reicher.“

Dominik Barta: Tür an Tür; Juli 2022; Hardcover mit Schutzumschlag, 208 Seiten; ISBN: 978-3-552-07303-6; Zsolnay; 23,00 €; unsere Besprechung findet ihr hier

Sarah Auer empfiehlt aus dem Antje Kunstmann Verlag:

„Ein wunderbares Buch über eine Frau in einer männerdominierten Welt, das einen mitnimmt auf ein Containerschiff, das nicht nur auf dem Weg zu seinem Zielhafen, sondern auch zu dem Innersten seiner Besatzung ist. Leser*innen gehen hier auf eine poetische Reise, die einen unterhält und gleichzeitig zum Nachdenken bringt.

Oder wie Denis Scheck es ausgedrückt hat: ‚Eine der irrsten, poetischsten und unvergesslichsten Seefahrergeschichten, die ich je gelesen habe. (…) Die Sprachkraft von Mariette Navarro ist so groß, dass man sich nach der Lektüre das Salz von den Lippen leckt, das Rollen und Stampfen des Frachters zu spüren glaubt und das Brummen der Schiffsdiesel im Ohr hat.’“

Mariette Navarro: Über die See; Übersetzt von Sophie Beese; August 2022; gebunden mit Schutzumschlag; 160 Seiten; ISBN: 978-3-95614-510-0; Antje Kunstmann Verlag; 20,00 €

Bettina Reinemann empfiehlt aus dem oekom verlag:

Weihnachten und die Tage zwischen den Jahren sind eine ganz besondere Zeit im Jahr. Passend dazu empfehle ich das Buch Time ist honey. Vom klugen Umgang mit der Zeit von Karlheinz Geißler. Unser Autor – einer der bekanntesten Zeitforscher Deutschlands – ist erst kürzlich verstorben, was uns alle sehr traurig gemacht hat.

Von ihm stammt das tiefgründige wie humorvolle Zitat: Zeit entsteht nur dort, wo man mit der Zeit nichts macht. Also, führen Sie ab und zu mal wieder eine Hängemattenexistenz.’ In diesem Sinne frohe freie Zeiten und viel gute Erkenntnisse beim Lesen dieses klugen Buchs!“

Karlheinz Geißler, Jonas Geißler: Time is honey. Vom klugen Umgang mit der Zeit; Juni 2017; 256 Seiten, Softcover, ISBN 978-3-96006-022-2; oekom verlag; 15,00 €

Verlegerin Britta Jürgs empfiehlt aus dem AvivA Verlag:

„Er gilt als Inspiration für Aldous Huxleys Schöne neue Welt: Rose Macaulays Roman Was nicht alles von 1918. Voller Witz und Ironie schildert Macaulay darin die Bestrebungen einer Regierung nach dem ‚Großen Krieg’, die Bevölkerung intelligenter zu machen, und liefert zugleich eine scharfsinnige Analyse der zerstörerischen Folgen des Ersten Weltkriegs für Gesellschaft und Individuum. Für mich war dieser in Großbritannien nach seiner Neuausgabe gefeierte Roman eine großartige Entdeckung – und Josefine Haubold hat ihn wunderbar übersetzt und mit einem Nachwort versehen.“

Rose Macaulay: Was nicht alles. Eine prophetische Komödie; Herausgegeben und aus dem Englischen von Josefine Haubold; September 2022; 280 Seiten; gebunden, mit Leseband; ISBN 978-3-949302-07-7; AvivA Verlag; 22,00 €

Verleger Reiner Wendling empfiehlt aus dem Verlag Assoziation A:

Die vielköpfige Hydra ist ein gelehrtes Werk … Es ist ein Dokument des Widerstands gegen den sich über die Meere ausbreitenden Kapitalismus von 1600 bis 1835, ein Widerstand, in dem interessanterweise weder die nationale Herkunft, noch Hautfarbe und Geschlecht eine dominierende Rolle spielten, und der sich auch darin manifestierte, dass neue Formen der Zusammenarbeit und der Selbstorganisation entstanden.“ – Hans Durrer, Die vielköpfige Hydra aus B & B – Bücher und Bilder 

„Linebaugh und Rediker formulieren in ihrem grandiosen Buch eine Globalgeschichte von unten. Sie beschwören Revolten gegen Enteignungen, Aufstände gegen die Sklaverei – und die Solidarität eines ‚buntscheckigen Haufens‘ aus englischen Seeleuten und irischen Spaßmachern, Lumpenpredigern und radikalen Sektierern, genossenschaftlichen Piraten, geraubten Westafrikanern und karibischen Indios.“ – Jochen Becker, Im Paradies der Meuterer, SZ, 8.1.2010

Peter Linebaugh, Marcus Rediker: Die vielköpfige Hydra. Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks; Aus dem Englischen von Sabine Bartel; Neuauflage Januar 2022; 444 Seiten; Paperback; ISBN 978-3-86241-489-5; Assoziation A; 24,00 €

Assoziation A war in diesem Jahr auf der Shortlist des Berliner Verlagspreises, den wir begleiten durften.

Christophe Koroknai, Vertrieb/Presse, empfiehlt aus dem Haymon Verlag:

„Zwischen diesen zwei Deckeln erwartet uns ein unvergessliches Leseabenteuer. Eines, das von der Zurückeroberung der eigenen Geschichte handelt, von postkolonialen Identitäten, von Familienmythologien und dem einzigartigen Flimmern der Luft unter der Sonne des australischen New South Wales. Es ist ein Buch, das tut wovon es erzählt. Es bewahrt die Sprache einer First Nation in einer Art Wörterbuch, das als Erzählstrang dient: Die Sprache des Volks der Wiradjuri, der die Autorin Tara June Winch angehört und die, wie so viele andere von der Auslöschung bedroht ist. In einer erschütternden und zugleich zutiefst hoffnungsspendenden Story wird uns die Kontinuität der Ausbeutung bewusst, die sich nicht zuletzt auf die Natur ausweitet: Die Linien, die vom weißen Kolonialismus wieder und wieder neu gesteckt und durch das Land der Aboriginals gezogen wurden, sind immer noch dieselben. Damit will sich August, die Protagonistin dieses Romans nicht abfinden. Sie macht sich unaufhaltsam auf eine Suche: Nach einer Zugehörigkeit, die über Generationen andauert, nach dem, was ihr Großvater hinterlassen hat, der wahren Geschichte der Zeit und dem Schlüssel, mit dem sie die rote Erde ihres Landes zu retten vermag.“

Tara June Winch: Wie rote Erde; Aus dem Englischen von Juliane Lochner; Oktober 2022; 376 Seiten; Hardcover, gebunden; ISBN 978-3-7099-8155-9; Haymon Verlag; 22,90 €

Eva Fromm, Rechte, Lizenzen und Marketing, empfiehlt aus dem Conbook Verlag

„Ob Street Food oder Gourmet Tempel, ob traditionell oder modern: an keinem anderen Ort vereinen sich so viele Küchen aus aller Welt wie in New York City. Mit dem Speiseführer New York gelingt es dem Autor Derk Hoberg, diese kulinarische Vielfalt der Metropole abzubilden. Weckt Reisefieber und Appetit zugleich!“

Derek Hoberg: Speiseführer New York – 30 typische Speisen, ein Blick in die Töpfe und Tipps für Märkte und Restaurants in der Stadt, die niemals schläft; Oktober 2022; 192 Seiten; Paperback mit bedruckten Einbandklappen; ISBN 978-3-95889-437-2; Conbook Verlag; 14,95 €

Lektorin Christina Müller empfiehlt aus dem Reclam Verlag:

„George Sand (1804-1876) ist berühmt dafür, dass sie die Konventionen ihrer Zeit souverän ignorierte: Sie rauchte in der Öffentlichkeit, trug Männerkleidung und hatte Liebesbeziehungen mit Männern und Frauen. Ihr kurzer Dialogroman Gabriel, in dem sie sich mit diesen Themen auf ungewöhnliche und oft sehr amüsante Art beschäftigt, wurde allerdings erst vor kurzem wiederentdeckt. Erzählt wird darin die Geschichte eines jungen Adeligen, der erst als Jugendlicher erfährt, dass er eine Frau ist – sein Großvater hat ihn fernab von der Welt als Jungen großgezogen, damit Titel und Vermögen nicht Gabriels Cousin Astolphe zufallen. Klar, dass nun dramatische Verwicklungen folgen. Und Gabriel sieht es gar nicht ein, sich für eine Geschlechterrolle zu entscheiden…“

George Sand: Gabriel. Ein Dialogroman; Aus dem Französischen von Elsbeth Ranke; Mit einem Nachwort von Walburga Hülk; Februar 2022; 176 Seiten; gebunden mit Schutzumschlag; ISBN 978-3-15-011383-7; 18,00 €

Das Lektorat empfiehlt aus dem Verlag arsEdition:

Nordlichtwunder von Yuval Zommer ist ein wunderschönes Bilderbuch über die Magie der Polarlichter. Von vielen ist es der Traum, einmal im Leben diese tanzenden Lichter mit eigenen Augen zu sehen.

Dieses Buch erfüllt diesen Traum zumindest auf Papier. Ein perfektes Geschenk für alle, die das Licht lieben und den Norden.“

Yuval Zommer: Das Nordlichtwunder; Ab 3 Jahren; Aus dem Englischen von Cornelia Bosse; Oktober 2022; 32 Seiten; Hardcover, vollfarbig; Format: 31,0 x 24,5 cm; ISBN 978-3-8458-4775-7; arsEdition; 15,00 €

Lektorin Daniela Koch (und Verlegerin Atlantis) empfiehlt aus dem Kampa Verlag:

„Andrea Bajanis Roman rückt für uns einmal die Wohnungen, intime Zeugen unseres Lebens, ins Zentrum. In einer Souterrainwohnung in Rom krabbelt ein kleiner Junge einer Schildkröte hinterher, in einer Provinzstadt ist er Liebhaber einer verheirateten Frau, in einer Pariser Mansarde Bohemien. Und in der ersten eigenen Wohnung wartet die Literatur. Mal heiter, mal traurig und immer berührend erzählt Bajani von Liebe und Schiffbruch und spiegelt uns en passant Schlüsselmomente italienischer Nachkriegsgeschichte wider.“

Andrea Bajani: Buch der Wohnungen; Aus dem Italienischen von Maja Pflug; Oktober 2022; 304 Seiten; gebunden; ISBN: 978-3-311-10041-6; Kampa Verlag; 24,00 €

Laura Hübner empfiehlt aus dem mareverlag:

„Da sich Louise Nealon literarisch mit ihrer Generation, den Millennials, in Irland auseinandersetzt, wurde sie nicht selten mit Sally Rooney verglichen. Wovon Nealon in Snowflake allerdings in rotzig-lakonischem, zum Teil herrlich komischem Tonfall erzählt, ist existenzieller. Aufgewachsen auf einem Milchbauernhof beginnt Debbie White mit 18 ein Literaturstudium in Dublin, muss jedoch aus finanziellen Gründen zuhause wohnen bleiben. Zwischen ihren wohlhabenden Kommiliton*innen fühlt sie sich fehl am Platz, zieht aber schon bald Nacht für Nacht mit ihrer neuen Freundin Xanthe um die Häuser – betäubt den Schmerz und verdrängt die Schatten, die sich zuhause anbahnen. Denn ihr Onkel ist Alkoholiker, ihre Mutter manisch-depressiv und ein plötzlicher Unfall lässt die Dinge immer mehr aus dem Ruder laufen: Wie sich diese gar nicht überempfindliche Schneeflocke ins Leben kämpft und dort behauptet, das erzählt Louise Nealon mit einzigartiger Stimme.“

Louise Nealon: Snowflake; Juli 2022; Aus dem Englischen von Anna-Nina Kroll; 352 Seiten; Hardcover gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen; ISBN: 978-3-86648-660-7; mareverlag; 24,00 €; die Besprechung unserer Gastautorin Nora Eckert findet ihr hier

Verleger Ingo Držečnik empfiehlt aus dem Elfenbein Verlag:

Das Cover zeigt den sechsten Band der Reihe, der am 8. Dezember erscheint

„Ich möchte die Romanserie Almosen fürs Vergessen des britischen Autors Simon Raven empfehlen: Mal mehr, mal weniger locker mit dem Lebensweg des englischen Berufssoldaten und Schriftstellers Fielding Gray verbunden, der nach einem Indienaufenthalt auch auf Zypern und in Deutschland stationiert ist, umspannen die zehn jeweils eigenständig lesbaren Romane erzählerisch die Jahre 1945 bis 1973. Sie sind miteinander verwoben durch die Mitglieder einer Gruppe privilegierter Internatsschüler, die sich im ersten Band Fielding Gray eben anschicken, in verschiedene politische, publizistische, wirtschaftliche und militärische Schaltstellen des britischen Gesellschaftslebens aufzurücken. Berührend, unerschrocken und höchst unterhaltsam erzählt Simon Raven davon, wie ‚menschliches Bemühen und Wohlwollen beständig dem heimtückischen Wirken von Zeit, Zufall und der übrigen Menschheit ausgesetzt sind‘. Ein elitäres Bildungssystem, der Zusammenbruch des britischen Empires, Sueskrise und Kalter Krieg, Atomwaffenentwicklung und Studentenrevolte bilden den Hintergrund, vor dem die moralische Hybris und die menschlichen Schwächen der britischen Oberschicht und der zunehmend auch tonangebenden ‚Upper Middle Class‘ ins Visier genommen werden.“

Simon Raven: Fielding Gray; Aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Sabine Franke; März 2020; 264 Seiten; Hardcover, gebunden, fadengeheftet, farbiges Vorsatz, Lesebändchen; ISBN 978-3-96160-013-7; Elfenbein Verlag; 22,00 (bei Subskription der Reihe: 19,00 €).

Der Elfenbein Verlag hat in diesem Jahr den Kleinen Preis des Berliner Verlagspreises gewonnen, den wir begleiten durften.

Produktmanager Uwe Kalkowski empfiehlt aus dem Eichborn Verlag:

„Nathan Harris hat mit Die Süße von Wasser nicht nur ein Bürgerkriegsepos verfasst, das mit Fug und Recht als moderne Antwort auf Vom Winde verweht gelten kann. Er behandelt darin zeitlose Themen wie Rassismus, Vorurteile und die vernichtende Wucht dumpfer Ressentiments. In Zeiten einer zunehmenden Spaltung – nicht nur – der US-amerikanischen Gesellschaft ein Werk von großer Aktualität. Mit seinem Debütroman hat der Autor für viel Aufsehen gesorgt. U. a. war er Preisträger ‚5 under 35‘ der National Book Foundation, der Roman war Buch des Monats bei Oprah Winfreys Buchclub, stand auf Barack Obamas Summer Reading List und gehörte für die Washington Post zu den besten Romanen 2021.“

Nathan Harris: Die Süße von Wasser; Aus dem amerikanischen Englisch von Tobias Schnettler; Oktober 2022; 448 Seiten; Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag; ISBN 978-3-8479-0121-1; Eichborn Verlag; 25,00 €

Programmleiter Rüdiger Müller empfiehlt aus dem S. Hirzel Verlag:

„Fakten oder Fake-News, Wahrheit oder Lüge: Woher wissen wir, was wissen? Die Antworten darauf sind enorm wichtig für eine funktionierende Gesellschaft, eine lebendige Demokratie. Auf der >>rechten<< Seiten verbreiten Trolle reaktionäre Propaganda im Netz. Und >>links<< sorgt die >>Cancel Culture<< dafür, dass an Universitäten der offene Diskurs über sensible Themen wie >>Gender<< oder >>Race<< eingeengt wird. Jonathan Rauch erklärt und verteidigt das Gesetz der Erkenntnis: Regeln, die die liberale Wissenschaft definieren und die realitätsbasierte Gemeinschaft organisieren. Sie stehen unter dem Dauerbeschuss von Widersachern, die nicht müde werden, immer wieder neue Angriffsstrategien auszuprobieren. Ein wichtiges Buch, das zeigt, was zu tun ist, um die Wahrheit zu verteidigen – ganz besonders in Zeiten wie diesen.“

Jonathan Rauch: Die Verteidigung der Wahrheit. Fake News, Trolle, Verschwörungstheorien und Cancel Culture; Aus dem amerikanischen Englisch von Frank Lachmann; September 2022; 416 Seiten; gebunden mit Schutzumschlag; ISBN: 978-3-7776-3230-8; S. Hirzel Verlag; 28,00 €

Leo Eberhardt, Presse, empfiehlt aus dem Wallstein Verlag:

„Was haben Indianer, Franz Kafka und die DDR gemeinsam? Sie alle sind Teil des Rätsels um einen mysteriösen Vermisstenfall: Wie konnte Durs so einfach verschwinden? Hat er sich zu Tode gestürzt? Welche Rolle spielen dabei seine Vergangenheit und seine Obsession für indigene Völker.

Ein unglaublich vielschichtiges Romandebüt voller philosophischer und literarischer Anklänge, das seine LeserInnen auf der Suche nach der Wahrheit von Südfrankreich über Paris und Venedig bis nach New York und dabei ein ums andere Mal in die Irre führt.“

Felix Heidenreich: Ich erinnere mich noch; August 2022; 146 Seiten; gebunden mit Schutzumschlag; ISBN 978-3-8353-5298-8; Wallstein Verlag; 20,00 €

Susann Brückner, Programm Leitung Sachbuch und Literatur, empfiehlt aus dem Leykam Verlag:

„Rasant und witzig ist die Geschichte, die Wlada Kolosowa in Der Hausmann erzählt: Bei Tim und Thea verdient sie das Geld, er macht den Haushalt. Kein Problem eigentlich, bis sie aus ihrer Wohnung gentrifiziert werden und in ein Mietshaus am Stadtrand ziehen müssen. Während Thea langsam unter dem Druck ihres Jobs zusammenbricht, kehrt Tim Kippen aus dem Treppenhaus und schimpft über den Spätkapitalismus. Er bringt dem Ukrainer aus dem Erdgeschoss Deutsch bei und richtet der 80-jährigen Nachbarin das Internet ein. Doch dann steht ein Fremder vor Tims Wohnungstür – und schlägt ihm unvermittelt ins Gesicht. Was, zur Hölle, ist da schiefgelaufen?

Das Besondere daran ist, WIE sie erzählt wird: Tim ist ein klassischer Erzähler, über Theas Arbeit erfahren wir durch einen Slack-Chat, die Nachbarin verfasst Spartipps in Form eines Blogs, der Ukrainer schreibt Sprachlern-Tagebuch und Tim selbst zeichnet eine Graphic Novel, die ebenfalls Teil des Romans ist. Das mach Spaß, es ist ein Erlebnis – und ein sehr gegenwärtiges dazu.“

Wlada Kolosowa: Der Hausmann. Roman mit Graphic Novel; Juli 2022; 320 Seiten; Hardcover mit Lesebändchen; ISBN 978-3-7011-8253-4; 24,50 €

Kristin Avemark, Programmleitung Kinder- und Jugendhörbuch, empfiehlt von Der Audio Verlag:

„Fans von Matt Haig erinnern sich bestimmt noch an Miika, die kleine Maus, die erstmals im Bestseller Ein Junge namens Weihnacht ihren Auftritt hatte. In seiner neuesten Weihnachts-Erzählung lässt Haig nun eben jenen kleinen Nager zu Wort kommen, denn Miika hat einiges zu berichten. In einer Welt voller Elfen, Trolle und Wichtel hat man es als gewöhnliche Maus nämlich nicht leicht. Doch mit ein bisschen Mut sowie einer Prise Magie kann selbst die kleinste Maus ihre Träume verwirklichen –  wenn sie nur ihrem Herzen folgt. Der unvergleichliche Rufus Beck liest diese hinreißende Geschichte und entführt mit seiner ungekürzten Lesung in ein zauberhaftes Winterwunderland, das Hörer:innen entzückt und Herzen wärmt!

Wer mehr aus der wunderbaren Weihnachtswelt von Matt Haig hören möchte, dem empfehlen wir die ebenfalls ungekürzten Lesungen mit Rufus Beck: Ein Junge namens Weihnacht , Das Mädchen, das Weihnachten rettete und Ich und der Weihnachtmann.“

Matt Haig: Eine Weihnachtsmaus namens Miika. Ungekürzte Lesung mit Rufus Beck; Aus dem Englischen von Sophie Zeitz; September 2022; Laufzeit ca. 113 Minuten; ISBN 978-3-7424-2524-9; Der Audio Verlag; 14,00 €

Verleger Marc Lippuner empfiehlt aus dem Querverlag:

„‚Bei der Lektüre des Manuskripts dieses Buches habe ich in mir eine wachsende Ungeduld verspürt. Wann endlich werden wir auch im deutschsprachigen Raum eine solche Vielfalt an Musiktheaterstücken mit unversteckt queeren Inhalten und Figuren besuchen können, wie sie sich im anglo-amerikanischen Raum in den zurückliegenden Jahrzehnten mit wachsender Rasanz entwickelt hat? Dass ich diese Leerstelle nun überhaupt so bewusst als solche wahrnehme, ist ein großes Verdienst dieses Buches’, schreibt Berlins Kultursenator Dr. Klaus Lederer in seinem Nachwort zu Breaking Free, unserem Sammelband über die wunderbare Welt des LGBTIQ-Musicals. Das großformatige Buch ist das erste deutschsprachige Buch, das sich die Erfolgsgeschichte der Darstellung von LGBTQ im Musical genauer anschaut, wenngleich diese auf hiesigen Bühnen noch auf sich warten lässt. Umso mehr machen die Texte Lust darauf: So stellen sie zahlreiche der historischen und neuen Stücke vor, die am Broadway oder am West End die LGBTQ-Musicalrevolution vorangetrieben haben. Der Herausgeber Kevin Clarke, ausgewiesener Experte für populäres Musiktheater, hat für Breaking Free eine Vielzahl prominenter Autor:innen gewinnen können, sowohl etablierte Musicalforscher:innen aus den USA als auch junge Wissenschaftler:innen aus Deutschland und Österreich. Das Vorwort hat Regisseur Barrie Kosky geschrieben, Interviews mit Musicalstars, Schauspieler:innen und LGBTIQ-Aktivist:innen ergänzen die historischen Analysen. Neben der eigenen Empfehlung lasse ich abschließen noch einmal Klaus Lederer zu Wort kommen: ‚Aus den Beiträgen und Interviews, die in diesem Buch versammelt sind, habe ich nicht nur sehr viel Neues erfahren, sondern mich mitunter auch köstlich unterhalten gefühlt, geschmunzelt und gelacht. Breaking Free ist kein sprödes Übersichtswerk, sondern macht Lust auf Musical, ganz besonders auf das Nonkonformistische, Queere, Subversive, das darin stecken kann.’“

Kevin Clarke (Hrsg.): Breaking Free. Die wunderbare Welt des LGBTQ-Musicals; Oktober 2022; 328 Seiten; Klappbroschur im Großformat; ISBN 978-3-89656-322-4; Querverlag; 29,00 €

Projektmanagerin Stefanie Döring empfiehlt aus dem Klartext Verlag:

„Wer wie ich mit den Sissi-Filmen von Ernst Marischka mit Romy Schneider in der Hauptrolle aufgewachsen ist, hat ein ganz bestimmtes Bild der Kaiserin im Kopf. Doch wie war Sisi wirklich? Sie war nicht nur eine Schönheit, sondern auch eine Meisterin der Selbstinszenierung und für ihre Zeit außergewöhnlich emanzipiert. Andy Englert schaut in seinem Buch hinter die Kulissen und deckt manch verborgene Geschichte auf (für mich überraschend: dass Sisi tätowiert war!), beleuchtet aber auch die Beziehung Sisis zu ihrem Mann, den Kindern und zur – im Film sehr negativ dargestellten – Schwiegermutter. Ihm gelingt es, die Ambivalenz ihres Charakters präzise zu beleuchten: Einerseits war Sisi eine bodenständige Frau, die das Reiten liebte und so manchen Wanderführer mit ihrer Kondition beim Bergsteigen überraschte, auf der anderen Seite eine Diva, deren Schönheitskult merkwürdige Blüten trieb und deren Eitelkeit so weit führte, dass sie sich ab einem bestimmten Alter nicht mehr fotografieren ließ… Die reich bebilderten Texte lassen staunen, schmunzeln und seufzen: ein perfektes Geschenk für alle, die die Filme lieben und mehr über ‚die wahre Sisi‘ erfahren möchten!“

Andy Englert: Sisi. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten; September 2022; 120 Seiten, zahlr. farb. Abbildungen; Klappenbroschur; ISBN 978-3-8375-2470-3; 16,95 €

Anna Heinemann, Presse und Online, empfiehlt aus dem Verlag Galiani Berlin:

„‚Ein Gehirn, das mit vier Händen schrieb‘, so beschreibt Alain Claude Sulzer die exzentrischen Schriftsteller-Brüder Jules und Edmond de Goncourt, die alles teilten: das Haus, die Gedanken, die Arbeit, sogar die Geliebte. Mit ihrer gefürchtet genauen Beobachtungsgabe sezierten sie den Pariser Kulturkosmos. Nichts entging ihnen – außer dem tragischen Lebensdrama ihrer eigenen Haushälterin Rose. Sulzers Roman Doppelleben setzt beiden Welten, den Salons wie den Kammern, ein einfühlsames literarisches Denkmal, erzählt auf zärtliche Weise von Verlust und Tod, dem gemeinsamen Leben für die Kunst und den blinden Flecken der Aufmerksamen.“ 

Alain Claude Sulzer: Doppelleben; August 2022; 304 Seiten; gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen; ISBN: 978-3-86971-249-9; Galiani Berlin; 23,00€

Verlegerin/Lektorin Annette Beger empfiehlt aus dem Kommode Verlag:

„Ida Lødemel Tvedt bewegt sich in ihren Essays gekonnt in einem breiten Themenspektrum: Nationalismus und Einsamkeit, Liebe und Wut, Milch und Make-up, Pornografie und Standup-Comedy, intellektuelle Haltung und die Rolle des Geständnisses im öffentlichen Leben. Es entsteht ein zutiefst intimes Porträt unserer Zeit, wenn ihre Begegnungen mit autistischen Kindern und ihrer senilen Großmutter, einer New-Yorker Kakerlake und dem Alt-Right Ideologen Sebastian Anlässe für Slapstick-Dialektik und eine trotzig üppige Prosa werden. Die Autorin bewegt sich zwischen Norwegen und New York und verwendet zeitgenössische Schriftsteller, Komiker und Fremde als Linsen, um die Beziehung zwischen politischen Stimmungen und ihren eigenen Erfahrungen zu untersuchen. Die Kapitel wechseln zwischen verschiedenen essayistischen Modi, von Porträts und Interviews bis hin zu Straßenwanderungen und Monologen, was einem spektakulären Experiment im ekstatischen Essayismus gleichkommt.“

Ida Lødemel Tvedt: Tiefseetauchen; Aus dem Norwegischen von Karoline Hippe; April 2021; 488 Seiten; Hardcover, Fadenbindung, Lesebändchen; ISBN 978-3-9524114-1-4; Kommode Verlag; 26,00 €

Lea Dunkel, Lektorat und Veranstaltungen, empfiehlt aus dem Pendragon Verlag:

„Stephen Crane ist einer der bedeutendsten Autoren seiner Zeit, und doch sind seine Geschichten hierzulande kaum bekannt. Das ist sehr schade, wo er doch ein Meister der Wandelbarkeit ist und sich an kaum einem Genre unversucht lies. Ob schreckliche Tragödie, humorvolle Erzählung oder absurde Darstellung, Crane kann einfach alles. Bei Pendragon sind bereits drei Kurzgeschichtensammlungen und ein Roman erschienen, doch was mir persönlich besonders am Herzen liegt, ist der Band Das Monster und andere Geschichten. Nicht nur, weil er mit Das Monster eine von Cranes wichtigsten Schöpfungen enthält, sondern auch, weil er eben Cranes Bandbreite von Stilen so wundervoll aufzeigt.“

Stephen Crane: Das Monster und andere Geschichten; Herausgegeben von Günther Butkus; Übersetzt und mit einem Nachwort von Lucien Deprijk; September 2022; 272 Seiten; Hardcover mit Schutzumschlag; ISBN 978-3-86532-807-6; Pendragon Verlag; 24,00 €

Frauke Müller empfiehlt aus dem Penguin Verlag:

„Kurz vor ihrem 50. Geburtstag schmeißt Brenda Strohmaier hin: ihren Job, ihren eingeübten Alltag in Berlin, ihr Umfeld, kurz – ihr gesamtes bisheriges Leben. Schuld daran ist die Angst, eine dieser verbitterten deutschen Frauen zu werden, die nach Giftmörderin aussehen – und ihre neu entdeckte Liebe zu Marseille. Wovon andere nur träumen, das nimmt Brenda Strohmaier fest entschlossen in die Hand und stürzt sich mitten rein in ihr neues Leben. Mit einer großen Prise Witz und Selbstironie berichtet sie von den zahlreichen Tücken und Fettnäpfchen des französischen Alltags und beweist sich als wahres Stehaufmännchen. Ein herrlich unterhaltsames Buch mit einer nie um einen Spruch verlegenen Protagonistin in ihrem ganz eigenen Abenteuer zwischen savoir vivre und Überleben!“

Brenda Strohmaier: Blick aufs Meer, Arsch auf Grundeis. Wie ich meinen Job kündigte, nach Südfrankreich zog und das Fürchten verlernte; Mai 2022; 256 Seiten; Klappenbroschur; ISBN 978-3-328-10826-9; Penguin Verlag; 14,00 €

Lektorat und Jacqueline Frei, Presse und Veranstaltungen Schweiz, empfehlen aus dem NordSüd Verlag:

„Nichts hat Bestand, außer der ewige Wandel. Verwandlungen aller Art bilden auch den Kern der Metamorphosen, der berühmten Vers-Sammlung des römischen Dichters Ovid. Die Geschichten über das tragische Liebespaar Orpheus und Eurydike, über Europa und den Gott Jupiter in Stiergestalt oder über Daphne, die zum Lorbeerbaum wird, sind ein Stück Weltliteratur. Nun erscheinen sie erstmals auch als Bilderbuch. Heinz Janisch hat eine Auswahl der Sagen kindgerecht nacherzählt und Ana Sender hat dazu Bilder erschaffen, die die mythische Aura des antiken Stoffes spürbar machen.

Ovid für Kinder!“

Heinz Janisch (Text), Ana Sender (Illustration): Das goldene Zeitalter. Die Metamorphosen des Ovid; ab 6 Jahren; August 2022; 96 Seiten; Hardcover mit Goldprägung auf dem Cover und Farbschnitt; Format: 21.5 x 28 cm; ISBN 978-3-314-10614-9; NordSüd Verlag; 23,00 €

Verlegerin Petya Lund empfiehlt aus dem eta Verlag:

„Lejla Kalamujić ist eine der wichtigsten Stimmen der jungen bosnischen Literatur. Ein wahrer Gewinn für die hiesige Literaturlandschaft, schafft sie es doch, mit wenigen Worten eine Welt zu erspinnen, die geradezu leicht daherkommt und dabei von den großen menschlichen Themen handelt – Tod und Liebe.“ – Lara Sielmann, Deutschlandfunk Kultur

„Ein Tag unter der Erde mit der Bergarbeiterin Selima. Nach einem Verkehrsunfall lernt Behka in der Tierarztpraxis Muharem kennen. Als Mozart verkleidet verticken Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien in Wien Konzertkarten. Ein Wasserrohrbruch wird zum Anlass, in die Lebensgeschichte der Urgroßmutter Hanifa einzutauchen. Und was ist während der Belagerung Sarajevos mit den Tieren im Zoo passiert?

Die Geschichten sind Frauen und Queers, Migrant*innen und Arbeiter*innen, älteren, einsamen oder psychisch kranken Menschen gewidmet. Und ganz besonders Tieren. Ihre Perspektive und Verletzlichkeit macht die Unmenschlichkeit, in der wir leben, schmerzlich bewusst.

Nach dem ersten, 2020 auf Deutsch erschienenen Erzählband Nennt mich Esteban weitet Lejla Kalamujić die Palette ihrer Figuren und Schauplätze aus. Was die Bücher jedoch verbindet, ist ihre empathische und humorvolle Art zu erzählen.“

Lejla Kalamujić: Denk dir die Stadt; Aus dem Bosnischen von Marie Alpermann; Oktober 2022; 90 Seiten; Hardcover; ISBN 978-3-949249-11-2; eta Verlag; 17,90 €

Der eta Verlag war in diesem Jahr auf der Shortlist des Berliner Verlagspreises, den wir begleiten durften.

Verleger Gunnar Cynybulk empfiehlt aus dem Kanon Verlag:

„Stine Pilgaard erstes Buch auf Deutsch, Meter pro Sekunde, ist sowohl von den Leser:innen als auch von der Kritik mit großer Begeisterung aufgenommen worden. Umso mehr freut es mich, Ihnen nun den Debütroman von Dänemarks erfolgsreichster Gegenwartsautorin ans Herz legen zu können. Meine Mutter sagt erzählt die ebenso witzige wie herzerwärmende Geschichte einer jungen Frau, die von ihrer Freundin verlassen wird und nun zurück zu ihrem Vater ziehen muss – einem Pastor und Pink-Floyd-Fan. Das eigentliche Energiezentrum der Familie allerdings ist ihre Mutter. Obwohl diese ganz von den Vorbereitungen zur Feier ihres 60. Geburtstag vereinnahmt ist, spart sie nicht mit zweifelhaften Lebensweisheiten. Allmählich jedoch lernt ihre Tochter, sich davon zu emanzipieren. Sie trauert, akzeptiert ihre inneren Widersprüche, ist laut und betrunken sie selbst – und verliebt sich neu. Hinrich Schmidt-Henkel hat Meine Mutter sagt auf das Treffendste übersetzt, und Caroline Peters hat das parallel erscheinende Hörbuch charmant und klingend eingelesen. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit diesem sprühenden Roman.“

Stine Pilgaard: Meine Mutter sagt; Aus dem Dänischen von Hinrich Schmidt-Henkel; November 2022; 192 Seiten; Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag; ISBN 978-3-98568-031-3; Kanon Verlag; 22,00 €

Der Kanon Verlag war in diesem Jahr auf der Shortlist des Berliner Verlagspreises, den wir begleiten durften.

Anina Barandun, Programmleiterin Edition Blau, empfiehlt aus dem Rotpunktverlag

„Dacia Maraini, selber eine Ikone der italienischen Literatur und Frauenbewegung, schreibt ihrem Freund Pier Paolo Pasolini 37 Briefe der Erinnerung. Viele Jahre nach seinem gewaltsamen Tod findet sie im Schlaf noch einmal die Möglichkeit, mit ihm zu sprechen, ihn zu sehen: ‚der gewandte, sportliche Körper, das ernste Gesicht, nicht mürrisch, sondern nachdenklich, der Blick verträumt, der Schritt entschieden und immer bereit, loszulaufen.‘ Einfühlsam, aber nie sentimental, erzählt Maraini von der großen Unruhe und der Zerbrechlichkeit, die Pasolini beherrscht haben, aber auch von seiner künstlerischen Kraft und seinem intellektuellen Furor. Aus zeitlicher Distanz liest sie noch einmal seine zum Teil hermetischen Gedichte, begibt sich noch einmal mit ihm (und Maria Callas) auf eine abenteuerliche Afrikareise, besucht noch einmal seine geliebte Mutter Susanna und schließlich sogar seinen angeblichen Mörder. Dank der sorgsamen Übersetzung von Maja Pflug geht in der deutschen Ausgabe nichts von der Innigkeit dieser Erinnerungen verloren, die Dacia Maraini anlässlich des Pasolini-Jahrs 2022 aufgeschrieben hat. Ein Geschenk nicht nur für eingefleischte Pasolini-Fans, sondern auch für alle, die ihren eigenen Zugang zum Werk des großen italienischen Visionärs vielleicht noch suchen. Und dabei auch Dacia Maraini entdecken.“

Dacia Maraini: Caro Pier Paolo. Briefe an Pasolini; Aus dem Italienischen von Maja Pflug; Oktober 2022; 208 Seiten; Hardcover, gebunden; ISBN 978-3-85869-959-6; Rotpunktverlag; 25,00 €

Christian Lütjens empfiehlt aus dem Kunstbuch-Programm von Salzgeber:

Einblick ins Buch // © Michael Brynntrup/Salzgeber Buchverlage

„‚Filmen mit S-8 heißt auch heute noch: Urlaub, Weihnachtsfest und Tante Erika‘ – Nehmen wir dieses ironische Zitat von Michael Brynntrup aus dem Jahr 1982 doch mal als Ausgangspunkt, um seinen fulminanten Text/Bild-Band Super 8 als Weihnachtsgeschenk zu empfehlen – obwohl oder gerade weil der Filmemacher in diesem Buch (wie in seinen Filmen) eben keine derart beschränkte Sicht auf die Einsatzmöglichkeiten des titelgebenden DIY-Filmformats hat, sondern sie – im Gegenteil – mit allen künstlerischen Mitteln erweitert. Daran lässt er uns in Super 8 mittels Tagebucheinträgen, Drehbuchentwürfen, Skizzen, Plakaten, Zeitungsartikeln und Film-Stills teilhaben. Indem Brynntrup seine eigene Karriere als autodidaktischer Avantgarde-Filmer von den Achtzigern bis zu den frühen 2000ern Revue passieren lässt, offenbart er das anarchisch-künstlerische (also quasi per se queere) Potenzial des Super-8-Formats und unterstreicht gleichzeitig dessen Berechtigung als eigenständige Kunstform. Dass die Entdeckung der ermutigenden Effekte der niedrigschwelligen Technik bei ihm mit den Befreiungsschlägen des Coming-outs einhergingen, macht das Buch neben einem Feuerwerk aus verblüffenden, hellsichtigen und skurrilen Ideen und Gedanken auch zum homo-historischen Inspirationsquell. Sprich: Tuntenkultur, Pornokult, Aids-Aktivismus und Schwulenszene spielen hier eine ebenso wichtige Rolle wie Mythologie, Zeitgeschichte und die Gesetze der Underground-Kunst. Weihnachtsfest und Super-8 sollten also auch im Jahr 2022 zusammengehören. Aber es lohnt sich, den Fokus diesmal statt auf Tante Erika auf Michael Brynntrup zu legen.“

Michael Brynntrup: Super 8; Oktober 2022; 400 Seiten, 357 Abbildungen in Duoton/Farbe; Texte auf Deutsch und Englisch; Hardcover; ISBN 978-3-95985-660-7; Salzgeber Buchverlage; 44,00 €

Verlegerin Claudia Gehrke empfiehlt aus dem konkursbuch Verlag:

„Ein Roman, in dem es um den ‚ganz normalen‘ prekären Alltag in einer Großstadt geht. Die Protagonistin Isabell Keppler wohnt zur Untermiete in einer kleinen Souterrainwohnung in Berlin-Kreuzberg (an der lauten Katzbachstraße). Sie schlägt sich mit verschiedenen ungeliebten Jobs durch, erscheint menschenfeindlich und schroff, Liebesbeziehungen halten nicht, Freundschaften pflegt sie nicht, nur eine einzige Freundin gibt es, die nicht aufgibt, den Kontakt zu ihr zu suchen. Ihr Vermieter bittet sie um einen Gefallen, sie hat keine Lust darauf, lässt sich aber ein, weil sie sich Sorgen macht, sonst ihre kleine Wohnung zu verlieren. Eine alte Dame, der sie Gesellschaft leisten muss, erzählt wirres Zeug (einer ihrer ungeliebten Jobs, der unsympathische Sohn der alten Frau bezahlt sie dafür). Der Roman beginnt mit einer Leiche in ihrer Wohnung. Sie macht sich Gedanken, wie sie die Leiche aus der Wohnung schaffen könnte. Wieso? Wie ist die dahingekommen?  … 

Die Protagonistin kam mir, so abweisend und unsympathisch sie auch erscheinen mag, im Lauf des ersten Lektüre des Manuskripts immer näher. Der Roman stand mehrere Monate auf der Krimibestenliste von DLF. Regina Nösslers Romane und Thriller haben immer mit Abgründen im Alltag zu tun, mit verschiedenen Themen mitten aus der gesellschaftlichen Realität. Für Fans subtiler Spannung und raffiniert gewobener Geschichten!“

Regina Nössler: Katzbach; 2. Auflage Frühjahr 2022; 352 Seiten; ISBN 978-3-88769-593-4; konkursbuch Verlag Claudia Gehrke; 12,90 €

Nefeli Kavouras empfiehlt aus dem mairisch Verlag:

„Was macht es mit dir, in eine fremde Stadt zu kommen? Wie fängst du das Leben dort an? Der britischugandische Autor Musa Okwonga erzählt in seinem autofiktionalen Roman Es ging immer nur um Liebe davon, wie es ist, in Berlin anzukommen und sich dort als Person of Colour zurechtzufinden, wie es ist, Freund*innen zu finden, sich zu verlieben und wieder zu trennen, die Magie des Voodoos zu erfahren, Kuchen zu essen und als Autor zu arbeiten. Es gibt diese Bücher, in die man sich nur nach wenigen Sätzen verliebt. Das ist so eins. Ich hätte ewig den Gedanken von Musa Okwonga lauschen können, nie war mir in seiner Gegenwart langweilig. Und stets trug ich beim Lesen die Erinnerung mit: Ja, am Ende geht es wirklich immer nur um Liebe.“

Musa Okwonga: Es ging immer nur um Liebe; Aus dem Englischen von Marie Isabel Matthews-Schlinzig; September 2022; 152 Seiten; Hardcover; ISBN 978-3-948722-19-7; mairisch Verlag; 20,00 €

Roxana Höchsmann empfiehlt aus dem Verlag Kremayr & Scheriau:

„Die Buchpremiere zu Und wie wir hassen! wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Ein komplett volles Schauspielhaus kurz vor dem ersten Lockdown. Aber nicht nur deswegen. Einige der Hetzreden, live und mit viel Furore vorgetragen, klingen mir jetzt noch in den Ohren. Unter anderem die Tirade von Sophie Süßmilch, in der sie ihrem Hass auf Dinge wie Hoden, cat content, Homöopathie, Yoga oder Orten wie München, Salzburg und Frankfurt freien Lauf lässt.

Besonders klanghaft und mit viel Wiener Schmäh ist übrigens auch Maria Muhars Hassrede mit dem Titel „Schlachthausgasse“, die man hier noch nachschauen kann:

Also wer in der besinnlichen Zeit eher das Bedürfnis hat, sich gegen das Patriarchat aufzulehnen, statt liebe Lieder zu singen, der/dem sei die Sammlung, herausgegeben von Lydia Haider, empfohlen.“

Mit Texten von Puneh Ansari · Sibylle Berg · Verena Dengler · Ebru Düzgün (Ebow) · Raphaela Edelbauer · Nora Gomringer · Judith Goetz · Gertraud Klemm · Barbi Marković · Maria Muhar · Manja Präkels · Kathrin Röggla · Judith Rohrmoser (Klitclique) · Stefanie Sargnagel · Sophia Süßmilch

Lydia Haider (Hg.): Und wie wir hassen! 15 Hetzreden; März 2020; 160 Seiten; Hardover kaschiert; ISBN 978-3-218-01210-2; Verlag Kremayr & Scheriau; 19,90 €

😲📖💙

…und hier endet die bunte und engagierte Liste mit Vorschlägen, die auch weit über die winterlich-festliche Zeit hinaus wirken und relevant sein dürften. Viel Freude beim Lesegenuss!

Eure queer-reviewer

Unser Schaffen für the little queer review macht neben viel Freude auch viel Arbeit. Und es kostet uns wortwörtlich Geld, denn weder Hosting noch ein Großteil der Bildnutzung oder dieses neuländische Internet sind für umme. Von unserer Arbeitstzeit ganz zu schweigen. Wenn ihr uns also neben Ideen und Feedback gern noch anderweitig unterstützen möchtet, dann könnt ihr das hier via Paypal, via hier via Ko-Fi oder durch ein Steady-Abo tun – oder ihr schaut in unseren Shop. Vielen Dank!

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