„Wir müssen das mit der Klimakrise endlich auf die Kette kriegen“

Nach einer kurzen zweiwöchigen Spät-Spätsommerpause sind wir heute wieder mit unserer 5 Fragen an…-Reihe am Start und freuen uns, dass Jonathan Berlin sich im Anschluss an ein Interview zum Zweiteiler Das weiße Haus am Rhein, einer fiktionalisierten Geschichte der Hoteliersdynastie Dreesen, noch die Zeit nahm, unsere 5 Fragen zu beantworten.

Trauma, Familie, Franzosen und Nazis

In der Familiensaga (an deren Entstehung auch manche vom Oktoberfest 1900-Team beteiligt waren), die nach dem Ersten Weltkrieg einsetzt, die Zeit der 1920er mal außerhalb der Metropole Berlins in der rheinischen Provinz vis-a-vis des Drachenfelsens als nicht nur wilde, sondern auch emotional und intellektuell herausfordernde, nachdenkliche und politische Phase zeigt, spielt Berlin den von der Front heimkehrenden Sprössling Emil Dreesen. Als dieser hat er nicht nur das eine oder andere Trauma zu verarbeiten, sondern sich auch gegen die Festgefahrenheit der Eltern Fritz (Benjamin Sadler) und Maria (Katharina Schüttler) durchzusetzen und sich mit den französischen Siegern, die das Rheinhotel Dreesen in Beschlag nehmen wollen, zu arrangieren. 

Neue Visionen für das weiße Haus am Rhein: Juniorchef Emil Dreesen (Jonathan Berlin, re.) möchte mit seiner Schwester Ulla (Pauline Rénevier) auf Kultur und Unterhaltung setzen // © ARD Degeto/SWR/WDR/Zeitsprung Film/Krzysztof Wiktor

Dabei stehen ihm seine ohnehin mit der ihr zugeschriebenen Rolle als braves Mädel und Frauchen hadernden Schwester Ulla (Pauline Rénevier, Sisi) und seine resolute, gut vernetzte, jüdischstämmige Großmutter Adelheid (Nicole Heesters) zur Seite. Nicht leichter wird’s, als sich ein gewisser Herr Hitler entscheidet, dass das Haus ein gutes Habitat für seine Unternehmungen in der Rheinregion sein könnte…

Tausendsassa – nicht nur im „AUGUST“

…so viel einmal zur recht komplexen Mini-Serie, die wir natürlich noch ausführlich besprechen werden (ab 27. September ist sie in der ARD-Mediathek zu finden, am 3. Oktober werden beide Teile ab 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt). Ebenso lest ihr bald das ausführliche Interview zu Jonathan Berlins Hauptrolle in Das weiße Haus am Rhein, Erlebnissen nach der #ActOut-Kampagne – hier war er nicht nur Teil der 185 Schauspieler*innen, sondern durch das begleitende Interview im SZ Magazin einer der sichtbarsten Köpfe – und filmischen Zukunftswünschen.

Apropos filmische Zukunft: Jonathan hat mit August einen Kurzfilm gedreht, der im Preußen des Jahres 1790 spielt, in dem zwei junge Männer, August und Karl, aus ihrem regelfesten Alltag höherer Häuser ausbrechen und sich für einen Tag die Freiheit nehmen, selbstverantwortlich und füreinander zu leben. Es sei ein Film über Freiheit, die Freiheit der Identität und Liebe, so der junge Schauspieler, Regisseur und Aktivist im Rahmen des Manchester Film Festival – nicht das einzige internationale Filmfestival, auf dem er gezeigt wurde und weiterhin wird. Und letztlich sind Kurzfilme gern einmal Teaser für Langfassungen…

Eine Langfassung war auch diese Einleitung, in diesem Sinne nun, without further ado, die 5 Fragen an… Jonathan Berlin.

Welches Buch hat Dich zuletzt geprägt oder berührt?

Jonathan Berlin: Im Wasser sind wir schwerelos von Tomasz Jedrowski. Ich habe noch nie ein Buch so wenig beiseite legen können und noch keines hat mich so sehr bewegt wie dieses.

Welcher Film/welche Serie ist Dir deutlich in Erinnerung?

Jonathan Berlin: Vieles. MOMMY von Xavier Dolan hat mich wahrscheinlich mit am meisten geprägt.

Gibt es auch was an Musik?

Jonathan Berlin: Immer. Klassische Musik geht fast zu jedem Zeitpunkt, sonst lasse ich mich leiten, von dem, was mir zufällt. Gerade bin ich großer Fan von Beach House.

Was kommt Schönes auf den Teller, und was auf gar keinen Fall?

Jonathan Berlin: Viel Gemüse und kein Fleisch.

Ein letzter Gedanke, der nicht fehlen darf?

Jonathan Berlin fotografiert von Jakob Fliedner

Jonathan Berlin: Wir müssen das mit der Klimakrise endlich auf die Kette kriegen. Und da sind wir echt alle mit gemeint. Wenn es die Regierungen schon nicht entschieden genug angehen, müssen zumindest wir alles dafür tun, dass sie endlich aufwachen.

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