Einfach Nein!

Belgien, Dänemark, England, die Niederlande, die Schweiz und Wales und mit kurzer Verzögerung auch Deutschland: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar sind nun nach und nach die relevanten europäischen Fußballverbände eingeknickt. Keiner der Kapitäne dieser Mannschaften wird die „One Love“-Binde, die für Akzeptanz und Vielfalt in diesem ohnehin durch Menschenrechtsverletzungen geprägten Turnier stehen soll, tragen.

Noch in der vergangenen Woche tönte DFB-Präsident Bernd Neuendorf, dass er es auf einen Disput mit dem Weltfußballverband FIFA ankommen lassen würde. Scheinbar besitzt diese Aussage nur eine Woche später keine Gültigkeit mehr. Eine angedrohte Gelbe Karte für die Kapitäne, die zu Spielbeginn verhängt worden wäre, scheint den Verantwortlichen in Team und Verband nicht akzeptabel (zumal: wie groß ist die Sorge, dass im deutschen Falle ausgerechnet der Torwart so viele Gelbe Karten sammelt, dass er später gesperrt ist). Auch angedrohter Punktabzug ist offenbar ein zu großes Risiko für die Verbände.

Keine Idole, nur eine Schande

Lasst uns ganz eindeutig in Richtung des Deutschen Fußballbundes und aller beteiligten Funktionäre und Spieler sagen: Dieser Tag, dieser Moment wird als derjenige eingehen, an dem ihr die Werte, für die der deutsche Fußball stehen sollte, verraten und verkauft habt. Verraten, weil ihr noch letzte Woche behauptet habt, der FIFA die Stirn bieten zu wollen. Verkauft, weil ihr lapidare Strafen gegen den Kapitän und die Mannschaft sowie den möglichen Erfolg gegen diese Werte, Integrität und Menschenrechte abgewogen und euch gegen Toleranz entschieden habt.

Eure Vorgänger von 1954, 1974, 1990 und 2014 (manche sind aus 2014 ja sogar noch dabei) galten einst als Vorbilder, Idole, Inspiration. Dem am Mittwoch auflaufenden Team (wie auch allen anderen Teams, die oben genannt werden) bleibt zu sagen: In solche Kategorien werdet ihr wohl niemals gesteckt, wenn nicht Kapitän Manuel Neuer „zivilen Ungehorsam“ übt und entgegen der Ankündigung mit der „One Love“- oder gar der Regenbogenbinde aufläuft. Im Gegenteil, dieses Vorgehen ist eine Schande und ein Schlag ins Gesicht aller, die wegen ihrer Sexualität und Identität sowie ihres Engagements verfolgt werden. Nein, einfach Nein!

HMS

PS: Mal angenommen, die DFB-Elf überstünde tatsächlich nur aufgrund von möglichen Punktabzügen als Strafe nicht die Gruppenphase, wäre das nicht eine Möglichkeit, den deutschen Fußball als eine werte- und nicht kommerzbasierte Marke zu etablieren (und so vielleicht auch für viele neue Anhängerinnen und Anhänger ansprechend zu werden)? Mensch nennt das Risiko, kann es aber auch als Investition in die Zukunft begreifen, die auf jeden Fall Aufmerksamkeit brächte und bereits hinsichtlich der Europameisterschaft 2024 hierzulande zur Markenbildung beitrüge.

PPS: Da Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) nach dieser Entscheidung beschlossen hat, zur WM fahren zu wollen, legitimiert sie dieses Vorgehen auch von politischer Seite nur noch. Ein Besuch ihrerseits – oder jeglicher sonstiger hochrangiger Vertreterinnen und Vertreter der Bundespolitik – ist ebenfalls ein Kniefall vor dem intoleranten erzkonservativen Regime in Katar. Denn das Argument, nun den Dialog über die Menschenrechtssituation führen zu wollen, scheint vorgeschoben. Auf die Erklärung des eingefleischten Fußballfans und SPD-Generalsekretärs Kevin Kühnert sind wir nun gespannt.

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