Ernsthafter Spaß im Internet

Freuten wir uns in der ersten Staffel doch über den etwas überzeichneten Eskapismus, den die auf der Buchreihe von Anthony Horowitz basierende Serie Alex Rider uns zu Corona–Hochzeiten bescherte, freuen wir uns in einer erneut achtteiligen zweiten Staffel über eine nicht minder unterhaltsame, aber doch ein ganzes Stück weit ernsthaftere Geschichte. Damit ist die Serie wie ihr titelgebender Hauptcharakter im Teenageralter: Sie wächst, wird erwachsener und reifer.

PTBS und Lust auf mehr

Ausgangslage dieser Staffel (die auf dem vierten Band der Buchreihe Eagle Strike basiert) ist ein Alex Rider (wieder charmant: Otto Farrant), der unter den Nachwirkungen der Ereignisse in Point Blanc und nach wie vor dem Tod seines Onkels zu leiden hat. Es hilft kaum, dass die Agent*innen des Special Operations Departments des MI6 spurlos verschwunden sind. Denn nicht nur eine posttraumatische Belastungsstörung – die ihn auch immer wieder Yassen Gregorovitch (Thomas Levin) sehen lässt – begleitet ihn, sondern auch die Suche nach Antworten.

Jack (Ronke Adekoluejo) – wieder eine enge Verbündete von Alex… // © ZDF/Sophie Mutevelian

Als sein bester Freund Tom (Brenock O’Connor) und beste Freundin/gesetzlicher Vormund Jack (Ronkẹ Adékoluẹjo) einen Surfausflug vorschlagen, kommt das ganz gelegen. Hier trifft Alex auf Sabina Pleasance (Charithra Chandran) und ihren Vater, den Journalisten und Buchautoren Ed (XXX), die zusätzliche Ablenkung versprechen. Allerdings anders als gedacht, denn bald fliegt die Urlaubsvilla der Pleasances in die Luft.

…dafür kommen Mrs. Jones (Vicky McClure) und ihre Kollegen dieses Mal zu spät // © ZDF/Sophie Mutevelian

Was mysteriös ist, denn Vater Ed scheint an einem krassen Investigativ–Projekt gearbeitet zu haben und erneut meint Alex Yassen zu sehen – ist dieser am Ende gar keine Einbildung? Alex beginnt Nachforschungen anzustellen, was auch das Department samt dessen über-charmanten Chef Alan Blunt (Stephen Dillane), die mit schlechtem Gewissen belastete Mrs. Jones (Vicky McClure) und Quartiermeister Smithers (Nyasha Hatendi) auf den Plan ruft. Die allerdings wollen, dass Alex Abstand hält und glauben seinen Vermutungen, dass das alles irgendwie mit dem Launch des neuen Spiels „Feathered Serpent 2“ und dem Netz– und Techmogul Damian Cray (Toby Stephens) zu tun hat, nicht…

Höhere Einsätze im Spiel

So sucht also dieses Mal nicht das Department die Hilfe Riders, sondern viel eher lehnt es diese ab. Jedenfalls irgendwie… Die zweite Staffel der Erfolgsserie (eine dritte ist derzeit in Produktion) ist sehr viel verschachtelter als die erste. So wird hier zwischenzeitlich ein Hacker namens „Smoking Mirror“ gejagt, die CIA–Liaison Jo Byrne (Rakie Ayola) bringt zusätzlich Trubel in die Bude, ein verunsicherter Alex hinterfragt nicht nur seinen Verstand, sondern ebenso seine Umgebung und Damian Cray, den Stephens herrlich durchtrieben gibt, ist ein weit ernstzunehmenderer Gegner als ein beinahe comichafter Dr. Hugo Greif aus Staffel eins.

Dieses Mal halten Kyra (Marli Siu, l.), Alex (Otto Farrant, M.) und Tom (Brenock O’Connor, r.) sich neben Entlang auch in Amsterdam auf // © ZDF/Sophie Mutevelian

Die Einsätze sind nun also um einiges höher, schließlich soll mal eben die halbe Welt wegatomisiert werden (übrigens, um das weltweite Drogenproblem zu lösen… ein Ansatz der so auch Donald Trump und Elon Musk einfallen dürfte, an letzteren mag mensch übrigens häufiger denken) und auch das Leben von Tom, der unbedingt mit von der Partie sein will, und Kyra (Marli Siu), die wir glücklicherweise wieder treffen, steht mehr als einmal ernsthaft auf dem Spiel.

Spannende Entwicklung

Die Interaktionen zwischen den bekannten aber auch neuen Figuren (vor allem Alex und Sabina) funktionieren hierbei hervorragend, schafft Guy Burt, der wie in der ersten Staffel federführend verantwortlich für die Drehbücher ist, es doch, die Charaktere weiterzuentwickeln und nicht stagnieren oder je nach Spannungsbedarf völlig abseits ihrer Figur handeln zu lassen. Dieses Wissen um die Personen und eine grundsätzlich einheitlichere Erzählung als zu Beginn der Serie, die übrigens primär in Bristol gedreht wird, erhöhen für uns Zuschauer*innen den Spaß an der Staffel. Wir sind also herzlich zum Mitfiebern und –fühlen eingeladen. Jedoch sollte unbedingt die erste Staffel geschaut worden sein, sonst ist mensch schnell verloren.

Chefprogrammiererin Evelyn Anders (Gwyneth Keyworth) glaubt an die Ziele ihres Chefs Cray (Toby Stephens) // © ZDF/Sophie Mutevelian

Reichlich Spannungsmomente fehlen auch in dieser, erneut zackig inszenierten Season nicht, vor allem Verfolgungsjagden in einem alten Hangar, einem Gewächshaus (mit Drohne!), in irgendeinem Flugzeug oder eine Auseinandersetzung während einer sehr realen Spielsimulation dürften den Blutdruck und Genuss einiger ein ganzes Stück in die Höhe treiben. Vor allem nach einem alles in allem zwar versöhnlichen aber doch mit reichlich Cliffhanger–Momenten versehenen Ende, bleibt nur zu hoffen, dass eine Fortsetzung nicht allzu lange auf sich warten lässt.

AS

PS: Leider kein Parker Roscoe und damit kein George Sear mehr… Dann also nochmals Love, Victor eins bis drei

Alex (Otto Farrant, M.), Jack (Ronke Adekoluejo, l.) und Tom (Brenock O’Connor, r.) beim Surftrip // © ZDF/Sophie Mutevelian

Alle acht Folgen Alex Rider – Staffel zwei werden am 7. Dezember 2022 ab 20:15 Uhr auf ZDFneo gezeigt und sind jeweils nach der Ausstrahlung in der ZDF–Mediathek verfügbar (bis 4. Februar 2023). Bis zum 25. Dezember findet sich dort auch erneut die erste Staffel. 

Alex Rider – Staffel zwei; UK 2021; Kreiert und geschrieben von: Guy Burt, basierend auf den Büchern von Anthony Horowitz; Regie: Rebecca Gatward (1-4), Jon Jones (5-8); Kamera: Ben Wheeler; Titelsong: „The World is Mine“ von Samm Hershaw, Musik: Raffertie; Darsteller: Otto Farrant, Stephen Dillane, Vicky McClure, Brenock O’Connor, Ronkẹ Adékoluẹjo, Marli Siu, Nyasha Hatendi, Toby Stephens, Rakie Ayola, Charithra Chandran, Gwyneth Keyworth, Ace Bhatti; acht Folgen, jeweils ca. 43-45 Minuten, FSK: 12; zu streamen über Amazon Prime und ab dem 7. Dezember 2022 auch in der ZDF-Mediathek

Unser Schaffen für the little queer review macht neben viel Freude auch viel Arbeit. Und es kostet uns wortwörtlich Geld, denn weder Hosting noch ein Großteil der Bildnutzung oder dieses neuländische Internet sind für umme. Von unserer Arbeitstzeit ganz zu schweigen. Wenn ihr uns also neben Ideen und Feedback gern noch anderweitig unterstützen möchtet, dann könnt ihr das hier via Paypal, via hier via Ko-Fi oder durch ein Steady-Abo tun – oder ihr schaut in unseren Shop. Vielen Dank!

About the author

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert