Nun ist der Tod zu ihm gekommen: Alfred Biolek ist tot

Der beliebte Entertainer, Moderator und geschätzte Mensch Alfred Biolek ist am Freitag, 23. Juli 2021, im Alter von 87 Jahren gestorben. Eine dpa-Meldung zitiert seinen Adoptivsohn Scott Biolek-Ritchie mit den Worten, der seit längerem gesundheitlich angeschlagene Biolek sei „friedlich eingeschlafen“.

Der moderierende und kochende Jurist

Geboren wurde Alfred Biolek am 10. Juli 1934 in Freistadt (Tschechien, damals noch Tschechoslowakei) als Sohn eines Rechtsanwalts. Biolek studierte Jura und arbeite nach Promotion und zweitem juristischen Staatsexamen zunächst für das ZDF, anschließend für die BAVARIA Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft, jedoch noch nicht als Moderator, sondern als Justitiar und Produzent. Den ersten großen Erfolg als Produzent hatte er 1974 mit der Rudi Carrell-Sendung Am laufenden Band. Schließlich wurde er Projektgruppenleiter beim WDR und parallel dazu Co-Moderator des Kölner Treffs

In Bio’s Bahnhof – Musik und Gespräche live im alten Depot der Köln-Frechener Eisenbahn,begeisterte Alfred Biolek von Februar 1978 bis Oktober 1982 ein Millionenpublikum. Anke Engelke im Alter von 14 Jahren zu Gast in Bio’s Bahnhof am 25. September 1980. // © WDR/Horst Galuschka

Schließlich erfand, produzierte und moderierte er die so beliebten wie erfolgreichen WDR-Sendungen Bio’s Bahnhof (Start 1978), Mensch Meier, Boulevard Bio und alfredissimo!; die Koch- und Trank-Talksendung endete 2007. Alfred Biolek, damals Anfang siebzig und seit bald dreißig Jahren vor der Kamera, sagte dazu: „Meine Zeit ist jetzt zu Ende.“

Biolek nahm danach immer weniger öffentliche Auftritte wahr. 2010 zog er sich beim Sturz von einer Wendeltreppe schwere Verletzungen zu und fiel ins Koma, lebte anschließend eher zurückgezogen. Zur Veröffentlichung seines aktualisierten Buches Biolek – Die Rezepte meines Lebens 2018 sagte er der Bild-Zeitung: „Ich würde heute keine Verträge unterschreiben für das nächste Jahr. In meinem Alter fährt man auf Sicht. Ich akzeptiere, dass meine Kräfte nachlassen.“ Damals sagte er auch, dass er keine Angst vor dem Tod habe und dieser ruhig zu ihm kommen könne.

WDR-Intendant und ARD-Vorsitzender Tom Buhrow äußerte sich zum Tod des Entertainers: „Mit Alfred Biolek verlieren wir ein Allroundtalent des deutschen Fernsehens. Er war nicht nur ein begnadeter Talkmaster, sondern auch Ideengeber, Entdecker, Förderer und äußerst kreativ. Sein Interesse galt den Menschen, der Kunst, Kultur und der anspruchsvollen Unterhaltung. Gerne erinnere ich mich auch an seine Kochsendung ‚alfredissimo!‘. Mit wie viel Freude und Humor er sie zusammen mit seinen prominenten Gästen zelebrierte, das war mir beim Zuschauen immer ein Vergnügen. Und für den WDR kann ich sagen, dass wir uns glücklich über die Zusammenarbeit mit ihm schätzen können.“

Ausgezeichnet und zwangsgeoutet

Biolek – der den Grimme-Preis in Gold, den Deutschen Kritikerpreis, die Goldene Kamera sowie den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk erhielt – habe zudem immer wieder Künstler*innen in seine Sendungen eingeladen, die bis dahin in Deutschland nahezu unbekannt waren und anschließend auch hierzulande Stars wurden – so zum Beispiel Kate Bush oder Paolo Conte. „Nicht zu vergessen, auch Monty Python hat er für uns entdeckt,“ so Buhrow. 

Ebenfalls nicht vergessen ist, wie Biolek selber vor bald dreißig Jahren unfreiwillig in die Schlagzeilen geriet, als Rosa von Praunheim ihn (und Hape Kerkeling) am 10. Dezember 1991 in der von Ulrich Meyer moderierten, krawalligen RTL-Sendung Explosiv – Der heiße Stuhl öffentlich zwangsoutete. Von Praunheim sagte in der Sendung: „Guck dir Bio an, der ist unheimlich beliebt, der ist morgen wieder auf dem Kanal, warum kann der nicht einfach sagen: Ich bin schwul?“; die Bild titelte daraufhin „Schwulen-Verrat im TV.“ 

Alfred Biolek, Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, wollte die Äußerung zu der Zeit zunächst nicht kommentieren, verweigerte stinksauer jeden Kommentar. Der Moderator hatte seine sexuelle Identität zwar nie vor sich hergetragen, aber auch nie versteckt. Mit etwas zeitlichem Abstand sagte er, das Zwangsouting sei ein Schlag für ihn gewesen: „Aber irgendwie war das auch ganz gut und seither ist Ruhe im Karton.“

Nun ist wahrlich Ruhe für ihn, hoffentlich in Frieden. 

Eure queer-reviewer

PS: Schaut bei Interesse auf das ARD- und WDR-Programm, anlässlich des Todes von Alfred Biolek ändert der Sender das Samstagsprogramm.

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