rbb QUEER wird vier – ganz queeropäisch

Beitragsbilder: Just Friends (läuft am 27. Juli 2021 um 23:30 Uhr im rbb) und Küss mich (läuft am 22. Juli 2021 um 23:25 im rbb) // © rbb/Salzgeber

Zum vierten Mal zeigt der rbb im Sommer nicht-heterosexuelle Filme: Die Filmreihe rbb QUEER startet am 24. Juni – und das direkt mit einem richtigen Banger! + andere sommerliche Watch-Tipps

In diesem Jahr wird rbb QUEER bereits vier. Die nicht-heterosexuelle Sommer-Filmreihe dürfte sich mit einer vielfältigen Auswahl von insgesamt sieben Filmen auch in diesem Jahr großer Beliebtheit erfreuen. Zwar ist das ein Film weniger als im vergangenen Jahr, in dem es unter andrem von Mecklenburg-Vorpommern über Frankreich, die USA und Kenia einmal um die Welt ging, dafür dürften die europäischen queeren Filme dieses Jahres auch durch ihre künstlerische Besonderheit beeindrucken.

Wie im vergangenen Jahr werden die Filme unmittelbar vor jeder Ausstrahlung vom rbb-Filmexperten Knut Elstermann vorgestellt und er liefert Hintergrundinformationen zu ihrer Entstehung und Rezeption. Und ebenfalls wie im vergangenen Jahr, werden wir euch die Filme vor der Ausstrahlung noch einmal ausführlich vorstellen und besprechen. Boom.

„Das pralle Leben, die ganze Palette“

Auch dieses Jahr geht es inhaltlich wieder vielseitig zu: Coming-of-Age-Filme, Road Movies, romantische Komödien, tragikomische Geschichten und Filme wie lebendige Gemälde. Die Bandbreite ist groß und steht somit eindeutig auch für die breitgestreuten Interessen unserer heterogenen queeren Community. 

Unter den vom 24. Juni bist zum 5. August jeweils donnerstags am späten Abend laufenden Filmen finden sich sechs Free-TV-Premieren, diese werden nach der Ausstrahlung für zwei Wochen in der ARD-Mediathek zu sehen sein; der Film Bonnie & Bonnie wird für drei Monate abrufbar bleiben

BONNIE & BONNIE – am 1. Juli 2021 um 23:15 Uhr im rbb // © rbb/NDR/Svenja von Schultzendorff

„Ich freue mich auf unseren queeren Kino-Sommer, weil er das Lebensgefühl unserer vielfältigen Region trifft. Im Programm sind witzige, rührende, bewegende und überraschende Geschichten“, so rbb-Programmdirektor Dr. Jan Schulte-Kellinghaus, der noch ergänzt: „Das pralle Leben, die ganze Palette. Oder einfach: Großes Kino, für alle.“

Das sieht, irgendwie erwartungsgemäß, auch der Salzgeber-Geschäftsführer Björn Koll so, der sich freut: „Was für eine schöne Tradition: rbb QUEER geht jetzt ins vierte Jahr und feiert erneut Lebenslust, Lebenshunger und großartiges queeres Kino!“ Und fügt perfekt zur derzeitigen Weltlage passend an: „Es liegt an uns, wie wir unsere Welt wahrnehmen und gestalten. Filme sind wichtige Werkzeuge in diesem zutiefst demokratischen Prozess. Und das Tolle ist: rbb QUEER ist für alle und überall da – auch in Perleberg, Joachimsthal oder Finsterwalde.“

Verrückt und tragisch

Den Auftakt macht am 24. Juni um 23:15 Uhr die erfolgreiche (mehr als 500.000 Zuschauer*innen in den Kinos Frankreichs) französische Sportkomödie Die glitzernden Garnelen von Maxime Govare und Cédric Le Gallo. In dieser wird nach einem homophoben Statement im Fernsehen der heterosexuelle Vize-Schwimmweltmeister Matthias Le Goff von seinem Verband zu einem besonderen Job verdonnert: Er muss die titelgebende schwule Wasserball-Mannschaft „Die glitzernden Garnelen” trainieren und für die Gay Games in Kroatien fit machen. Dass der Film wie in der Pressemitteilung versprochen den Spaß am Leben und glamourösen Exzess feiert, können wir schon einmal bestätigen. Unsere Besprechung lest ihr in den kommenden Tagen.

Auf die Straße zieht es am 1. Juli um 23:15 Uhr auch Yara und Kiki im romantisch-dramatischen und teils hyperrealistischen Halb-Road-Movie Bonnie & Bonnie von Ali Hakim. Die in Hamburg-Wilhelmsburg aufgewachsene albanisch-stämmige Yara führt eine heimliche Liebesbeziehung mit der etwas älteren, unerschrockenen Kiki. Ausgerechnet Kiki, für die sich auch Yaras unberechenbarer Bruder Bekim interessiert. Was zwischen den beiden Mädchen mit Knistern und einer Wunde an Yaras Hals beginnt, wird schnell zu mehr. Doch niemand darf von der unmöglichen Liebe wissen. Um trotzdem zusammen sein zu können, werden Kiki und Yara zu Bonnie & Bonnie. 

Am 8. Juli gibt es ein anders aufgestelltes Road Movie: In Lola und das Meer von Laurent Micheli reist Lola mit ihrem Vater Philippe an die belgische Küste, um dort ihre verstorbene Mutter Catherine beizusetzen. Philippe hatte zwei Jahre zuvor den Kontakt zu ihr abgebrochen, da er das Trans-Coming-Out „seines Sohnes“ nicht akzeptieren konnte. Lola aber ist entschlossen, ihrer Mutter den letzten Wunsch zu erfüllen. Mya Bollaers wurde für ihre einfühlsame Darstellung der Lola als erste offene trans Person mit dem belgischen Filmpreis Magritte ausgezeichnet.

Küss mich – am 22. Juli 2021 um 23:25 im rbb // © rbb/Salzgeber

Mit dem Film Küss mich der Regisseurin Alexandra-Therese Keining ist am 22. Juli um 23:25 Uhr erstmals ein Klassiker des jüngeren lesbischen Kinos im Fernsehen zu sehen. Der Film erzählt laut Pressemitteilung in den warmen Farben des schwedischen Sommers die Liebesgeschichte zwischen Mia, die eigentlich mit Tim verlobt ist, und ihrer neu gewonnen Stiefschwester Frieda. Für beide steht viel auf dem Spiel: feste Beziehungen, Pläne für die Zukunft und der Familienfrieden. Doch ihre Gefühle füreinander trotzen allen Widerständen. Zumindest was die „warmen Farben des schwedischen Sommers“ angeht, wissen wir spätestens seit Are We Lost Forever um ihren inszenatorischen Reiz. Wir sind auf Küss mich gespannt und werden die Rezension hier verlinken.

Liebes-Freundschaften und -Bekundungen

Am 29. Juli um 23:30 Uhr geht es von Schweden nach Holland: In einer Kleinstadt treffen Ex-Surflehrer und Ex-Medizinstudent Yad und Fitness-Junkie Joris aufeinander. Nach ersten Startschwierigkeiten lassen die beiden zusammen Drohnen steigen, daten stilecht im American Diner und versuchen zu surfen, ohne nass zu werden. In dem Film Just Friends geht es nicht nur um die große Liebe, sondern auch ganz nebenbei um richtige und falsche Zukunftspläne, kulturelle Vorurteile und unverarbeitete Trauer. 

Benjamin – am 18. Juli 2021 um 23:25 im rbb // © rbb/Salzgeber

Nach dem Brexit wird’s auch bei rbb QUEER noch ganz britisch: Zwei Highlights kommen aus Großbritannien. Wobei, so very British ist es dann auch nicht, die Filme spielen in London. Am 15. Juli um 23:25 Uhr hört der in einer Sinnkrise steckende junge Regisseur Benjamin im gleichnamigen Film den charismatischen französischen Musiker Noah in einer Londoner Bar singen und verknallt sich sofort. Doch ist Benjamin gerade jetzt, wo seine Karriere auf der Kippe steht, bereit für die wahre Liebe? So viel schon einmal vor unserer Besprechung: Der autobiographisch geprägte Film des famosen britischen Stand-Up Comedians, Autors und Regisseurs Simon Amstell räumt mit gängigen Romanzen-Klischees auf und in den Hauptrollen glänzen Colin Morgan (Merlin in Merlin) und Phénix Brossard (Departure).

Den in der Tat prächtigen Abschluss bildet am 5. August um 23:30 Uhr der fantastische Film Postcards from London. Regisseur und Drehbuchautor Steve McLean erzählt in dem kunstdurchfluteten Film die Geschichte des ausnehmend hübschen Kleinstadtjungen Jim, der nach London kommt, um das Glück zu finden, doch in seiner ersten Nacht direkt erst einmal ausgeraubt wird. Schließlich trifft er auf die „Raconteurs“, eine Gruppe von feingeistigen Escorts mit enzyklopädischem Wissen über die schönen Künste, die sich auf das geschliffene Gespräch vor und nach dem Sex spezialisiert haben. Jim schließt sich den Jungs an und könnte der Star der Truppe werden. Doch leider fällt er beim Anblick wahrer Kunst jedes Mal in Ohnmacht. McLean lässt in seinem Film zahlreiche Anleihen an Klassiker des queeren Films von Rainer Werner Fassbinder, Derek Jarman und Gus Van Sant aufblitzen, quasi Liebesbekundungen an das New Queer Cinema. Auch dank des tollen Hauptdarstellers Harris Dickinson (Beach Rats, der auch im vergangenen Jahr bei rbb QUEER lief) und klasse besetzter Nebenrollen ist Postcards from London ein Erlebnis. Unsere Besprechung unter dem Titel „Wenn Jarmans Caravaggio schwanger gewesen wäre, dann…“ gibt es hier.

Postcards from London – am 5. August 2021 um 23:30 im rbb // © rbb/Salzgeber

So dürfte es also filmisch, zumindest was diese Reihe angeht, wieder ein unterhaltsamer, bewegender, aufwühlender und aufschlussreicher Sommer mit durchaus einigem Sex-Appeal werden. Davon abgesehen startet am 1. Juli auch der heiß ersehnte neue Film von François Ozon Sommer 85 und am 29. Juli der neue Xavier Dolan-Film Matthias & Maxime in den deutschen Kinos. Und es gibt neue Folgen von Love, Victor (hier lest ihr, wie wir die erste Staffel fanden) sowie Élite und die sechsteilige ZDF-Instant-Fiction-Serie Loving Her geht an den Start.

Eure queer reviewer

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