Sharing is caring, äh, killing

Allmählich nimmt die Impfkampagne gegen Corona in Deutschland Fahrt auf und die ersten wesentlichen Lockerungen werden bereits umgesetzt. So dürfte es auch nur noch eine Frage von nicht allzu langer Zeit sein, ab wann wir wieder flexibel innerhalb Deutschlands reisen können. Ferienwohnungen und Häuser sind für viele eine beliebte Möglichkeit, gerade auch für Wochenendtrips. Eventuell überlegen sich das einige nochmals, nachdem sie den Film The Rental – Tod im Strandhaus gesehen haben werden, der heute Abend seine Deutschlandpremiere im ZDF feiert und ab dem 21. Mai endlich auch auf DVD und BluRay erhältlich sein wird.

Alles im Verborgenen

Die Vermietung von Häusern und Wohnungen ist nicht erst seit dem Auftauchen von Internet und Apps beliebt, nimmt dadurch aber natürlich kräftig zu. Abgesehen jedoch von einigen Bewertungen auf Portalen gibt es nicht viel zu erfahren darüber, von wem wir dort was mieten. Da kann es, wie Michael Kraske es in seinem Buch Der Riss beschreibt, schon auch mal ein strammer Rassist sein, der uns da die Schlüssel zur Wohnung gibt. Es kann aber auch, was vermutlich sogar schlimmer ist, ein ebenfalls rassistisch geprägter, perverser Serienmörder sein. So wie in The Rental – oder trügt der Schein?

Ein einsames Haus an der Pazifkküste wird zum Schauplatz einer Tragödie. // © ZDF/Allyson Riggs

Das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, ist bei Tod im Strandhaus, so der deutsche Herzkino-mit-Spannung-Titel, doch manches nicht so wie es scheint, ist Doppelzüngigkeit an verschiedenen Stellen zu beobachten. Eigentlich fängt alles ganz fein an: Zwei Pärchen mieten ein Strandhaus an der Küste von Oregon, um ein entspanntes und partyreiches Wochenende zu verleben, denn Charlie (Dan Stevens) und Mina (Sheila Vand) haben einen großen Abschluss für ihr gemeinsames Business zu feiern. Charlie nimmt seine Frau Michelle (Alison Brie, Happiest Season) mit, Mina ihren Freund und Charlies Bruder Josh (Jeremy Allen White) sowie die französische Bulldogge Reggie (Chunk). 

Bei der Ankunft in der wunderschönen Villa an der Pazifikküste kommt es zu einem verbalen Eklat zwischen Mina und dem Verwalter Taylor (Toby Huss), der nicht nur allgemein seltsam ist, sondern dem Mina nicht zu Unrecht eine rassistische Haltung vorwirft. Doch wenig später entspannt sich die Stimmung, mit Alkohol und ein wenig MDMA geht die Party los, außer für Michelle, die zu müde ist. In der Nacht kommt es zu einem Zwischenfall, der erst recht für Katerstimmung und zwischenmenschliche Verstimmungen sorgt. Als Mina dann noch Kameras im Haus entdeckt, diese aber aus guten Gründen vor Michelle, Josh (und Reggie) verheimlicht, nimmt das brutale Drama seinen Lauf.

Charlie (Dan Stevens) und Geschäftspartnerin Mina (Sheila Vand) genießen das riesige Haus, das sie für ein Wochenende gemeinsam mit ihren Partnern gemietet haben. // © ZDF/Allyson Riggs

Brutales, hybrides Horror-Drama

Und ein brutales Drama ist dieser Hybrid allemal: Im ersten Teil des Films erleben wir die Geschichte von einigermaßen kaputten, oder zumindest nicht sonderlich ausgeglichenen Menschen, die in dysfunktionalen Beziehungen zueinander stehen, welche durch Zweifel, Anspannung, Unaufrichtigkeit, stille Wut und Vorwände geprägt sind. Dabei wabert im Hintergrund schon immer die vermeintliche Bedrohungslage und eine unterschwellige Düsternis, vor allem verkörpert durch den zwielichtigen Verwalter Taylor, der natürlich jederzeit Zugang zum Haus hat und sich diesen auch verschafft.

Als sich die Echtheit der Bedrohung manifestiert, allerdings anders als erwartet, ist aus dem Film längst ein Thriller geworden, der auch die ultimative Frage nach Moral, Schuld und Strafe stellt, um dann im letzten Drittel noch zu einem ausgewachsenen und sehr effektiven Horror-Slasher zu werden. Es ist schon faszinierend, wie diese verschiedenen Elemente hier ineinander greifen und wunderbar harmonieren. Insbesondere wenn wir bedenken, dass dies der erste Film als Regisseur von Dave Franco ist, der uns sonst eher als komödiantisches Talent bekannt ist. Doch hat er gemeinsam mit dem horror-erfahrenen Joe Swanberg ein beachtlich knackiges Drehbuch geschrieben und seine sichere, hoch ästhetische und Unheil verkündende Inszenierung (die hier und da an die klaustrophobischen Momente von Der Unsichtbare denken lässt) schafft ihr Übriges, wie auch die stimmige Musik von Danny Bensi und Saunder Jurriaans. Zwar gibt es dann doch ein, zwei Momente in denen Franco, der den Film auch aus seiner eigenen Paranoia in Bezug auf die ebenfalls von ihm genutzten Home-Sharing-Apps entwickelte, bei seinen einzelnen Versatzstücken ein wenig schematisch vorgeht, doch durch den nächsten cleveren erzählerischen Kniff ist das absolut zu verzeihen.

Hoppala. // © ZDF/Allyson Riggs

Dramatischer ist es da schon, dass sich der sehr ansehnliche Mann entschieden hat, nicht selber im Film mitzuspielen. Dafür hat er jedoch seine wunderbare Frau Alison Brie als Michelle besetzt und die männliche Hauptrolle Dan Stevens gegeben, der mit seinen sehr verschiedenen Rollen in Downton Abbey und dem krassen Thriller The Guest bereits Wandlungsfähigkeit bewiesen hat. Franco sei es wichtig gewesen, jemanden wie Dan Stevens zu casten, der dem Publikum auch dann sympathisch bleibe, wenn er unmoralische Dinge tue. Das klappt ganz gut, denn das eigentlich schwarze Schaf der Familie, Josh, hat einen ausgeprägteren moralischen Kompass als Stevens Charlie. 

Wer saufen kann, kann auch Ausflüge machen

Wir haben uns übrigens massiv über eine Verhaltensweise aufgeregt, als Charlie und Mina ihre Teilnahme an einer der wesentlichen Gruppenaktivitäten des Ausflugs zurückziehen, wegen Kater und Co. Unmöglich! Bei den Real Housewives hätte so ein Verhalten episodenlang für Ärger mit Eskalation bei der Reunion gesorgt, beziehungsweise hätten es die Damen gar nicht gelten lassen: Wer saufen kann, kann auch Ausflüge machen. 

Allein im Haus, folgt Michelle (Alison Brie) einem merkwürdigen Geräusch und entdeckt Schockierendes. // © ZDF/Allyson Riggs

The Rental – Tod im Strandhaus ist spannend, auf gewisse Weise tragisch, äußerst effektiv und dazu ziemlich clever. Eine absolut sehenswerte Mischung aus Beziehungsdrama, Thriller und Horror-Film, die auf einer durchaus bedenkenswerten Ausgangslage fußt und nachwirken kann.

AS

The Rental läuft heute am 10. Mai 2021 um 22:15 Uhr im ZDF.

The Rental – Tod im Strandhaus; USA, 2020; Regie: Dave Franco; Drehbuch: Dave Franco, Joe Swanberg;  Musik: Danny Bensi, Saunder Jurriaans; Kamera: Christian Sprenger; Darsteller: Dan Stevens, Alison Brie, Sheila Vand, Jeremy Allen White, Toby Huss; Laufzeit: ca. 88 Minuten; FSK: 16

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.