High Heels im Kopf

Die erste große Rolle in einer TV-Serie ist was Besonderes. Erst recht besonders ist es, wenn du als queerer Mensch in einer queeren Rolle aufspielen darfst und aus deinem Leben kein Geheimnis machen musst. Ralph Kinkel, seit 31. August als Christian/Cathérine in der ZDFneo-Sitcom The Drag and Us zu sehen, sprach mit uns unter anderem darüber, was diese erste Hauptrolle für ihn persönlich bedeutet, aber auch über queere Personen im Medienbetrieb, die Arbeit, die hinter einer Produktion steckt und die Unsicherheiten, die ein Leben als Schauspielender prägen.

Zeit für ein Gespräch – Franziska (Paula Paul) und Christian (Ralph Kinkel) // © ZDF/Walter Wehner

Wir telefonieren mit dem Schauspieler (der seinen sehr folgenswerten Instagram-Account noch selber pflegt) an einem Montagmittag (am 13. August) von Berlin nach München, wo er in der Pandemie wieder hingezogen ist. Aus Berlin, welches er nur auf einer noch verschmerzbaren Ebene vermisse, wie er uns erzählt.

„Ein absurdes Märchen“

the little queer review: Demnächst startet die Sitcom The Drag and Us, mit Dir als Hauptdarsteller. Bist Du aufgeregt? 

Ralph [Kinkel]: Na klar, voll. Ich bin total aufgeregt. Es ist ja das erste Mal, dass ich bei so einem Projekt mitmache. Und dass ich diesen Prozess im Vorfeld mitbekomme – Werbearbeit, Interviews und dann die Ausstrahlung. Ich bin so gespannt drauf, was mich erwartet, wie viele Leute es gucken werden. Viele hoffentlich natürlich [lacht].

the little queer review: Ach, danke, da kann ich nahtlos zur nächsten Frage kommen: Auch wenn Du die Serie nicht geschrieben hast, hast Du lange in der Figur gelebt, Dich intensiv darauf vorbereitet, wie unter anderem auf High Heels zu laufen gelernt…

Ralph: Genau!

the little queer review: …genau. Was meinst Du denn, wer so die Zielgruppe von The Drag and Us ist?

Ralph: Ich glaube ich kann’s von der Zielgruppe immer ganz gut vergleichen mit der eigentlich klassischen 90er-Jahre-Sitcom. Das heißt, dadurch dass es eine Sitcom und alles immer ein wenig wie ein absurdes Märchen aufgebaut ist, eine ziemlich große Zielgruppe erreicht werden kann. Also von den etwas älteren Kindern bis zu den eigenen Eltern. Unser jüngster Charakter, Freddy [gespielt von Marwin Haas, Anm. d. Red.] ist elf, zwölf Jahre alt, dann geht es bis hin zur Familienmutter Franziska [gespielt von Paula Paul, Anm. d. Red.] und auch älteren Gastdarstellerinnen und Gastdarstellern, die so kommen; ich denke dadurch kann die Serie ziemlich viel abdecken.

Franziska (Paula Paul, l.), Kunde Schneider (Miguel Abrantes Ostrowski, r.), Cathérine (Ralph Kinkel, M.) und die Söhne Nikki (Frederic Balonier, 2.v.r.) und Freddy (Marwin Haas, r.) // © ZDF/Walter Wehner

the little queer review: Wenn Du sagst Märchen: Es ist in der Serie, auch wenn’s manchmal eher am Rand stattfindet, nicht immer alles ganz einfach. Es geht um Personen, die es nicht ganz leicht haben, es sich auch sicherlich nicht gerade leicht machen. Gerade Cathérine macht es sich ja manches Mal sehr schwer…

Ralph: [lacht] …ja, genau…

the little queer review: …dadurch gibt es ja auch mit Mutter Franziska immer mehr Reibereien. Ist das so in einem Prozess entstanden, also sollte der Konflikt sich entwickeln oder ergab sich das?

Ralph: Also ich glaube, dass das Spannende bei der Rolle Cathérine/Christian und dem Zusammenspiel mit der Familie und vor allem Franzi ist, dass man nie genau weiß, was man bekommt. Das heißt, Cathérine oder Christian wird sich immer selbst als diese Persona am nächsten sein. Wenn also Christian etwas verspricht, kann es gut möglich sein, dass Cathérine das nicht halten muss und andersrum. Oder, wenn man gerade Christian brauchen würde, ist man aber mit Cathérine konfrontiert, und andersrum. 

Und das meine ich mit märchenhaft, weil das eine Rolle ist, die eigentlich auch gut gesehen werden kann wie ein Flaschengeist. Ein Wesen, ein Mensch, der absolut liebevoll handelt und absolut liebenswürdig ist, manchmal Komisches macht, zum Schluss die Entscheidungen aber so treffen wird, dass es für ihn und zum Glück auch für die anderen immer gut ausgeht.

Den Umgang mit Homosexualität lernen

the little queer review: Wobei ich manchmal auch den Eindruck habe, dass sie vor allem als Cathérine, aber auch mal Christian, nicht so richtig gut behandelt wird. So im Konfliktfeld der Familie scheinst „Du“ so ein kleiner Punchingball zu sein.

Ralph: Genau. Das kommt aber auch immer so ein bisschen drauf an, wer mit Cathérine umgeht. Der ältere Sohn Nikki [gespielt von Frederic Balonier, Anm. d. Red.] zum Beispiel hat offensichtlich so gar keine Berührungspunkte mit Drag oder auch insgesamt würd’ ich mal sagen mit Homosexualität bis zu dem Zeitpunkt als er Cathérine/Christian kennenlernt und das entwickelt sich dann. Freddy hingegen bekommt da einen viel einfacheren Zugang zu der „Gestalt“, die da bei ihnen zu Hause auftaucht, weil er da wohl schon informierter, wacher ist und das alles gar nicht so durch eine besonders maskulin-geprägte Lupe sieht, sondern eher unverfremdet. 

Chaos allenthalben: Christian/Cathérine (Ralph Kinkel), Mutter Franziska (Paula Paul), die Teenager Nikki (Frederic Balonier) und Freddy (Marwin Haas) // © ZDF/Walter Wehner

Und der Rolle Franzi, das ist das Spannende, ist alles, was in eine extrem feminine Richtung geht, vor allem wenn es um Styling und Klamotten und sowas geht, erstmal befremdlich und zweifelhaft. Das würde ihr aber wohl bei einer anderen Frau, die in den Haushalt kommen würde, ebenso gehen. 

the little queer review: Das stimmt, steht zumindest zu vermuten. Du sagtest ja, dass Nikki und Freddy damit sehr unterschiedlich umgehen, anfangs zumindest. Es gibt teilweise schon sehr homofeindliche Töne in der Serie, teils auch, weil dort ein Lernprozess beschrieben werden soll. Wir hatten beim Anschauen aber schon manches Mal den Eindruck, dass die Serie es auch immer mal unbedarft erzählt. Es gab so Momente, in denen Homophobie Teil eines Narrativ war; an einigen Stellen empfanden wir es so, dass die Autor*innen (Martin Duffy, Gabriele M. Walther, Tom Gerhardt) selber nicht so genau wissen, wie man so etwas erzählt. Und da denken wir uns: Das könnte einigen Leuten in der queeren Community sauer aufstoßen.

Ralph: Das kann ich sehr gut verstehen. Es gibt so gewisse Wörter und Ausdrücke, die einen, wenn man queer ist und queer aufgewachsen ist, sofort wie ein Blitz durch Mark und Bein gehen und die kommen definitiv in der Serie vor [vor allem in der erste Folge geht’s teilweise heftig zu, Anm. d. Red.]. Vor allem anfangs von der Rolle Nikki und…

the little queer review: …Franzis Ex-Mann…

Ralph: …genau, ihrem Ex-Mann. Und das sind so die Worte, die von vermeintlich übermaskulinen Persönlichkeiten genutzt werden, die keine Berührungspunkte oder überhaupt Ahnung von dem ganzen Metier haben. Und ich finde, dass dieses Thema zum Schluss dadurch abgeräumt wird, dass diese Figuren am Ende immer durch die Brust ins Auge eines besseren belehrt werden oder die Verlierer sind. Das heißt, diese Art von Umgang gewinnt zum Schluss nie. 

Ein queerer Sommernachtstraum

the little queer review: Okay. Uhm, mal weg vom Inhaltlichen hin zum Performen. Zum einen finden wir, dass der Rolle Deine Theatererfahrung im besten Sinne anzumerken ist und Du das ganz toll einfließen lässt. Wir finden als Darsteller stichst Du da in der Serie eindeutig heraus.

Ralph: [ein wenig verlegen] Oh, vielen, vielen Dank, das ist sehr lieb.

the little queer review: Wir haben durchaus an mancher Stelle mit The Drag and Us gehadert und dann hat’s uns ein wenig geholfen, dass es einfach Freude macht, Dir zuzugucken. Wie war es denn für Dich mit Drag… übrigens, das ist ja durchaus immer lustig, dass Christian in sein Zimmer geht und wenige Augenblicke später völlig perfekt aufgepimpt als Cathérine dasteht…

Barkeeperin Pinay Colada (Jay Miniano, l.), die glamouröse Cathérine (Ralph Kinkel, M.) und Sängerin Barbie (Catherrine Leclery, r.) // © ZDF/Walter Wehner

Ralph: …ja, vollkommen! Das ist wieder dieses tolle Märchen. Mein Problem am Anfang war auch, dass ich so viel Verantwortung empfinde für diese Kunstform, dass ich immer wieder daran erinnert werden musste und auch mich selber immer wieder dran erinnern musste, dass es keine Dokumentation ist. Das ist eben eine Sitcom, das ist wie Puck aus dem Sommernachtstraum, das ist eine Figur, die kann das. 

the little queer review: Du hattest vorher keine Erfahrungen mit Drag, richtig?

Ralph: Ich hatte einmal im Staatstheater Braunschweig eine ganz kleine Drag-Rolle. Ansonsten halt die Erfahrung, die man als schwuler junger Mann in Deutschland auch mit Drag haben kann. Also, das man beim Feiern gehen in der nächst größeren Stadt mit 16 Jahren Drag Queens kennenlernt, und ich finde das wahnsinnig beeindruckend und schön und vor allem inspirierend. Das glaube ich begleitet jemanden, wenn man viel in der Szene unterwegs ist und auch Hunger hat nach Queerness und nach einer größeren Welt, dann läuft einem das als schwulem Mann schon sehr viel über den Weg. Und da ist man auch sehr dankbar dafür.

Ralph Kinkel – ungeschminkt, auf dem Bild und im Gespräch // © Taina Mareen

the little queer review: Nun aber zu der Frage, die ich stellen wollte, bevor ich mich abgelenkt habe: Wenn diese Maskenzeiten so superlange sind und man nicht total und absolut für das Dragsein brennt, so wie Olivia Jones, macht einen das nicht ein wenig wahnsinnig? Ich bin’s ja manchmal schon nach einer halben Stunde Friseur.

Ralph: Ahahaha! [lacht, offenbar] Also die Maskenzeiten sind dann gut und gern so drei bis vier Stunden, aber da kommt einem wirklich die Theatererfahrung zugute. Da hast du teilweise auch exorbitant lange Maskenzeiten. Und hier, bei The Drag and Us, hatte ich so ein großes Glück mit meiner Maskenbildnerin Anna Kunz, die eine wahnsinnig tolle Frau ist! Sie ist richtig begabt bei dem, was sie tut UND wir haben uns richtig toll unterhalten. Wir haben uns so gut kennengelernt und miteinander sämtliche Lebenslagen diskutiert. Wir haben uns dann, wenn ich da meist morgens um sechs in die Maske kam, einfach ne richtig gute Zeit gemacht. 

Außerdem, dadurch, dass dieses Make-Up sich oft ändert, immer was Neues dazukommt, ist es auch richtig spannend geblieben für mich. Man beobachtet dann so richtig, wie das Augenbrauenabkleben ist, wie die Foundation draufkommt, das Contouring und welche Farben sind heute in der Palette, wenn man schon weiß: „Ich werd dieses Kleid haben.“ Das war tatsächlich die meiste Zeit sehr spannend. Und die Rolle macht einfach so riesig Bock [lacht]

Limoncello auf der Haut

the little queer review: Das merkt man auch. Wo wir gerade dabei sind – hast Du irgendein Lieblingsoutfit, das Dir ad hoc einfällt?

Ralph: Ja! Und zwar die Limone. Die kommt in der ersten und in der letzten Folge vor… und zuerst fand ich die richtig blöd. Das ist so ein gelbes Kleid, ein puffiges [im Grunde ein Petticoat Kleid, Anm. d. Red.] und dazu gibt’s ganz viel Zitrus-Schmuck und -Accessoires. Und bei der Anprobe war ich so „ugh und diese Farbe und neh“ und ich als mit Typ mit braunen Haaren und nem gelben Kleid… dann hab ich’s das erste Mal an mir gesehen und fand’s fantastisch. Das ist schon so mein Lieblingsoutfit, weil auch jedes Teil stimmt: Es sind Zitronen auf dem Gürtel, es gibt Zitronen-Armbändchen und -Ketten. Das mag ich schon vom Anschauen am allerliebsten.

Limone, Zitrone, Calzone, ach ne, letzteres nicht: Das Favourite-Outfit von Ralph Kinkel // © ZDF/Walter Wehner

the little queer review: Quasi ein Total Look. 

Ralph: [im Brustton der Überzeugung] Vollkommen!

the little queer review: Die Outfits von Cathérine sind in der Tat schon meist sehr on point, sehr fertig. Da sieht man dann auch, dass sich, was das angeht, auf jeden Fall jemand Gedanken gemacht hat und es nicht einfach hieß, wir werfen Dir mal ne Perücke über und einen Rock an und dann geht das schon. 

Ralph: Genau, die Kostümbildnerin Ute Pfaffendorf und der Schneider Peter Wolf haben das gemacht. Wir hatten teilweise Anproben, die haben acht Stunden gedauert, oder auch mal neun, zehn. Eben anprobieren, abstecken, überlegen, verwerfen oder auswählen… das war schon, das war anstrengend. Anstrengender auf jeden Fall als die Zeit in der Maske. Weil wir natürlich auch durch die Pandemie immer auf alles Mögliche achten mussten, das ist schon stressig.

the little queer review: Wie lange habt ihr den insgesamt am Dreh und den Drehvorbereitungen ab Deiner Beteiligung gearbeitet?

Ralph: Das waren zwei Monate. Von meinem ersten Arbeitstag, das war mein 30. Geburtstag…

the little queer review: …awwww…

Ralph: …bis zum letzten Drehtag.

the little queer review: Schön, schön. Hast Du schon jemals Film oder Serie gemacht?

Ralph: Uhm, nee. Ich hab Werbefilme gemacht oder mal so ganz kleine Auftritte, aber so in der Größenordnung überhaupt nicht. Das war wirklich ein ganz großer Glücksgriff für mich.

„Das ist Sitcom, das ist queer, das bist Du!“

the little queer review: Wie kamst Du denn eigentlich zu der Rolle? Zufall oder bist Du da gezielt hin?

Ralph: Oh, also das ist ne längere Geschichte… [lacht]

the little queer review: …na dann mal los.

Ralph: So, also, Moment. Meine beste Freundin, Liza Tzschirner (ebenfalls Schauspielerin und wisst ihr, weil’s so schön passt, das, Anm. d. Red.), ist gerade frustriert aus einem Laden gekommen und es hat geregnet und da hat Lisa ihr Handy rausgeholt und Instagram geöffnet und in einem goldenen Licht ist ihr ein Casting-Aufruf für eine Sitcom mit dem Thema „Drag“ und dem Arbeitstitel „Cathérine“ entgegen gestrahlt. Und sie hat mir das weitergeleitet und ich so: „Boah, Maus, Drag? Ich weiß nicht, ob ich das so wirklich kann.“ Und Lisa so: „Das ist Sitcom, das ist queer, das bist Du!“ Dann hab ich mich also hingesetzt und wie gewünscht einen schönen Bewerbungsbrief geschrieben und dachte: mal schauen. Dann habe ich eine Einladung zum E-Casting zurückbekommen. Das bedeutet, man filmt sich selbst, bekommt dafür Szenenvorgaben und schickt die Aufnahmen dann zu den Casterinnen und Castern.

Dann habe ich Patrice geschrieben – Patrice macht Drag, uns verbindet eine lange Freundschaft und damals wohnten wir beide noch in Regensburg. Ich hab Patrice gefragt: „Traust du mir das zu? Und ist es okay für dich, wenn ich sowas mache? Und falls ja: Würdest du mir dabei helfen?“ Patrice war sofort dabei, hat mich geschminkt – ich war die erste Person, die Patrice geschminkt hat, außer sich selbst – und dann haben wir mit lauter Freunden zu Hause ein sehr umfangreiches Casting-Video aufgenommen. Das fand ich sehr schön und toll. 

Dann bin ich zum Casting eingeladen worden und dafür nach München gefahren und weiß noch, dass der Taxifahrer zu mir meinte [spricht in einem bayerischen Dialekt] „Ja, die laufen in Regensburg schon alle mit Masken rum“ und ich dachte auch noch, wann hört dieser Panik-Hype auf, also so lange ist das her – Corona war noch gar nicht so recht real. Jedenfalls waren dann beim Casting ganz viele andere Leute, durch die Bank ein Querschnitt: Schauspieler, sowohl homo als auch hetero, Drag Queens und so weiter. 

Looks on point. // © ZDF/Walter Wehner

Die Maskenbildnerin Anna hat dann da schon geschaut, wer ist welcher Typ, was kann sie da machen und so. Und dann haben wir jeweils mit verschiedenen Anspielpartnerinnen, die eben auch eingeladen waren, zusammen gespielt. Da wurde auch schon vorsichtig angefragt: „Wie isses denn, kommst du aus der Community oder was verbindet dich so damit?“ Das war immer ganz nett so nebenbei, ich fand’s auch gut, dass es darum ging.

Das ist ja die ganze große Debatte. Mir persönlich ist es wichtig, dass „meine Leute“ die Rollen kriegen und dass wir unsere Geschichten selbst erzählen können, für so eine zeitlang erstmal. Aber ja, anderes Thema und Du kennst ja die ganze Chose.

Dann hab ich eine Einladung zu einer weiteren Runde bekommen, die war dann in Berlin, da bin ich natürlich auch hingefahren und hab noch mit einem anderen Schwung an Darstellerinnen ein Casting gehabt und auch weiteren Darstellern für die Christian/Cathérine-Rolle. Genau und nach einem so zweimonatigen Castingprozess hab ich die Zusage bekommen und mich natürlich riesig gefreut.

the little queer review: Ja, natürlich! Gerade wenn Du auch sagst, dass Du meinst, wir sollten „unsere“ eigenen Rollen spielen, ist das natürlich fein. Wir finden es hier durchaus auch gut, dass es darüber eine Debatte gibt. Aber das Glück und das Können, dass die erste große Rolle gleich sowas ist, gleich eine, mit der Du halt auch direkt in die Community reingehen kannst.

Ralph: Ja. Ich bin da wirklich sehr dankbar. Also ich hab da auch den Eindruck für mich selber, mit meinem Erfahrungsradius ist es viel näher dran, eine Drag Queen zu spielen als einen jungen Familienvater beim Tatort [wobei die ja in den neueren Tatorten auch immer mehr queere Geheimnisse mit sich bringen…, Anm. d. Red.]. Und tatsächlich dadurch, dass ich diese Rolle dann bekommen hab, hab ich mich auch gesehen gefühlt.

Können diese Augen lügen? Keine Ahnung, wen interessiert’s solange sie uns so anschauen?! // © Sarah Mikeleitis

Man hat immer so ein wenig das Gefühl, wenn lauter andere Menschen darüber entscheiden, dann werde ich wahrscheinlich die Erfahrung sammeln, dass das, was ich mir immer gedacht hab, dass ich es so gern tun würde, nichts für mich ist. Dass es hier aber nicht so war, sondern eine positive Bestätigung in die Richtung, das hat mich wahnsinnig gefreut. 

the little queer review: Das gibt sicherlich auch so einen Rückhalt, den man auch immer mal braucht, um auch anderes wegstecken zu können. Wenn Du Dir jetzt was wünschen könntest… uhm, unabhängig davon, ob die Serie fortgesetzt werden soll oder ist das eine Mini-Serie? So wie sie endet, könnte sie ja weitergehen aber auch abgeschlossen sein.

Ralph: Könnte sein, dass es da eine zweite Staffel gibt. Das wird dann beizeiten entscheiden.

the little queer review: Okay, okay. Jedenfalls, nun hast Du erstmalig so eine Erfahrung gemacht. Soll der Weg da auch weiter hingehen oder lieber so ein Wechsel zwischen Theater und TV-Film oder…?

Ralph: Den Wechsel fänd’ ich am allerschönsten. Denn zum Schluss sind es tatsächlich zwei ziemlich unterschiedliche Berufe. Beim Theater hat man so diese sechs Wochen Probenzeit und dann ja zwei Monate oder zwei Jahre, in denen man in einem Stück mitspielt, das währenddessen gute und schlechte Abende haben kann. Und beim Fernsehen und Film ist es eben so, dass dieser eine Moment zählt. Da muss man schnell sein, das muss on Point sein, was ich sehr gern mag. Wobei ich gern am Theater mag, dass man länger Zeit mit einer Rolle verbringen darf. 

the little queer review: Ja, bestenfalls [wir lachen]. Möchtest Du gern noch etwas ergänzen, das Dir wichtig ist, wenn es um Dich und diese Rolle geht?

Ralph: Ja! Was mir wichtig ist, dass ich so dankbar bin, dass mir so viele Queens geholfen haben. Sei es als Inspirationsfiguren oder als direkte Ansprechpartnerinnen, als Ratgeberinnen, dann auch als Freunde und Freundinnen und dass mich die Rolle diesen Identifikationsfiguren so viel näher gebracht hat, dafür bin ich extrem dankbar. 

Eine Queen sie zu unterhalten // © ZDF/Walter Wehner

the little queer review: Ach wunderbar, was für ein geschmeidiges Schlusswort. Vielen lieben Dank, lieber Ralph, schön war’s!

Ralph: Ja, vielen Dank, schön und interessant. Alles Gute!

The Drag and Us wird jeweils in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ausgestrahlt; alle acht Folgen der Sitcom sind in der ZDF-Mediathek verfügbar.

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