Hi, #IchBinHanna

Gut ein Jahr ist es her, dass sich eine gewisse Irina Schlauch – sympathisch, bodenständig, selbstbewusst und schlagfertig – aufmachte, ihre mögliche Traumfrau zu finden. Auch wenn sie am Ende der für den Grimme Preis nominierten und mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Unterhaltung Reality ausgezeichneten ersten Staffel Princess Charming zwar Lou wählte, hat es nicht sollen sein.

Princess Hanna eilt zu den 19 Ladies // Foto: © RTL

Ob es bei der neuen Princess Hanna (die wir euch zum Tag der Lesbischen Sichtbarkeit samt Interview vorgestellt hatten) anders sein wird? Wir Zuschauer*innen werden es wohl in neun bis zehn Wochen, wenn die Reunion der heute gestarteten zweiten Staffel des lesbisch-queeren RTL+/VOX-Erfolgsformats verfügbar sein wird, erfahren. 

Abgeschminkt

Zunächst einmal zur weltverändernden, erschütternden Änderung in dieser Staffel: Zwar sind wir noch immer in Griechenland und es sind immer noch 19 Singles, die um die 28-jährige Princess buhlen, doch gibt es nach drei Staffeln Prince Charming und einer Princess Charming nun eine neue Villa auf neuer Insel – Rhodos. Boom! In der Tat eine beeindruckendere, die vor allem mehr Outdoor-Space zu bieten scheint und auch von innen häuslicher, weil weniger offen geschnitten, daherkommt. Allerdings wirkt sie dadurch auch weniger offen. Brüller. Gerade der in vergangenen Staffeln stets hoch frequentierte Aufhübschbereich scheint aber nicht gerade an Platz gewonnen zu haben, überhaupt gibt es nur noch ein großes Schlafkabuff.

Maria (l.) und Carolin mit Flagge auf dem Weg in die Villa // Foto: © RTL Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf RTL+ gestattet.

Ansonsten ist im Grunde alles wie gehabt. Die 19 Singles werden zur Villa gebracht; während der Fahrt im offenen Bus gibt es schon erste Gesprächsfetzen für uns: Wer bist Du? Was suchst Du? Seit wann singlest Du? Dazu werden einzelne Kandidatinnen (bisher hat keine angegeben sich als nicht-binär o. ä. zu identifizieren) genauer vorgestellt; dabei hapert’s hier und da, wenn eine etwa sagt, sie sei 26 und RTL zeigt uns „25“ an – das passiert ein, zwei Mal im Lauf der ersten Folge.

Ein bunter Strauß Menschen

Die Mischung der vermutlich nach der Princess (die in der Tat ein ganz anderer Typ ist als ihre Vorgängerin) gierenden Singles ist dabei recht bunt und bietet sicherlich für jede*n Zuschauer*in ein gewisses Identifikationspotenzial, wenn natürlich auch in so einer ersten Folge noch nicht allzu viel zu erfahren ist, was über eine sehr bewusste Selbstinszenierung hinausgeht. Wobei sich schon schnell Sympathien entwicklen können – untereinander („Ich seh hier lauter Ärsche“), vonseiten der Princess (wir fragen uns übrigens, wie weit im Voraus sie eine Liste der Singles mit Namen und Bild bekommt, also sonst… das geht doch nicht, oder?) und der Zuschauenden.

V.l.: Anastasia, Princess Hanna, Dora, Kim Paula, Maria und Jördis // Foto: © RTL

Wir lernen unter anderem die 34-jährige Jördis aus Berlin kennen, die sich, seit sie sich mehr mit Queerness beschäftige, selber als queer definiere; die 20-jährige pansexuelle Lena, die noch nie wirklich eine Beziehung hatte und doch seit zweieinhalb Jahren Mutter ist und sagt, dass es durchaus eine Herausforderung sei, Mutter zu werden und zu sein, während man selber noch erwachsen werde; die 30-jährige Personalsachbearbeiterin bei der katholischen Kirche Katharina (ja, das wird in der ersten Folge Thema sein); die 29-jährige Caro, Unternehmerin aus Leipzig, die gern mit 30 die erste Million hätte oder die 26-jährige Jessica, die sagt, dass auch sehr feminine Frauen lesbisch sein könnten und dürften. 

Sympathisch und menschlich

Jessica ist, soweit wir es sehen, auch die einzige, die quasi aktiv von Hanna angesprochen und zu einem Vier-Augen-Gespräch „entführt“ wird, in dem erstmal und sinnvollerweise die wichtigsten Boxes gecheckt werden. So fällt bei der ersten Date Night – die Hanna gemäß ihrem Erlebnis-Lifestyle mit Motorrad erreicht – schnell auf, dass sie eine recht sympathische Strategie fährt, um „auszusortieren“. Fanden wir es doch immer befremdlich, wenn Prince oder Princess Kandidat*innen anfangs aussiebten, weil „wir uns nicht unterhalten haben“, wählt Hanna hier einen anderen, zumindest für uns nachvollziehbareren Weg.

…und raus bist du // Foto: © RTL Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf RTL+ gestattet.

Sie holt sich neben Personen, an denen sie Interesse hat, auch jene ins Gespräch, bei denen sie unsicher ist, um herauszufinden ob dies täuscht oder es wahrlich nicht vibed – smart. Dafür gibt es eine Kandidatin, zu der sie folgendes sagt: „Wir hatten leider keinen Augenkontakt, aber trotzdem hab ich dich wahrgenommen“ – und es gibt die begehrte Kette. Das hat Stil, Menschlichkeit und ist sympathisch, ohne dass mensch sich dafür verbiegen müsste. Fein.

Bitte keinen lauwarmen Aufguss

Fein beschreibt auch die gesamte erste Folge ganz gut. Grandios hingegen ist sie nicht, alles wirkt noch etwas schematisch und aus einem (noch) nicht näher definierbarem Grund haben uns dieses Mal einige der Kommentare aus dem Off enorm genervt. Irgendwas schien aus dem Gleichgewicht zu sein. Mal schauen, ob sich das mit den weiteren Folgen gibt und der Funke doch noch so richtig überspringt.

Princess Hanna (l.) mit allen Ladies in der ersten Ladies Night // Foto: © RTL

Auf diese haben wir natürlich Lust, freuen uns und sind gespannt, auch wenn Teile des Ausblicks auf die kommenden Episoden hier und da so wirkten, als würden die Singles Gespräche à la Gea und Wiki 2.0 führen wollen (in der Villa hängt übrigens ein Viva la Vulva-Plakat, yay). Insofern: Vorfreude ja, derweil die Hoffnung, dass es keine angestrengte unauthentische Kopie mit Blick auf mehr Nominierungen wird (Hallo, Prince Chaming Staffel zwei!).

Eure queer reviewer 

PS: Damit willkommen zu unserer diesjährigen Princess-Analyse, die wir wie im vergangenen Jahr regelmäßig unregelmäßig vornehmen werden; auch abhängig davon, was die Episoden so an Material hergeben. Ebenso werden wir am Ende nicht enthüllen, wer gehen musste; natürlich findet dies in folgenden Beiträgen Erwähnung, dies mal als präemptiven Spoiler Alert.

Hoch die Gläser – Staffel zwei geht los! // Foto: © RTL

PPS: Vom 20. bis 26. Juni zelebriert RTL Deutschland übrigens die „Woche der Vielfalt“. In der Woche gibt es unter anderem ein Shopping Queen Pride Special, am 26. Juni Das perfekte Promi Dinner mit erwähnter Irina Schlauch, dem ersten Prince Charming Nicolas Puschmann, Drag Queen Candy Crash und der Love Island-Kandidatin Jessica Derucki. Am 22. Juni ist der finnische Film Girl Picture um 20:15 Uhr bei RTL Passion zu sehen. Die Show Viva la Diva – Wer ist die Queen? wird am 20. Juni auf RTL ausgestrahlt, aber da müssen wir erstmal durchblicken, was das überhaupt ist. Auf jeden Fall ist die gute Olivia Jones dabei, die somit nicht nur zum IBES-Die-Stunde-danach-Inventar zu gehören scheint. 

Princess Hanna Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf RTL+ gestattet.

Princess CharmingStaffel 2 ab dem 14. Juni 2022 jeweils dienstags eine neue Folge auf RTL+. Ab dem 21 Juni wird die zweite Staffel auch im linearen Fernsehen auf VOX zu sehen sein. Klug ist es, diese nicht erst ein halbes Jahr später auszustrahlen; irritierend bis dämlich hingegen ist es, eine frische, lesbisch-queere Sendung im Pride Month und während der „Woche der Vielfalt“ ins Nachtprogramm zu verfrachten. Ausgestrahlt wird die erste Folge nämlich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch um 00:25 Uhr. Das erkläre jemand mal den interessierten Zuschauer*innen.

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