Gone Girls Gone

ACHTUNG: Spoiler – wer geht, wer küsst, wer trägt Trauer.

Im vergangenen Herbst schien es ein versehentlicher Running-Gag der dritten Prince Charming-Staffel zu sein, dass Prince Kim Tränka durchaus der eine oder andere Kandidat vom Ross sprang. Nach den Folgen zwei bis vier der aktuellen zweiten Princess Charming-Staffel, die bei RTL+ gestreamt und linear im späten VOX-Nachtprogramm versendet wird, stellt sich uns bald die Frage, ob Princess Hanna Sökeland am Ende eine freie Auswahl treffen können wird und einfach aus zufällig übriggebliebenen Singles wird wählen müssen. 

Spritembargo

Ganz so wild wird es sicherlich nicht sein – allein schon da zwei aktuell augenscheinlich Favoritinnen Hannas noch im Spiel sind: Jessica und Paula. Dafür entschied sich Anastasia in der dritten Folge in ihrem spritentleerten Abschleppauto die Sendung zu verlassen – was sie Hanna in einem Brief mitteilte. Das mag mensch etwas sperrig finden, erwähnt sei jedoch, dass sie in der Tat sehr angeschlagen wirkte. Nicht Vicki Gunvalson auf Reisen angeschlagen, aber doch mitgenommen.

Kindgerechte Buggy-Action: Carolin, Lena und Princess Hanna auf dem Gruppendate // Foto: RTL

Zuvor verkündet Sabcho das Gruppendate, auf das Lena, Sarah, Maria, Caro und Amelia gehen dürfen. Es wird Buggy gefahren und RTL+ überbetont ein bisschen, wie viel Action dabei sein muss. Wie wir schon befürchteten, scheinen die Redakteur*innen und Producer*innen sich oftmals zu denken: „Wie Staffel eins, nur von allem Gleichen eine Schippe mehr.“ So fühlen wir uns zwar trotz mancher Vorhersehbarkeit unterhalten, aber die Magie fehlt, leider.

Keine Kinder kriegen können vs. Kinder haben

Andererseits gibt es dann jene Momente, in denen die Mädels sehr schwierige und wichtige Gespräche führen. Etwa als Katholikin Katharina – die in Folge zwei noch über ihre Affinität zu härterem Sex sprach – dieses Mal berichtet, dass sie eine harte Infektion durchzumachen hatte, nachdem sie mit einem One-Night-Stand nicht verhütete. Konsequenz: Sie ist nicht mehr gebärfähig. Es ist absolut zu begrüßen, dass das Thema Safer Sex mit Blick auf lesbische Menschen und Menschen mit Gebärmutter in dieser Form aufgebracht wird.

Kathi (l.) sucht das Gespräch mit Princess Hanna // Foto: RTL

Wir sind etwas unschlüssig ob Hanna aufgebracht ist, als Lena ihr in einem etwas willkürlichen Moment im Buggy von ihrem Kind erzählt. Bei Eis knüpft sich ein Gespräch darüber an und wir meinen Hanna die Irritation beziehungsweise das Abwägen anzusehen und haben das Gefühl in ihr Lebenskonzept passt erstmal nicht der Aufbau einer Beziehung, in der es bereits ein Kind gäbe (unsere Vermutung soll richtig gewesen sein). 

Kuss und Kuscheln

Dass sie Kinder haben will, wissen wir jedoch aus ihrem ersten Gespräch mit Jessica aus der Auftaktfolge. Ob sie diese mit Jessica haben will? Um das herauszufinden, gibt es ein Einzeldate samt Kuss und Kuscheln. Paula hingegen ist irritiert, wünsche sie sich doch das Einzeldate. Sei’s drum. Auch sie wird geküsst werden, wenn auch erst in Folge vier während der Happy Hour. Und direkt danach wieder Jessica. 

Princess Hanna (r.) und Jessi beim Einzeldate // Foto: RTL

Da irritiert es ein wenig, dass doch Eifersüchtelei am Start ist und auch die Princess kritisch beäugt wird. Keine*r von uns hier bei the little queer review würde mit einer Person im Finale stehen wollen, die wir nicht geküsst haben. Bestenfalls mehr als einmal. Herrje, einzelne von uns wollen nicht einmal kussfrei feiern gehen. Außerdem: Ist es im Grunde das Motto der Show.

Peinlich und öde geht auch

Hanna kommt etwas früher zur Happy Hour, es wird gegrillt (Frage an dem RTL, weil wir’s hier nicht so deutlich gesehen haben: Grillen die Mädels selber, bereiten sie das selber auf oder gibt’s ein kleines Team, das im Hintergrund hilfreich performt?) und in den Hot Tub gesprungen und weil sich nun schon Leute verabschiedet hatten, gibt’s statt Rauswurf am Ende Shots und einen furchtbaren Satz als Off-Kommentar, der so mistig ist, dass wir ihn hier gar nicht wiederholen wollen. Leute, Leute, Leute…

Twelve Girls and one Hot Tub: Princess Hanna (v.) verbringt Zeit mit den Frauen im Pool // Foto: RTL

Bunt wird’s beim Graffiti-Gruppendate mit Charlotte, Kathi, Dora und Laura in Folge vier, das aus Zuschauenden-Sicht allerdings eher recht öde vor sich hin plätschert. Dafür nähern sich Paula und Dora an und in der Tat scheint Dora getroffener davon zu sein, dass es später für Paula zum Einzeldate geht, statt dass nicht sie es ist. Die Bekundungen, dass sie auch die Princess toll fände wirken hier schon ein wenig unglaubwürdig.

Wenn das queere Bunny Trauer trägt

Glaubwürdig hingegen wirkt Katharinas Entschluss die Villa zu verlassen: Der Funke ist nicht recht da, sie bezweifelt, dass sie ist, was die Princess sucht und vice versa. Wir sehen das genauso und danken ihr für zwei bis drei der aufrichtigsten Momente der Staffel. Apropos aufrichtig: Wir wissen nicht, was es ist, aber irgendwas lässt eine Menge Red Flags bei Caro aufploppen, nahezu ausnahmslos jedes Mal, wenn sie auftaucht. Schauen wir mal.

Maria (r.) gibt Princess Hanna eine Bunny Maske // Foto: RTL

Paula jedenfalls übernachtet bei Hanna; zum Sex sei es dabei nicht gekommen. Maria ist dennoch traurig und enttäuscht und trägt erstmal eine Art schwarzen Trauerschleier, was schon ein sehr Reality-TV-tauglicher Move ist… und ziemlich drüber. Sei’s drum, am Ende kann sie mit Princess Hanna über ihre Queer-Bunny-Maske neuen Kontakt finden. Viel Kontakt gab es die Nacht zuvor in der Villa, dank des guten alten Flaschendrehens.

Halbzeit in Sicht

Kontaktende ist für Lena und leider auch für Charlotte, die wir gern noch etwas besser kennengelernt hätten. Im Haus jedenfalls war sie durchaus unterhaltsam und hat gern mal einen rausgehen, das macht halt auch gutes Fernsehen. Dass Lena gehen musste, ist wie oben angedeutet weniger überraschend und in der Tat nennt Hanna als Grund auch die Kindersituation; verständlich, hatte Lena doch im Gespräch formuliert, dass sie nicht nur eine Partnerin, sondern eben auch einen weiteren Elternteil fürs Kind suche. Das muss mensch wollen und es ist völlig in Ordnung, das eben nicht zu wollen. Stichwort: Kümmerfalle.

Princess Hanna (hier links in dezentem Orange) und Paula bei ihrem Einzeldate // Foto: RTL

So endet die vierte Folge mit einem solide reduzierten Kreis an Kandidatinnen und wir sind gespannt, wer kommende Woche freiwillig geht und welches famos-dröge Action-Date es wohl geben kann. Allmählich ist Halbzeit (ja, echt) und wir schauen diese Staffel nicht ungern, zumal Hanna eine sehr interessante Person ist, doch statt Zauber gibt es hier bisher vor allem berechnetes Dahinplätschern. 

Eure queer reviewer 

Postskriptum

Im PS zur zweiten Folge der aktuellen Staffel, haben wir unserer Irritation Ausdruck verliehen, dass sie auf VOX zur Un-Sendezeit jeweils in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gezeigt wird, zumal sich RTL Deutschland in der gleichen Zeit deren Pride-Engagement, der „Vielfalt verbindet“-Kampagne und der „Woche der Vielfalt“ brüstete. Jedenfalls hat der Sender sich nach Marktanteilen von 3,2 bis 4,0 Prozent (die für diese Uhrzeit durchaus erträglich wären…) entschieden, die Sendung wieder aus dem Programm zu nehmen.

Damit fällt auch die Catch-Up-Option raus und Princess Charming ist nur für Abonnent*innen auf RTL+ zu sehen. Durchaus ist es in Ordnung, dass die Show erstmal nur als Paid-Content verfügbar ist. Ein Geschmäckle hat es trotzdem, sie zu einer Uhrzeit ins lineare Programm zu nehmen, in der damit gerechnet werden muss, dass die Quoten nicht prall würden. Das riecht halt schon nach Lock-Kalkül. 

Princess Charming – Staffel 2 seit dem 14. Juni 2022 jeweils dienstags eine neue Folge auf RTL+ und seit dem 21. Juni im linearen Fernsehen auf VOX

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