Abstand vom Feiern?

Bild: © WDR/Thomas Kost

Der Münsteraner Tatort mit Thiel und Boerne geht heute in seine 38. Ausgabe. In Es lebe der König! bewegen wir uns nach dem etwas experimentellen Limbus wieder in der gewohnten Klamauk-Kategorie. Witzig ist der neue Thiel und Booerne an mancher Stelle, spannend und interessant allerdings ist er nicht.

Mittelalterspiele und eine Leiche

Die Geschichte: „Das ‚Haus Lüdecke‘ hat eine lange Geschichte und ist über Münsters Grenzen hinaus bekannt. Im Burggraben des alten Wasserschlosses wird eine Leiche gefunden – in Ritterrüstung. Bei dem Toten handelt es sich um den frischgebackenen Burgherrn Manfred Radtke. War es ein Unfall oder steckt mehr dahinter – wie Kommissar Thiel vermutet? Erst vor wenigen Monaten hatte der ehemalige Kirmeskönig Radtke die altehrwürdige Burg erstanden und wollte hier mit seiner Familie künftig Mittelalterspiele veranstalten. Zentrales Thema: die blutrünstige Geschichte der Wiedertäufer zu Münster. Darüber ist Boerne entsetzt; mit Münsters schwärzestem Kapitel treibt man keine Späße! Aber die Vorbereitungen laufen schon. Muss das ganze Vorhaben angesichts des Toten nun abgeblasen werden?“ (Quelle: Das Erste)

Tobias Radtke (Marek Harloff) und Farnaz Radtke (Violetta Schurawlow), die zweite Ehefrau seines Vaters mögen sich. Ihr fällt es besonders schwer, nach dessen Tod mit den Theaterproben einfach weiterzumachen. // © WDR/Thomas Kost

Klamauk und Drama

Der Fall als solcher könnte durchaus ganz spannend sein und mit einer Verknüpfung zum organisierten Verbrechen und Skepsis in der Staatsanwaltschaft versucht Es lebe der König! hier auch einen großen Bogen zu schlagen. Das wirkt allerdings alles derart holprig und konstruiert, dass sich trotz diverser Wendungen nie so recht ein Gefühl von Spannung einstellen will.

Spannend ist es allerdings zu sehen, wie man hier durchaus clever und Münster-treu auch unter Corona-Bedingungen gearbeitet hat und das Beste aus der Situation macht. Geht man halt mal angeln oder zeigt ein paar ansehnliche Luftansichten von Dom und Co.

Gespräch in der Mittagspause – mit Blick über Münster: Staatsanwalt Lutz Söltenfuss (Christian Hockenbrink) mit seiner Kollegin Wilhelmine Klemm (Mechthild Grossmann). // © WDR/Thomas Kost

Auf der Humorebene funktioniert der Münsteraner Tatort auch recht gut, auch wenn es an mancher Stelle ein wenig zu drüber ist. Aber das dürfte sicherlich Geschmacksache sein. Die Auflösung der Auflösung versucht der Geschichte eine noch eher dramatische Wendung um Humanismus und Co. zu geben, leider stellt sich da eher ein Rote-Rosen-Gefühl ein.

Entspannt am Sonntagabend

Trotz dieser Kritikpunkte bleibt festzuhalten, dass Tatort: Es lebe der König! zwar belanglos aber auch nicht ärgerlich ist. So ist er trotz mancher Länge alles in allem unterhaltsam und man kann die 90 Minuten am Sonntagabend sicherlich auch schlechter verbringen. Und die Fans von eher klassischer Thiel-&-Börne-Unterhaltung dürften nach dem Limbus hiervon wieder mehr angetan sein.

Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, links) klärt Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) über die große Tradition des „Hauses Lüdecke“ auf. // © WDR/Thomas Kost

Tatort: Limbus; Deutschland 2020; Regie: Buket Alakus; Drehbuch: Benjamin Hessler; Kamera: Andreas Höfer; Musik: Christoph Blaser; Darsteller: Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Christine Urpsruch, Mechthild Großmann, Björn Meyer, Claus D. Clausnitzer, Sandra Borgmann, Marek Harloff, Violetta Schurawlow, Mai Duong Kieu; Laufzeit: ca. 88 Minuten; Eine Produktion der Bavaria Fiction GmbH (Niederlassung Köln) im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks Köln für das Erste

AS / HMS

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