Earth Day 2021 – Es ist unser aller Planet

Heute, am 22. April 2021, ist der Earth Day oder zu deutsch Tag der Erde, ins Leben gerufen im Jahr 1970 findet er nun also zum 51. Mal statt und wird dabei weltweit vom Earth Day Network kuratiert und koordiniert. In diesem Jahr findet dazu noch etwas ganz Besonderes statt: Der demokratische US-Präsident Joe Biden lädt am heutigen Donnerstag 40 Staats- und Regierungschefs zu einem digitalen Klimagipfel, darunter natürlich auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Zum Auftakt des Gipfels will Joe Biden eine Rede halten. Im Fokus sollen dann Ziele und Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und – ganz wichtig – Finanzierungsfragen stehen. Am zweiten Tag des Online-Klimagipfels soll es um die Bedeutung von Innovation und Technologie für den Klimaschutz gehen. Zu erwarten ist, dass die Biden-Regierung zusätzlich ein neues Klimaziel für 2030 ausgibt; das ist auch insofern ein großes Zeichen, da Biden erst wieder dem internationalen Klimaabkommen von Paris beigetreten war, nachdem sein Vorgänger, Donald Trump, dieses öffentlichkeitswirksam verlassen hatte. 

Die kürzlich gekürte Kanzlerkandidaten der Grünen, Annalena Baerbock, warb beim Redaktionsnetzwerk Deutschland für eine Klimaschutz-Allianz Deutschlands mit den USA, Biden habe die Chance für ein ernsthaftes Investitionsprogramm ergriffen, die Bundesrepublik solle sich dem anschließen. In einem Deutschlandfunk-Interview nannte sie die Pläne der USA ambitioniert und bekräftigte die Forderung, dass Deutschland sich daran beteiligen solle.

Doch nicht nur auf dieser Ebene passiert etwas: Unter earhtday.org finden sich diverse digitale Veranstaltungen, die seit dem 20. April stattfanden und heute um 18:00 Uhr deutscher Zeit mit einem großen globalen Event zu Ende gehen. Auch dieses wird im Anschluss verfügbar bleiben.

Ebenso verfügbar sind viele der faszinierenden Dokumentationen, die zum Beispiel arte in seiner Mediathek anbietet, aber auch linear ausstrahlt. Besonders faszinierend ist unter anderem der Film Antarktika – Die gefrorene Zeit, in dem es ans Rossmeer geht und „der Zauber des Eiskontinents noch erlebbar ist“, wie arte im Presseheft schreibt und was sich kaum treffender ausdrücken lässt. Ein Blick in unsere Besprechung lohnt sich natürlich dennoch. Wie gefährlich das Schmelzen der Welt ist, beschreibt die auf Spitzbergen lebende Line Nagell Ylvisåker eindrücklich in ihrem passend betitelten Buch Meine Welt schmilzt – Wie das Klima mein Dorf verwandelt.

Natürlich beschäftigt uns auch das Artensterben, was vielfach auf den Menschen und seine penetrante Ausbeutung zurückzuführen ist, wie nicht nur Stefano Mancuso in seinem ausgezeichneten Buch Die Rechte der Pflanzen süffisant festhält, sondern es auch in der dreiteiligen Erlebnis Erde-Dokumentation Wildes China konstatiert wird. Die Reihe befasst sich mit den zehn neu ausgewiesenen Nationalparks im Reich der Mitte. Wir finden zwar, dass die toll bebilderte Sache ein wenig kritischer hätte sein können, empfehlen sie aber dennoch. Unbedingt anschauen solltet ihr euch David Attenborough: Mein Leben auf unserem Planeten, eine der besten Naturfilme der letzten Jahre. 

Wie spannend und wahrlich reich die Artenvielfalt ist, stellt Ben Rothery in seinem famos illustrierten Band Geheimnisse der Tierwelt dar. Eine ganz andere Vielfältigkeit der Natur wiederum zeigt der gefeierte und von der renommierten Galerie Robert Morat repräsentierte Fotograf Roger Eberhard in seinem heiß begehrten Bildband Human Territoriality

Geht es in dem Band um Grenzen, bleiben wir hier einmal ganz politisch: Grenzwertig finden wir das Buch Vom Ende der Klimakrise vom deutschen Fridays for Future-Gesicht Luisa Neubauer und ihrem Kompagnon Alexander Repenning. Schon eher zu empfehlen, wenn auch nicht unkritisch zu betrachten, ist da Die Klimaschmutzlobby – Wie Politiker und Wirtschaftslenker die Zukunft unseres Planeten verkaufen. Um Gier und nicht eingehaltene Versprechen geht es auch in dem Spielfilm Ökozid, der uns zwar eher enttäuschte, aber doch gut gemeint war. Bis Mitte Mai 2021 ist er noch in der ARD-Mediathek zu sehen.

Dass natürlich auch unser Verhalten das Klima beeinflusst und jede*r Einzelne von uns ein wenig zur Verbesserung der Situation beitragen kann, beschreibt Katharina Schickling einnehmend und alltagstauglich in ihrem Konsum-Kompass, der zweifelsfrei zu einem der Sachbuch-Highlights des vergangenen Jahres zählt. Um massiven Konsum einzudämmen, lohnt es sich auch, den Wert der ganzen Pflanze zu entdecken, was dank eines fabelhaften Kochbuches von Susann Kreihe problemlos gelingen kann. Und wieso es taugt, unsere Ernährungsgewohnheiten anzupassen legt Florian Schweigert in seinem großen Krabbeln auf dem Teller dar: Insekten essen ist so unterhaltsam wie lehrreich. Dabei sollten wir vielleicht nicht die Insekten aus dem heimischen Garten oder vom Balkon nehmen, diese wiederum können wir zu vogelfreundlichen Habitaten machen, wie Ursula Kopp kompakt in Rettet die Vögel! schreibt. Um gerettete Vögel geht es auch in Janet Holmes’ besonderem Bildband Nest. Rescued Chickens at home

Vögel zu beobachten gibt es übrigens auch im Nationalpark Warthemündung, der sich am besten über eine Radtour erschließen lassen dürfte – wenn auch mit Warnungen versehen. Immerhin ein Trip, der selbst in Corona-Zeiten machbar ist. Überhaupt lässt sich das Schöne im Nahen finden, wie wir auch in Julia Schattauers Fernweh Deutschland verdeutlicht bekommen. Und für die Corona-regelkonforme Bahnfahrt zum nahen Ziel empfiehlt sich fürs Politische Wolfgang Schäubles neues Buch Grenzerfahrungen, in dem er natürlich auch über den Klimawandel spricht. Wer es literarisch und dabei poetisch mag, kommt mit Wir Gotteskinder von Nana Oforiatta Ayim voll auf ihre oder seine Kosten und wer’s so bunt wie nachdenklich mag, sollte sich You Don’t Look Gay von Julius Thesing einpacken. 

Ihr seht also, wenn es um Umwelt- und Klimaschutz geht, um die Zukunft unseres Planeten, dann hängt doch irgendwie alles mit allem zusammen. Wir hoffen, dass wir die eine oder andere Inspiration geben konnten, um euch zu ein bisschen mehr Achtsamkeit auch in vermeintlich kleinen Dingen zu animieren. In diesem Sinne freuen wir uns auch über Feedback zum Earth Day oder darüber hinaus.

Love & Peace

Eure queer-reviewer

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