Should auld acquaintance be forgot…

Beitragsbild: Zwar Kaffee statt Tee 🤫, aber sooo lecker: Schokocupcakes mit Sauerrahm. // © the little queer review

Heute nun ist es soweit: Nach Ablauf der Übergangsfrist sind die Briten nun vollständig raus aus der EU. Das weihnachtliche Handelsabkommen muss noch vom Europäischen Parlament ratifiziert werden, aber wird nun wohl die Beziehungen zwischen Briten und Festlandeuropäern regeln. Umso wichtiger ist es nun, dass unser gegenseitiges Verständnis weiterhin erhalten bleibt.

Ein ganz wesentlicher Teil der britischen Kultur jedenfalls ist die British Tea Time und dazu gibt es ein ganz tolles Buch aus dem Christian Verlag: Emma Marsdens A Very British Tea Time – Die besten Rezepte für echt englische Scones, Sandwiches, Biscuits & Cakes widmet sich einer der wohl bekanntesten Traditionen der vornehmen Damen und Herren von der Insel. Und es beinhaltet eine Reihe von Rezepten, die vielleicht keine britische Hauptmahlzeit ersetzen (wobei: angesichts der britischen Küche ist das vermutlich auch besser so), aber es verbindet dennoch sehr gut Kultur und Kulinarisches von unseren nun etwas weiter entfernten britischen Freunden.

Das Fischerei-Thema ist ja fürs Erste abgeräumt: Lachssandwich mit Kräuter-Creme-Fraîche // © Emma Lee, Christian Verlag

Leckere Rezepte, die uns leider nicht immer gelangen

A Very British Tea Time beinhaltet insgesamt 45 Rezepte, von deftigen Sandwiches, über herzhafte Scones bis hin zu deren süßen Äquivalenten, Tea- und Cupcakes und Shortbread. Auch einige Rezepte für Kuchen und sonstiges Kleingebäck findet sich in dem Büchlein – alles, was man an kleinen Leckereien eben für eine gemütliche Teetafel benötigt.

Klassische Scones mit Clotted Cream & Konfitüre // © Emma Lee, Christian Verlag

Selbstverständlich haben wir bereits einige der Rezepte ausprobiert, so die Schokocupcakes mit Sauerrahm (yummy, siehe Beitragsbild), die Kaffee-Walnuss-Torte (die uns leider im Ofen etwas zu hart geriet) oder die Haselnuss-Biskuitrolle mit Himbeeren und Sahne. Letztere verunglückte uns leider sehr, denn auch sie wurde zu hart. Statt einer Rolle hatten wir also einen gefüllten Keks, der zwar geschmacklich sehr gut war, aber mit einer Rolle so viel zu tun hatte, wie Großbritannien mit einer Republik.

Auch die regulären Scones wurden leider eher zu etwas höheren Keksen – ganz anders als die, die wir vor einigen Jahren während des Studiums auf der Insel buken. Wir wollen daher nicht ausschließen, dass es an unserem nicht mehr allzu neuen Gasofen lag, aber eigentlich sind wir durchaus halbwegs der Backkunst mächtig, wie wir erst vor wenigen Tagen in unserer Besprechung zu Bake America Great Again erläuterten.

Die etwas trocken gewordene, dennoch sehr schmackhafte Kaffee-Walnuss-Torte // © the little queer review

Dennoch sind wir leider bei unseren jeweils ersten Versuchen nicht ganz mit allen Rezepten klargekommen, was sehr schade ist, denn die hervorragend inszenierten Bilder der meisten Backkreationen in A Very British Tea Time lassen einem von selbst das Wasser im Munde zusammenlaufen. Wir wollen auf jeden Fall noch das eine oder andere weitere Rezept versuchen oder alte noch einmal backen.

Das Buch bietet mehr als Rezepte

A Very British Tea Time besteht aber aus weit mehr als „nur“ Rezepten. Einführend gibt es einige Seiten Erläuterungen zur Teetradition. Es geht um die Geschichte des Tees, wie er nach Europa und England kam, welche Konflikte sich um ihn rankten und natürlich, was eine gute Tea Time ausmacht. Es gibt außerdem einen ganz kurzen Einblick in den Tee, die Sorten und „Bedürfnisse“ der unterschiedlichen Arten, die Kunst der Mischung und natürlich zum perfekten Aufguss. Innerhalb der einzelnen Kapitel gibt es außerdem immer noch kleine Einschübe zu historischen und kulturellen Fakten. Der Geschichte des Sandwiches oder welcher Tee zu welchem Kuchen passt.

Mit der Serie gibt es den Kuchen: Victoria Sponge // © Emma Lee, Christian Verlag

All das wird – wie bereits oben erwähnt – ergänzt um sehr tolle und aufwändige Illustrationen. Neben den Gebäcken sind das Bilder und Zeichnungen von Teetassen und -servicen und typisch britischen Stoffbezügen. Den schlichteren Gemütern unter uns mag das ein wenig kitschig vorkommen, aber irgendwie macht das eben doch die Tradition aus und passt in dem Kontext natürlich ganz hervorragend.

Kultur, Kulinarik und Chichi

Unser Fazit: Beim Brexit hat nicht alles so geklappt, wie das gedacht war. Nicht beim Referendum selbst, nicht beim Austritt und wir werden sehen, wie sich die Briten nun komplett außerhalb der EU schlagen werden. Und auch unsere Versuche an den Rezepten von A Very British Tea Time haben nicht alle so geklappt, wie wir uns das gewünscht hätten.

Darf nicht fehlen: Klassisches Shortbread // © Emma Lee, Christian Verlag

Das ändert aber nichts daran, dass wir uns weiter mit der gegenseitigen Kultur beschäftigen sollten oder wir uns an den Backkreationen aus Emma Marsdens Büchlein. Es verbindet jedenfalls Kultur mit den besseren Seiten britischer Kulinarik und bietet gleichzeitig ein wenig Chichi für Liebhaberinnen und Liebhaber. Es eignet sich also sehr gut zur Erinnerung an die gute alte Zeit und vielleicht hilft es, das gegenseitige Verständnis weiter zu erhalten oder sogar wieder auszubauen.

Das schön illustrierte Cover

Mit Kultur, Kulinarik und bestem Chichi verzaubert uns „A Very British Tea Time“ Augen und Gaumen.

Emma Marsden: A Very British Tea Time – Die besten Rezepte für echt englische Scones, Sandwiches, Biscuits & Cakes; 1. Auflage, Dezember 2020; Übersetzung: Bettina Spangler; Hardcover, mit Lesebändchen, 128 Seiten, ca. 70 Abbildungen (Fotografien: Paul Brissman); Format: 16,8 x 24,1 cm; ISBN: 978-3-95961-505-1; Christian Verlag; 16,99 €

HMS

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